Jesus geht vorüber

Fr 09.01.2026

Mk 6:45-52 Jesus und die Jünger auf dem See

Der Text

Aus dem griechischen Urtext.

45 Und sogleich nötigte Er Seine Jünger, in das Boot zu steigen und voraus ans jenseitige Ufer nach Bethsaida zu fahren, während Er selbst die Menge entließ.

46 Und nachdem Er sich von ihnen verabschiedet hatte, ging Er auf den Berg, um zu beten.

47 Und als es Abend geworden war, war das Boot mitten auf dem See, und Er war allein auf dem Land.

48 Und Er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn der Wind war ihnen entgegen. Und um die vierte Nachtwache kommt Er zu ihnen, auf dem See gehend, und Er wollte an ihnen vorübergehen.

49 Sie aber, als sie Ihn auf dem See gehen sahen, meinten, es sei ein Trugbild, und schrien auf;

50 denn alle sahen Ihn und erschraken. Er aber redete sogleich mit ihnen und sagt zu ihnen: Seid guten Mutes, Ich bin es; fürchtet euch nicht.

51 Und Er stieg zu ihnen in das Boot, und der Wind legte sich. Und sie gerieten außer sich vor Staunen;

52 denn sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, sondern ihr Herz war verhärtet.

Wie den Jüngern

Es ist mir so gegangen wie den Jüngern.

Grundsätzlich will ich selbst horchen, denken und von Gott empfangen. Die KI bestätigt oder detailliert nur, was ich von woanders her habe.

Dieses Mal habe ich gefragt: „Warum will Jesus vorübergehen?“

Ich habe nicht bis zur vierten Nachtwache gewartet.

Was ist das mit dem Vorübergehen?

Es erklärt sich aus dem biblischen Denken.

Der Engel geht in der Todesnacht in Ägypten an den Israeliten vorüber.

Gott lässt Seine Herrlichkeit an Mose vorübergehen. (Ex 33:19-22)

Gott geht an Elia vorüber. (1. Kö 19:11).

Vorübergehen ist eine Art der Offenbarung Gottes.

Eine zentrale Art; für mich immer wieder erstaunlich und ein wenig beunruhigend.

Ich lasse weitere Erklärungen beiseite, denn ich suche mich in dem Ganzen.

Ich habe keinen Glauben

Ich lasse die Überschrift in dieser Spannung stehen:

Ich habe keinen Glauben.

Genauso wie ich Liebe nicht habe.

Wie schon erwähnt gibt es „haben“ im Hebräischen nicht, es gibt kein Wort dafür.

Glaube wird immer gerufen.

Von Gott gerufen.

Er geht vorbei, ich sehe Ihn.

Aber er zwingt sich mir in keiner Weise auf.

Auch nicht, indem Er mir hilft

Aus der Hilfe Gottes kommt der Glaube nicht. Er wäre dann Besitz.

Deine Hilfe ist Deine Freundlichkeit – kein Mittel, mich zu fangen.

Du suchst meine freie Liebe zu Dir.

Du fragst, ob ich Dich um Deiner willen ersehene.

Kaum auszuhalten

Die Jünger waren sehr in Not.

Jesus sieht sie.

Aber Er will mehr ihr Herz wecken, als ihnen beim Leben helfen.

Was mir widerfährt, widerfährt mir um Dich darin zu sehen.

Nicht als Missgeschick des Schicksals.

Johannes Justus und ich sprachen gestern in einem Livevideo über das Thema Angst.

Die Angst spitzt zu.

Sie verengt – entweder auf meine unbedingte Selbstliebe. Ich will leben, überleben.

Oder auf etwas ganz anderes:

In dem ist ein kleines Fenster.

Ich sehe Jesus vorübergehen.

Stehe ich auf und sage: Lass mich Deine Herrlichkeit schauen, und es genügt mir?

Oder schreie ich und sehe in Ihm etwas Fremdes, Erschreckendes.

Die Jünger bleiben Jünger obwohl „sie nicht verständig geworden sind und ihr Herz sich verhärtet hatte“ (V 52).

Mach dich auf und lerne aus ihrem und meinem Scheitern.

Ich habe den Glauben nicht, aber Du bietest mir immer wieder Dein Vorübergehen. Auf das der Glaube sich verbinde.

Glaube braucht immer zwei.

Mein Glaube kann nur aktuelle Antwort sein auf Dein Rufen.

Die vierte Nachtwache ist mein Freund – nicht mein Feind.

Auch wenn ich vor ihr zittere.

Ach, findet sich mein Herz in diese Wahrheit ein?

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