Mi 14.01.2026
Mk 1:29-39 Jesus im Hause des Petrus und Andreas
Der Text
Aus dem griechischen Urtext.
29 Und sogleich, als sie aus der Synagoge hinausgegangen waren, kamen sie in das Haus Simons und Andreas’, mit Jakobus und Johannes.
30 Die Schwiegermutter Simons aber lag danieder mit Fieber; und sogleich sagen sie Ihm von ihr.
31 Und Er trat hinzu, ergriff ihre Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie, und sie diente ihnen.
32 Als es aber Abend geworden war, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu Ihm alle Kranken und die Besessenen.
33 Und die ganze Stadt war vor der Tür versammelt.
34 Und Er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus; und Er ließ die Dämonen nicht reden, weil sie Ihn kannten.
35 Und früh am Morgen, als es noch sehr dunkel war, stand Er auf, ging hinaus und begab sich an einen einsamen Ort und betete dort.
36 Und Simon und die mit ihm waren, folgten Ihm nach;
37 und sie fanden Ihn und sagen zu Ihm: Alle suchen Dich.
38 Und Er sagt zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Orte, damit Ich auch dort verkündige; denn dazu bin Ich ausgegangen.
39 Und Er ging und verkündigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.
Anmerkungen zur Peschitta (syrisch-aramäisch)
– Haus Simons: Die Peschitta betont den konkreten Wohnraum stärker; „Haus“ ist eindeutig Ort der Nähe, nicht bloß Station.
– „Er richtete sie auf“ (V. 31): Aramäisch steht ein Verb mit Aufsteh-/Auferstehungsklang (qam), körperlich und existenziell.
– „Sie diente ihnen“: Kein bloßes Helfen, sondern geordneter Dienst; die Heilung führt unmittelbar in Beziehung.
– Abend / Sonnenuntergang: In der Peschitta klar an den Sabbat-Rhythmus gebunden: Erst nach dem Untergang ist Tragen erlaubt.
Sabbat
Die Menschen halten den Sabbat. Dadurch sind Jesus und die Familie des Petrus eine ganze Zeit allein in dem Haus.
Es ist sehr familiär. Auch Jakobus und Johannes sind dabei, die Schwiegermutter und sicher auch die Ehefrau des Petrus.
Es klingt so, als ob Petrus und Andreas Jesus direkt aus der Synagoge mit nach Hause gebracht haben.
Petrus
Es ist der Petrus, der Jesus in der Heiligkeit gehört und erlebt hat, dass er sagte:
„Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch“.
Nun hat er auch erlebt, was in der Synagoge geschehen ist.
Wie hält er die Nähe dieses Mannes sogar in seinem Wohnhaus aus?
Wie lebe ich mit einem Heiligen, ja dem Sohn Gottes, in meinem Wohnzimmer, hier, meinem Arbeitszimmer?
Dem Griechen ein Grieche
Paulus beschrieb in 1. Kor 9, wie er allen nahekommt, indem er wird wie diese in den Bereichen, die für Beziehung wichtig sind.
Die Nähe Gottes ist an sich eine Zumutung für Menschen.
Gott aber nimmt das Fleisch des Mensch-seins an, um mir leiblich nahezukommen.
Gott kommt in das Haus des Petrus.
Zum Krankenlager der Schwiegermutter.
An den Tisch, auf dem vielleicht noch Dinge herumliegen.
Wie kann er überhaupt atmen in der Nähe des leiblichen Gottes?
Wie sehr hat Jesus nicht nur Leiblichkeit angenommen, um nahe zu sein, sondern auch menschliche Natürlichkeit, Ähnlichkeit und vertraute Normalität.
Nicht so viel, dass Er als Er-Selbst verschwindet, aber genug, um berührbar zu sein.
Welch ein Gott, gerade auch im Vergleich zu Göttern anderer Religionen.
Was das für mich bedeutet
Ich habe keine Ausrede, Gott wäre fern und zwischen uns ist ohnehin ein Abgrund.
Ob ich die Betten mache, sieht Er ohnehin. Warum also nicht das Haus aufräumen und dem heiligen Gott entgegenkommen? Es Ihm etwas angenehmer zu machen, so hautnah bei mir zu wohnen.
Jedes bisschen Schönheit, jedes freundliche Wort, jede Freude, die ich Dir machen kann – danke, dass es etwas für Dich bedeutet.
Und ebenso mein Dasein bei anderen.
Niemand ist zu schrill, zu töricht, zu fremd, als dass ich ihm nicht nahe sein kann.
Jedem kann ich auf seine Weise nahe sein.
Jeder grenzt mit einem Teil seines Seins direkt an Gott.
Und so auch an mich.
Jeder Mensch ist in viel mehr mein Bruder als ein Fremdling – oder auch als Feind.
Jesus verbindet den Himmel mit den konkreten Menschen vor Ort.
So wie Martin Buber sagt, dass der Mensch erst am Du zum Menschen wird, so sage ich, der Himmel ist nur der Ort, wo Gott und Mensch zusammen sind.
Die Welt und alles Geschaffene ist Himmel, denn es ist das Wort, es ist Jesus.
Nicht Sieg, sondern Heilen der Beziehung ist der Weg.
Jede Feindschaft ist Bruderkrieg,
jede Annahme des anderen ist Teilhabe am Himmel.