Zwei, die wahrhaft Wollen

Do 15.01.2026

Mk 1:40-45 Die Heilung eines Aussätzigen

Der Text

Aus dem griechischen Urtext.

40 Und es kommt ein Aussätziger zu Ihm, bittet Ihn und kniet vor Ihm nieder und sagt zu Ihm: Wenn Du willst, kannst Du mich reinigen.

41 Und innerlich bewegt streckte Er die Hand aus, berührte ihn und sagt zu ihm: Ich will, werde rein.

42 Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein.

43 Und Er fuhr ihn streng an und sandte ihn sogleich fort

44 und sagt zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst, sondern geh hin, zeige dich dem Priester und bringe für deine Reinigung dar, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.

45 Er aber ging hinaus und begann viel davon zu verkünden und die Sache überall bekannt zu machen, sodass Er nicht mehr öffentlich in eine Stadt hineingehen konnte, sondern draußen an einsamen Orten war; und sie kamen von überall her zu Ihm.

Hinweise aus der Peschitta

• V. 41 „innerlich bewegt“

Griechisch: σπλαγχνισθείς (von Erbarmen ergriffen).

Peschitta: betont das Erbarmen aus dem Innersten, stärker körperlich-existentiell.

→ Nicht nur Gefühl, sondern Mit-Betroffenheit.

• V. 41 „Er berührte ihn“

In der Peschitta steht die Berührung semantisch klar vor der Reinigung.

→ Erst Gemeinschaft, dann Reinheit.

→ Keine Angst vor kultischer Verunreinigung.

• V. 43 „Er fuhr ihn streng an“

Griechisch klingt hart.

Peschitta: näher bei ernstem, eindringlichem Zureden als bei Zorn.

→ Schutz des Geheilten und des Geschehens, kein Affekt.

• V. 44 „ihnen zum Zeugnis“

Peschitta: Zeugnis für die Priester, nicht primär gegen sie.

→ Einladung zur Erkenntnis, nicht Anklage.

• V. 45 Konsequenz

Die Peschitta lässt deutlicher spüren:

→ Der Gereinigte gewinnt Öffentlichkeit, Jesus verliert sie.

→ Stellvertretende Bewegung.

Aufwand und Bedeutung

In vielen, gerade freien Gemeinden, wird ein erheblicher Aufwand getrieben, um Menschen zu gewinnen und sie im Glauben zu fördern.

Dennoch habe ich das Gefühl, die Werkzeuge werden immer größer und die Bedeutung für das Reich Gottes bleibt dahinter zurück.

Hier gibt es eine Begegnung zwischen zwei Männern – und es geschieht Reich Gottes.

Ich spüre, es ist mir ein Geheimnis, es ist mir zumeist verborgen.

Was ich erspähe, will ich kurz nennen.

Israel

Seit ich über Israel und die Juden forsche, staune ich mehr und mehr, wie dieses Volk bereitet war und ist.

Mir scheint, dass die breite Nichtannahme des Messias Jesus weniger aus Gottesferne als aus großer Gottesnähe erwächst. Denn wer Gott als den Einen so kennt, wird schwerer als andere Seinen leibhaftigen Sohn annehmen können.

Mehr als woanders gilt für Israel:

Das Leben ist nicht für sich selbst da, es ist eine Aufgabe vor Gott. Leben ist empfangen und steht vor Dem, von Dem es empfangen wurde.

Als auserwähltes Bundesvolk ist Israel mehr Repräsentant Gottes auf Erden als andere Völker.

Israel ist bereitet, wie besonders an dem Täufer erkennbar ist.

Der Unreine

Der Unreine weiß sich vor Gott. Es gibt eine Assoziation mit Levitikus 13-14. Denn es geht nicht einfach um Krankheit und Körper.

Und Unreinheit ist Distanz zu Gott – und damit zum Sinn des Lebens.

Also kann Unreinheit nur vom Anderen her durchbrochen werden.

Existenzielle Berührung heilt alle Ebenen.

Die Spannung zur Heilung hin hängt mit dem Bewusstsein von Verantwortung und von Begegnung zusammen.

Dass Gott auf die Welt kommt, gerade in Israel, heißt, dass die Welt unbedingt verantwortlich vor Gott ist. Vor Gott und für Gott.

Nicht einfach fröhlich und gesund sich selbst lebt.

Wer einen Sinn hat

Der Unreine jammert nicht.

Sondern seine Worte wollen Beziehung.

Sie sagen eigentlich: „Willst Du mich?“

Willst Du mich wieder in das versetzen, wozu ich da bin?

Willst Du, dass ich wieder in meine Berufung komme?

Frankls berühmter Satz: „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie“, wird hier noch tiefer ausgeleuchtet.

Der Sinn des Lebens ist die Verherrlichung Gottes.

Nicht mein eigenes Wohlergehen.

Der Unreine will Gott verherrlichen, er erzählt es überall herum.

Aus bestimmten Gründen warnt Jesus ihn davor. Aber das heißt nicht, dass der nun Reine eine falsche Haltung hat.

Sondern sein Wille zum Sinn überwältigt ihn und er schreit heraus, was Gutes an Ihm geschehen ist: Der Heilige Gottes will den Unreinen in die Beziehung bringen.

Er berührt ihn.

Heiligkeit ist somit nicht mehr nur defensiv, wie noch bei den Leviten war, es ist offensiv.

Glaube ich das?

Wie wenig bin ich „ein geistiger Jude“.

Also mit meinem Leben ganz auf Gott ausgerichtet.

Nicht für mich, sondern für Seine Herrlichkeit.

Gott baut auf mich, wie Er selbst auf den Unreinen gebaut hat.

Er will.

Will ich auch?

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