Die Würde braucht zwei Personen

Sa 22.11.2025 🇮🇱 Israelstand

Lk 20:27-40 Die Frage nach der Auferstehung

Der Text

Aus dem griechischen Urtext:

27 Es kamen aber einige der Sadduzäer heran, die leugnen, dass es eine Auferstehung gebe, und fragten Ihn

28 und sagten: Lehrer, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt, der eine Frau hat, und er kinderlos bleibt, soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.

29 Es waren nun sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau und starb kinderlos.

30 Und der zweite

31 und der dritte nahm sie; ebenso aber nahmen auch die sieben sie und hinterließen keine Kinder und starben.

32 Zuletzt aber starb auch die Frau.

33 In der Auferstehung nun – wessen Frau wird sie sein? Denn die sieben hatten sie zur Frau gehabt.

34 Und Jesus sagte zu ihnen: Die Söhne dieser Welt heiraten und werden verheiratet;

35 diejenigen aber, die gewürdigt werden, jene Welt und die Auferstehung von den Toten zu erreichen, heiraten weder noch werden sie verheiratet.

36 Denn sie können nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich sind und Söhne Gottes sind, da sie Söhne der Auferstehung sind.

37 Dass aber die Toten auferweckt werden, hat auch Mose beim Dornbusch angedeutet, wenn er den Herrn den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt.

38 Er ist aber nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für Ihn leben alle.

39 Einige der Schriftgelehrten aber antworteten und sagten: Lehrer, du hast gut gesprochen.

40 Sie wagten nämlich nicht mehr, Ihn noch etwas zu fragen.

Gewürdigt werden

Lange habe ich diese zwei Worte bewegt.

Mir scheint, sie sind Ursache vieler Missverständnisse.

Eine genauere Übersetzung sagt:

„Die gewürdigt worden sind.“

Darin steckt eine Auswahl. Sonst müsste es nicht gesagt werden. Sonst würden die Worte überflüssig sein.

Und darin steckt eine Zuschreibung. Etwas, was schon hinter denen liegt, denen das widerfahren ist.

Aber wenn es allein eine Zuschreibung wäre, wäre es Willkür.

Ich halte fest:

Nicht jeder ist gemeint: Es gibt keine Allversöhnung.

Es kann nicht Willkür sein, denn dann wäre es keine Würde.

Das Ruhekissen der Gnade

Besonders freikirchliche Christen verstehen die Zuschreibung der Würde als einseitigen Akt Gottes. Und so steht es auch zunächst nur dort. Aus Vers 35 lese ich nur das. Gott schreibt Würde zu.

Aber dann wäre es nicht das, was ich mit Würde bezeichne. Der Gewürdigte käme als Subjekt nicht vor. Jeder Hund könnte gewürdigt werden.

Gott aber würdigt den Menschen – den Menschen mit einem freien Willen und mit der Fähigkeit, Gott zu hören.

Muss man also die Würde nur annehmen, indem man sich z. B. taufen lässt?

Ich sage: Die Würde des Menschen braucht die zur Verfügungsstellung der Würde durch Gott und den Vollzug eines neuen Mensch-Seins durch mich.

Die Worte Jesu sind Worte in der Rückwärtsbetrachtung. Sie handeln von denen im Himmel.

Die wurden gewürdigt und haben die Würde vollzogen!

Wie vollziehe ich die Würde?

Durch Akte. Immer neue Akte.

In meinem Leben wird es nicht enden, dass ich mich durch Akte entscheide – nicht durch mich selbst gehen lassen.

Solange, bis ich vom Wesen her ganz Gottes Sohn bin.

Diese Akte sind immer nur Akte der Zustimmung zu dem aktuellen Reden Gottes.

Die Annahme der Würdigung.

Bedingung dafür ist, dass ich Gott höre.

Denn alles Gute, was ich aus mir selbst tue, bleibt Moral. Moral ist Gottes nicht würdig.

Nur die Annahme der Würde die aus dem Hören kommt, versetzt mich in den Zustand der Gottessohnschaft.

Wie höre ich Gott?

Hören ist ein Kampf.

Ein Kampf gegen den Glauben, ich wüsste selbst besser als Gott, was jetzt gut ist. Für mich und die Welt.

Wenn ich alle Erkenntnis des Guten hätte – ich wäre kein Gegenüber Gottes.

Wenn ich alles tun würde, was gut ist – es wäre eine Zielverfehlung.

Erst wenn ich zurück zu Gott, zum Vater gehe und Ihm mehr traue als mir selbst, erst dann werde ich von dem umhüllt, was Gott für mich bereitet hat.

Das Wort Religion hat zwei sprachliche Quellen:

re-ligare: re = zurück; Ligare = binden.

Oder

re-legere: re = zurück; legere lesen, sammeln, beachten.

Nur das erste ist christlich, wenn auch das zweite für das erste einen Raum bereiten kann.

Ich habe einen langen Dialog wie ich Gott höre, für den ich hier keinen Platz habe.

Zunächst gilt es auch: Will ich wirklich Gott?

Er redet mit denen, die hören wollen – und jeder, der das tut, wird anfangen, Ihn zu hören.

Ihn, als den ganz anderen. Der in mein Schweigen und Gehorchen spricht. Zu dem, der tun will, was er hört, gegen die eigenen Befindlichkeiten und Überzeugungen.

Offenbar wird es auch am Gespräch mit Menschen.

Lasse ich den anderen den sein, der mich erstaunt, mit dem je anderen, das aber für mich relevant ist? Eben nicht einfach „Meinung“ ist, sondern Befruchtung.

Gern im Gespräch mehr dazu; jetzt gehe ich auf den Markt.

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