Mo 19.01.2026
Mk 2:18-22 Die Frage nach dem Fasten
Der Text
Aus dem griechischen Urtext.
18 Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer pflegten zu fasten. Und sie kommen und sagen zu Ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, Deine Jünger aber fasten nicht?
19 Und Jesus sagte zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten.
20 Es werden aber Tage kommen, wenn der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird; dann werden sie fasten an jenem Tag.
21 Niemand näht einen Flicken aus neuem Tuch auf ein altes Gewand; sonst reißt das Neue vom Alten ab, und der Riss wird schlimmer.
22 Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche, und der Wein ist verloren, und die Schläuche auch; sondern neuen Wein in neue Schläuche.
Wunde Stelle
Dieser Text ist an mir wie eine wunde Stelle.
Jede Berührung mit ihr tut mir weh.
Davon zeugt auch die Geschichte meiner Andachten dazu, denn sie kommt jedes Jahr etwa zu dieser Zeit. Siehe besonders die ausführliche Andacht am 20.01.2025 Eine offene, unvollständige Prophetie .
Wie bei einer Zwickmühle: Welchen Zug ich auch setze, er hat mit Schmerzen zu tun.
Heute nehme ich den Text persönlich, auch wenn das nicht die Hauptintention von Markus sein wird.
Der alte Schlauch
Die Weisheit und Gottesnähe eines Rabbi Hillel ist allem überlegen, was in mir ist. Hillel lebte und wirkte kurz vor Jesus (ca. 70 v.Chr bis ca. 10 n.Chr).
Von ihm stammt der berühmte Satz:
„Was dir verhasst ist, das tue deinem Nächsten nicht.
Das ist die ganze Thora – der Rest ist Auslegung.“
Der alte Schlauch Israel war überaus kostbar,
mehr als der Schlauch der Weisheit meines Herzens.
Welcher Schlauch wäre besser geeignet, den neuen Wein zu empfangen?
Orlando
Gestern sprach Pastor Tim Grandstaf aus Orlando in der Friedenskirche.
– Es hat mich berührt.
In seinem Sabbatjahr hatte er sich neun Monate mit Psalm 51 beschäftigt.
Es ist der Bußpsalm Davids. David bittet darin Gott um ein neues Herz. Vers 12 fängt so an:
„erschaffe in mir“ לֵב טָהוֹר בְּרָא־לִי אֱלֹהִים
David bittet nicht um die Reinigung des Herzens, er bittet um ein neues Herz.
Und zwar mit den Worten, die auch die Schöpfung der Welt aus dem Nichts beschreiben.
Es ist einfach das Wort für „Sagen“, das im Hebräischen auch eine Sache bezeichnet.
Mein Herz ist „alter Schlauch“.
Mein Denken und meine Welt ist „alte Welt“.
Und darum fürchte ich mich vor diesem Markus-Text.
Er redet davon, dass nicht einfach der Inhalt meines Denkens, meines Herzens erneuert werden muss – sondern das Gefäß selbst.
Die Augen, mit denen ich die Dinge anschaue.
Der Resonanzraum in mir.
Meine „Meinung“ und meine Selbstverständlichkeiten.
Sterben des Alten
Was bleibt mir dabei zu tun?
Aufhören, wegzulaufen. Standhalten.
So hat es Pastor Tim auch benannt.
Und stehen bleiben ist eine Form des Sterbens.
Es ist das Ende der normalen Selbstwirksamkeit, welche sonst der Ausdruck von Leben ist.
Nicht um tot zu sein, sondern um von Gott her „neuer Schlauch“ zu werden.
Darum auch diese Angst.
Es ist letztlich Todesangst.
Sie will beschützen, was ich habe – mein Leben als „meins“.
Und der Schritt aus der Angst ist das Hineinwerfen in die Arme meines Vaters, meines Schöpfers.
Ich setze darauf, dass Der, Der wollte, dass ich bin, mir auch geben kann und wird, was ich aus mir selbst heraus nicht vollbringen kann.
Ein neues Herz ohne Frucht.
Praxis
Ich habe nicht die Macht, mich selbst grundlegend zu ändern.
Aber ich habe die Macht, vor Gott auszuweichen, mich zu verstecken – letztlich eine Form der Rebellion.
Offenbar anhand des Leibes.
Ein neues Herz zeigt sich im Leib.
Hineni – hier bin ich. Ich weiche nicht – nicht mehr.