Adams Tod

Mo 24.11.2025

Lk 21:1-4 Das Scherflein der Witwe

Der Text

Aus dem griechischen Urtext:

1 Als Er aber aufblickte, sah Er die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legen.

2 Er sah aber auch eine arme Witwe zwei Lepta hineinwerfen.

3 Und Er sagte: Wahrlich, Ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle.

4 Denn alle diese haben von ihrem Überfluss eingeworfen; sie aber hat von ihrem Mangel alles eingeworfen, was sie zum Leben hatte.

Hinweis: Zwei Lepta reichen vielleicht für den Einkauf für eine Mahlzeit.

Die ganz großen Dinge

„Groß“ eignet sich nicht, denn es ist ein relativer Begriff.

Hier geht es um Sein oder Nicht-Sein.

Welche Ereignisse gehören im Leben des Menschen dazu?

Natürlich der Tod.

Aber noch mehr: das Geborenwerden.

Und bis an diese Themen reicht diese Geschichte heran. Endgültige, ewige Dinge.

Gottes Recht

Gott gab mir das Leben, ja das ganze Sein.

An meiner Geburt erkenne ich, dass ich keinen Anspruch gegen Gott habe.

Und dass mein Herz, das doch einen Anspruch behauptet, ein Herz in Rebellion ist.

Ich komme mit nichts und ich werde mit nichts gehen.

Zwischendurch fragt Gott mich:

Willst du dein Leben verfallen lassen?

Ich biete dir Teilhabe an Meinem Leben.

Aber es ist ein Leben in Mir (Gott), so wie die Geburt und der Tod in Mir ist.

Ich kann nicht entscheiden, geboren zu werden, und ich kann nicht entscheiden, nicht zu sterben.

Aber ich kann dem Angebot Gottes in Christus zustimmen.

Damit Gott alles in allem ist und Ihm alle Ehre gehört.

Einüben in das Leben in Gott

Es steht also zwischen der Geburt von woanders her und dem Tod ein Zeitfenster, in dem ich mich Gott hingeben kann.

Diese Hingabe ist die eigentliche und einzige echte Freiheit die ich habe. Sie macht meine Würde aus.

Hingabe ist die Einordnung in den Gehorsam.

Die vorzüglichste Vorübung ist die Hingabe in die Ehe.

Auch das Berufen lassen zu einem Beruf (keinen Job) übt Hingabe ein.

In wunderbarer Weise ist es die Hingabe in eine Berufung.

Letztlich die voreilende Einwilligung in die Hinnahme Gottes.

Denn niemand kann sein Leben geben, ohne doch wieder Herr zu sein.

Die Würde braucht zwei Personen, schrieb ich vorgestern.

Eine rechte Braut bereitet sich – genommen wird sie aber vom Bräutigam (Gott).

Sterben im Alltag

Für mich gibt es viele Stellen im Alltag, an denen ich das Sterben annehmen lerne. Denn „Üben“ ist kein gutes Wort dafür. Es geht immer schon um einen Ernstfall.

Das Grünkohlessen mit der Familie gestern, für mich ohne Kassler und Kohlwurst. Es ist eben nicht einfach ein anderes Essen, es ist schon ein weniger, ein entschlossenes Nein zu dem, was meine Seele gerne möchte.

Es ist kein Verbot, es ist eine Zustimmung zu dem, was ich gehört habe.

Es ist Schweigen, wo ich reden möchte, es ist Warten, wo ich handeln will, es ist Kleines zu tun, wo ich Großes tun möchte.

Den Weg mitzugehen und die Zeit denen zu geben, die sie mir nehmen.

Die Witwe lehrt mich zudem das Handeln im Verborgenen. Niemand sieht sie – nur der Herr erkennt sie.

Sie lehrt mich, dass das kleine Werk in meiner Hand ist, nicht das Große.

Sie lehrt mich, dass der Tod ihres Mannes sie nicht arm gemacht hat, sondern bereitet hat dafür, Gott ehren zu können.

Das ist der Lobpreis Gottes, der gehört wird – mehr als lautes Singen von Liedern.

Im Sterben werde ich dankbar sein für jedes Sterben, dem ich zugestimmt habe im Leben.

Jederzeit kann eine Kalkablagerung an einer Arterie platzen und eine tödliche Thrombose verursachen.

Also sollte ich jederzeit handeln, als wäre es die letzte Möglichkeit, einem Angebot Gottes zur Hingabe nachzukommen. In Gott hineinsterben als einer, der noch „ja“ sagen kann.

Herr, beschenke mich mit der Gnade einer Tür, durch die ich meine Selbstsucht verlassen kann und mir selbst sterbe.

Und wenn nötig, gib mir einen kleinen Schubs, auch die zweite Lepta einzuwerfen.

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