Sa 10.01.2026
Lk 4:14-22a Jesu Predigt in Nazareth
Der Text
Aus dem griechischen Urtext.
14 Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück; und das Gerücht über Ihn ging hinaus durch die ganze umliegende Gegend.
15 Und Er lehrte in ihren Synagogen und wurde von allen geehrt.
16 Und Er kam nach Nazareth, wo Er aufgewachsen war; und nach Seiner Gewohnheit ging Er am Sabbat in die Synagoge und stand auf, um zu lesen.
17 Und Ihm wurde die Buchrolle des Propheten Jesaja gereicht; und als Er die Buchrolle öffnete, fand Er die Stelle, wo geschrieben steht:
18 Der Geist des Herrn ist auf Mir, weil Er Mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu bringen; Er hat Mich gesandt, Gefangenen Freilassung zu verkünden und Blinden das Augenlicht, Zerschlagene in Freiheit zu entlassen,
19 auszurufen ein Gnadenjahr des Herrn.
20 Und Er schloss die Buchrolle, gab sie dem Diener zurück und setzte sich; und die Augen aller in der Synagoge waren auf Ihn gerichtet.
21 Er begann aber zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren.
22 Und alle gaben Ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus Seinem Mund hervorgingen.
Zusammenhang
Jesus kommt aus vierzig Tagen Wüste. Mit den großen Prüfungen und Seiner Bewährung darin. Auf dem Weg durch Galiläa hatte Er gelehrt und wurde geehrt.
In Nazareth ist Er am Sabbat in der Synagoge.
Es gab zu der Zeit keine Leseordnung für Propheten. So „findet“ Jesus diese Stelle in der Jesajarolle.
Die Leseordnung meiner Kirche bricht mitten in Vers 22 ab.
Danach kommt die prophetische Kritik Jesu an die Anwesenden und Seine Verwerfung in Seiner Heimatstadt.
Der Jesaja-Text
Der Jesaja-Text handelt von Zion.
Die Verheißungen in Jesaja 60 und 61 sind gewaltig – und ganz offenbar erfüllen sie sich mit Jesu kommen zunächst nicht.
61,6: „Fremde werden stehen und eure Herden weiden, und Söhne der Fremde werden eure Ackerleute und eure Winzer sein.“
Vielleicht ist ein Vorgeschmack was jetzt anfängt zu geschehen. Mein Freund Matthias und viele andere fahren nach Israel und helfen ohne Lohn in der Landwirtschaft.
Ich selbst habe auch dienen können, wenn auch nur wie ein Tropfen.
Leiblich
Viele Christen deuten die Dinge, wie sie für sie sein sollen.
So deuten sie den Text geistig.
Und ich streiche es nicht durch – aber es ist nicht das Eigentliche.
Das eigentliche Kommen Jesu ist: die Versöhnung Israels mit sich selbst und dann auch die Heilung der Welt – als Welt.
Ich streiche nicht durch, was Jesaja zu Zion sagt, nur weil es nicht erkennbar ist.
Lückentext
Der Text heute sagt etwas. Ohne den Rest ab Vers 22a könnte man aber einen anderen Eindruck bekommen, als es dann war.
„Alle gaben Ihm Zeugnis“ passt schlecht zu „sie führten Ihn an den Abhang des Berges ihrer Stadt, um Ihn hinabzustürzen“.
Wenn die leibliche Frucht nicht dem entspricht, was der Prophet sagt, dann ist die Geschichte nicht zu Ende.
In Israel hat es sich zunächst nicht so erfüllt, wie verheißen, wenn es auch Frucht gab.
Hat es sich nun in der Kirche erfüllt?
Ist das Vorhandensein der Kirche in der Welt eine Antwort auf den Jesaja-Text?
Vielleicht nicht viel anders als die Antwort Israels, wenn ich auf die Leiblichkeit schaue. Ich glaube, es gab geistige Frucht und auch einige leibliche Frucht.
Aber nicht so, dass ich Amen sagen kann zu der Aussage, Jesaja wäre erfüllt.
Jesu harte Rede
Jesus sagt es den Menschen in Seiner Heimatstadt Nazareth voraus:
Ihr werdet mich sowenig annehmen, wie eure Väter die Propheten annahmen.
Und dafür wollten sie Ihn töten.
Könnte es sein, dass die Kirche nicht weit davon entfernt ist?
Sie erhebt sich über Israel – zu Recht?
Siehe, wir haben die Lehre, wir haben die Sakramente, wir haben Verheißungen.
In uns ist Christus gegenwärtig.
Ja, das glaube ich und bezeuge es.
Aber so war es in Israel auch.
Sie hatten die Schrift, sie hatten den Tempel, sie hatten die Verheißungen – und haben Schrift und Verheißungen bis heute und für immer.
So auch die Kirche.
Was aber, wenn viele, sehr viele die Einladungen dieser Zeit nicht annehmen, weil sie ihr Ochsengespann begutachten wollen, ihren Acker beschauen oder ihre Hochzeiten feiern.
Ich sage:
Der Geist Gottes hat Israel eine Weile in gewisser Weise suspendiert und ist zu den Heiden gegangen.
Und so kann Er sich auch anderen außerhalb der Kirche zuwenden, an die Hecken und Zäune gehen und die Menschen dort zum großen Hochzeitsmahl einladen.
Rö 11,26
„Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren,
bis die Fülle der Heiden eingegangen ist;
und so wird ganz Israel gerettet werden.“
Die Geschichte kann anders verlaufen, als sie zunächst nach Jesaja scheinbar laufen sollte. Gott ist nicht an unsere Lesart gebunden.
In Mt 24,10-12 ist vom Abfallen vieler Christen die Rede, vom Verrat und dem Erkalten der Liebe.
Schon sehe ich, wie Gott durch TikTok und Instagram, oder gar durch Träume Menschen direkt von den Hecken und Zäunen holt.
Gefährlich ist, dass ein Abfall etwas anderes ist als ein zeitweises Zurücksetzen.
Ich rede nicht als Prophetie, sondern weil ich den Texten und der leiblichen Wirklichkeit nicht ausweichen will.