Sohn der Gerechtigkeit

So 11.01.2026

Mt 3:13-17 Taufe Jesu

Der Text

Aus dem griechischen Urtext.

13 Da kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.

14 Johannes aber wollte Ihn daran hindern und sagte: Ich habe nötig, von Dir getauft zu werden, und Du kommst zu mir?

15 Jesus aber antwortete und sagte zu ihm: Lass es jetzt geschehen; denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er es zu.

16 Und als Jesus getauft war, stieg Er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden geöffnet, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabkommen und auf Ihm bleiben.

17 Und siehe, eine Stimme aus den Himmeln sprach: Dieser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen gefunden habe.

Kein Spiel

„Wir sind allzumal Sünder“. So sagt es Luther.

Und in meinen Ohren klingt das ein wenig nach Achselzucken.

Wenn das so ist, ist es wohl auch nicht so schlimm.

Und Jesus ist so nett, sich einzureihen, da fühlt man sich gleich in guter Gesellschaft.

Zu sagen, man sei ein Sünder – und die Konsequenz zu leben, das ist aber etwas anderes.

Jesus spielt nicht ein Spiel: „du bist Sünder, ich spiele Sünder und dann bekommen wir das schon hin“.

Sondern:

Der erste Heilige

Er ist Heilig, weil Er ganz aus Gott kommt.

Aber nur, wer heilig wird wie Er, bleibt im Wohlgefallen Gottes.

Das ist nicht einfach eine Zuschreibung und fertig.

Sondern es ist ein Anfang.

Aus der Taufe steigt der neue Mensch. Nicht durch eine Idee von Rechtfertigung oder eine Theologie der „nichts als Gnade“.

Sondern durch Annahme der Gnade zur Wandlung meiner selbst.

Die Gnade kostet den, der sie gibt, den Preis, den ich sonst zu leisten hätte.

Die Gerechtigkeit Gottes löscht mein böses Wort nicht aus.

Durch Gnade entsteht nicht etwas substantiell Neues, es wird etwas getauscht.

Und sie hat ein unverzichtbares Ziel:

Aus denen, denen die Schuld genommen wurde, solche zu machen, die Schuld nehmen.

Schuld anderer.

Offenbarung Gottes

Gott offenbart in gewisser Weise hier nicht Seinen Sohn, sondern Sein Wesen als Sohn-sein.

Der Sohn, in dem alles geschaffen ist, ist von dieser Art, dass Er das Geschaffene nicht lässt.

Wenn ich nun durch die Gnade mich als „aus Gott“ geschaffen erkenne – wie sollte ich anders leben als Gottes Sohn?

Es geht also nicht darum, weniger falsch zu sein, sondern den ganz Anderen in mir zu vollziehen – zu leben.

Nicht zu sündigen heißt nicht, weniger Fehler zu machen.

Es heißt, Fehler anderer an mir zu tragen, wie Jesus.

Nicht als Leistung – sondern als Zustimmung.

Ja, ich nehme Dein neues Blut an, Dein neues Leben in mir, dass ich sei wie Du.

Johannes 6 offenbart es wortwörtlich.

Ich werde wie Du, oder ich habe das ewige Leben nicht in mir.

Umkehr

Umkehr ist Umkehr von der Selbstliebe zur Feindesliebe.

Nicht als eigener Akt, sondern als Annahme des neuen Menschen in mir.

Der wunderbare Philosoph Jörg Splett nimmt Fred Astaire als Vorbild. Dieser Tänzer wirkte besonders dadurch, dass er seine Partnerin gut aussehen ließ. Das gelang ihm sogar, wenn die Partnerin ein Regenschirmständer war.

Aber der alte Andreas lässt sich gern selbst gut aussehen, zumindest will er sich vor Bloßstellung schützen. Dieses Sorgen um sich soll sich wenden.

Es geht weniger darum, sich tapfer nicht mehr selbst zu rechtfertigen – wenn dies auch ein Anfang ist.

Sondern darum, die Ehre des anderen zu lieben, wie Jesus mich zur Herrlichkeit hin liebt und reinigt.

Mein Glück ist das Gute, das dem Bösen geschieht.

Ein zugespitzter Satz, aber im Kern ist es das.

Ich meine damit nicht, dass ich das Böse fördere, sondern den Sünder so trage, dass ihm das Böse nicht angerechnet wird.

Dem in mir, den das schmerzt – das ist der alte Andreas, der alte Adam.

Der neue Mensch in mir lässt seine Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte.

Keine billige Gnade

Gnade ist nicht billig, wie Bonhoeffer deutlich macht.

Sie kostet mich so viel, wie sie Jesus gekostet hat.

Nur dass ich sie erhalte, bevor ich sie dann selbst vollziehe.

Als Offenbarung des Himmels, der sich so in der Welt offenbart.

Nicht nach der Welt.

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