Und sechs, die wahrhaft wollen

Fr 16.01.2026

Mk 2:1-12 Vier Freunde decken das Dach auf

Der Text

Aus dem griechischen Urtext.

1 Und nach einigen Tagen ging Er wieder nach Kapernaum hinein, und es wurde bekannt, dass Er im Haus war.

2 Und es versammelten sich viele, sodass kein Platz mehr war, auch nicht vor der Tür; und Er sagte ihnen das Wort.

3 Und es kommen welche zu Ihm und bringen einen Gelähmten, der von vieren getragen wurde.

4 Und da sie ihn wegen der Menge nicht zu Ihm bringen konnten, deckten sie das Dach ab, wo Er war, und nachdem sie es aufgebrochen hatten, lassen sie die Matte hinab, auf der der Gelähmte lag.

5 Und als Jesus ihren Glauben sah, sagt Er zu dem Gelähmten: Kind, deine Sünden sind dir vergeben.

6 Es saßen dort aber einige von den Schriftgelehrten und überlegten in ihren Herzen:

7 Warum redet Dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?

8 Und sogleich erkannte Jesus in Seinem Geist, dass sie so bei sich überlegten, und sagt zu ihnen: Warum überlegt ihr dies in euren Herzen?

9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Matte und geh umher?

10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben – sagt Er zu dem Gelähmten:

11 Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Matte und geh in dein Haus.

12 Und er stand auf, nahm sogleich die Matte und ging vor allen hinaus, sodass sie alle außer sich gerieten und Gott verherrlichten und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.

Betrachtung zum Glauben

Die Entschlossenheit der vier Männer beeindruckt mich.

Sie wollen.

Sie wollen mit entschlossener Entschlossenheit.

Widerstände sind Aufgaben, Hindernisse sind dazu da, sie zu übersteigen, Preise werden bezahlt.

Aber –

Aber das ist noch nicht Glaube.

Das ist Wollen.

Es müssen noch weitere Dinge hinzukommen:

Liebe

Die vier lieben ihren gelähmten Freund.

Wo gibt es so etwas?

Ich weiß persönlich von keinem Fall, wo mehrere Menschen so lieben.

In Familien gibt es das, Eltern lieben ihre Kinder in dieser Weise.

In Kriegssituationen höre ich von solchen Dingen.

Aber dies ist etwas anderes, denn:

Die Freunde wollen den Gelähmten nicht aus offenbarer Todesgefahr retten.

Sie wollen für ihn – das Leben.

Denn Laufen heißt sich bewegen, heißt leben.

Schon gestern sprach ich darüber, dass im Judentum das Leben mehr gewollt wird, als ich es sonst je höre. !לְחַיִּים – le-ḥayyím! Auf das Leben (nicht allein auf das Wohl).

Es ist mehr als das Überleben, es ist das volle, herrliche, sinnvolle Leben.

Zeugnis der Lebendigkeit Gottes.

Und nun etwas für mich Neues:

Du auch

Die vier Männer lieben ihren Freund.

Ob sie Jesus lieben, ist nicht offenbar.

Zu Jesus haben sie eine andere Beziehung.

Sie glauben, dass auch Jesus will, dass dieser ihr Freund in dieser Weise lebt, so wie sie es wollen.

Glaube ist das unbedingte vollziehen von dem, was man für existenziell gut hält und:

Er ist das handeln, dass es nur funktioniert, wenn der andere es ebenso will.

Saint-Exupéry

In dem Buch „Der kleine Prinz“ sagt der Fuchs zum kleinen Prinzen:

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“

Vermutlich basieren diese Worte besonders auf einem Erleben von Saint-Exupéry, das in dem gleichnamigen französischen Film gezeigt wird.

Es geht um seinen Freund Henri Guillaumet ɡi.joˈmɛ.

Als dieser in den Bergen der Anden abstürzt, sucht Saint-Exupéry ihn mit aller Kraft. Er trotzt jeder Aussichtslosigkeit und Unmöglichkeit. Sein eigenes Flugzeug konnte nicht so hoch fliegen wie das des Freundes, aber seine Entschlossenheit half ihm dennoch.

Er findet ihn letztlich nicht – aber dennoch überlebt Guillaumet.

Als Henri seinen Freund Antoine sieht, sagt er: „Ich habe deine Maschine gehört“.

Er überlebt, weil er weiß, es gibt diesen Freund, der will, dass er lebt. Unbedingt will – und koste es auch sein eigenes Leben.

Vielleicht darf ich sagen:
Gott selbst hat die Liebe und den Glauben, den diese Männer zueinander haben, gesehen – und hat Sich dazu gestellt.

Der Glaube, auch der Glaube an den anderen Menschen, ist von der Art „Reich Gottes“. Es ist der Vollzug ebendieses Wesens, das wir vom Vater haben.

Tun

Nur, damit es nicht übersehen wird.

Das alles sind Wahrheiten, die sich in Taten offenbaren.

Gefühle dürfen helfen – sie sind aber oft ambivalent.

Darum ist Glaube eine eigene Kategorie.

Er verbindet den Geist mit dem Werk.

Und offenbart so das Herz Gottes.

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