Sa 03.01.2026
Joh 1:29-34 Das Zeugnis des Täufers über das Lamm Gottes
Der Text
Aus dem griechischen Urtext:
29 Am folgenden Tag sieht er Jesus auf sich zukommen und sagt: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
30 Dieser ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir geworden ist, denn Er war eher als ich.
31 Und ich kannte Ihn nicht; aber damit Er Israel offenbar werde, darum bin ich gekommen, mit Wasser zu taufen.
32 Und Johannes bezeugte und sagte: Ich habe den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabkommen sehen, und Er blieb auf Ihm.
33 Und ich kannte Ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, Der sagte zu mir: Auf wen du den Geist herabkommen und auf Ihm bleiben siehst, Der ist es, der mit Heiligem Geist tauft.
34 Und ich habe gesehen und bezeugt, dass Dieser der Sohn Gottes ist.
Was hindert Erkenntnis?
Sollte ein Mensch, der mit Jesus Christus vertraut ist, der die Wahrheit des Evangeliums erkannt hat, nicht jemand sein, der die Wahrheit und die Lüge gut unterscheiden kann? Jemand, dessen Sensorium für Wahrheit ausgeprägter ist als bei einem anderen Menschen?
Sollte also jemand, der Christus erkannt hat, sich selbst nicht leichter als Irrenden erkennen, als Sünder, als jemand, der umkehren sollte?
So habe ich es immer vermutet.
Und bin erstaunt und erschüttert – denn es scheint nicht so zu sein.
Der Täufer sagt von sich (V 31): Er ist gekommen zu taufen mit Wasser, damit Er (Jesus) Israel offenbar wird.
Ich lese daraus: Vor dem offenbar Werden steht die Umkehr, die Buße. Nicht als Technik, sondern innere Bereitung.
Und nach der Buße?
Habe ich nun neue Augen, ein neues Herz?
So habe ich es gedacht.
Aber so finde ich es kaum vor. Oft, so oft finde ich in der Christenheit mehr Verstockung als bei Menschen, die sich nicht Christen nennen.
Mir fallen sofort Menschen ein, deren Wesen, deren Verhalten besser ist als meines – und die keine Christen sind und sein wollen.
Und wenn ich dazu rechne, welchen Trost und welche Hilfe ich habe, dann fällt der Unterschied nicht größer aus.
Mir scheint, Erkenntnis ist weniger wichtig als ich dachte.
Oft im Gegenteil. Weil ich meine, erkannt zu haben, muss ich mich nicht mehr mühen.
Und auch: Mühen lohnt sich nicht – ich suche lieber nach einer Erkenntnis, mit der dann alles wie von allein gut wird.
Was dann?
Wenn ich schaue, was die Ursachen üblen Verhaltens in mir sind, ich finde zumeist Selbstsorge.
Und wenn es nicht die Sorge vor dem ist, was ich in den Augen der anderen bin, dann ist es die Sorge darum, wer ich in meinen eigenen Augen bin.
So kämpft mein unbewusstes Ich doch meinen Kampf und verbirgt vor mir, wovor ich mich fürchte.
Andere nicht zu lieben, hat immer mit Selbstliebe zu tun. Denn wie beschrieben fängt die Liebe erst bei der Feindesliebe an. Siehe Die „grauen“ Feinde
Da dies ein anderes Thema ist, nenne ich es hier nur so kurz.
Der Täufer im Anderen
Johannes ist nicht der Christus.
Aber er ist die notwendige Vorbereitung. Der Vater hat ihn dazu eingesetzt.
Jesus wird offenbar vor denen, die Buße tun.
Um Buße zu tun, brauche ich nicht Jesus, denn Gott hat mir den Bruder, den anderen, den „grauen Feind“ geschickt.
An ihm lerne ich Buße und Umkehr.
Und in dieser Umkehr ist der Raum neu offen.
Der Raum, in dem Jesus offenbar werden kann und will.
Ein Merkmal der Buße ist immer: Es tut weh, es schmerzt mein Ego. Sehr – ich bezeuge es.
Die Buße stellt sich vor mich hin und erscheint mir wie eine Vernichtung meiner selbst. Es geht nicht um eine Klärung oder Entschuldigung.
Es geht um die Umkehr, weg von mir selbst. Das Ziel bin nicht ich – es ist der Andere.
Der graue Feind.
Aber in dem allem wartet mein Erlöser auf mich und wird mich auffangen.
Aber wie soll er den auffangen, der sich selbst hält?
Jesus Christus
Er ist keine Medizin für mein Leben.
Er ist der andere Ort, an den ich fliehen kann, wenn ich mich selbst endlich loslasse.
Mich und meinen Komfort, meine Verwirklichung, meine Rechte.
Mehr noch als ein Fliehen ist es ein Ergeben. Nicht passiv, sondern mannhaft.
Annahme dessen, was mir zugemutet wird. Stehend bis zum Ende an dem Ort, der mir bestimmt ist.
Ich habe es nicht – ich jage ihm aber nach.