Di 20.01.2026
Mk 2:23-28 Das Ährenraufen am Sabbat
Der Text
Aus dem griechischen Urtext ins Deutsche übersetzt.
23 Und es geschah, dass Er am Sabbat durch die Saatfelder ging; und Seine Jünger begannen unterwegs, Ähren auszuraufen.
24 Und die Pharisäer sagten zu Ihm: Siehe, warum tun sie am Sabbat, was nicht erlaubt ist?
25 Und Er sagt zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel hatte und hungrig war, er und die, die bei ihm waren,
26 wie er in das Haus Gottes hineinging zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und die Schaubrote aß, die niemand essen darf außer den Priestern, und auch denen gab, die bei ihm waren?
27 Und Er sagte zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen geworden, nicht der Mensch um des Sabbats willen.
28 So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.
Der verborgene König
Jesus bezieht sich auf die Zeit Davids, als er und die seinen von der Obrigkeit verfolgt wurden. David ist schon zum König gesalbt – aber es ist noch nicht offenbar.
So ist es auch mit Jesus und den Jüngern.
Jesus zitiert nicht einfach irgendeine Geschichte. Er birgt in ihr mehr.
Denn Seine Herrschaft über den Sabbat hat mit dem eigentlichen Sinn des Sabbats zu tun: Ich nenne ihn: den Tanz Gottes mit dem Menschen.
Aber zunächst:
Der Herr kommt in das verlassene Haus.
Er ist der eigentliche Herr. Das Haus der Ordnung hat Ihn schon lange vermisst. Denn die Ordnung ist wie ein zurückgelassener Schal der Geliebten. Für sich ist er nur noch ein Erinnerungsstück – kommt aber die Geliebte zurück, entfaltet der Schal seinen Sinn: Die Dame zu schmücken und zu wärmen.
Ordnung ist das Zweite
Der Geist kommt in die Welt und entfaltet (genau: inkarniert) sich als Ordnung. Das Wort ward Fleisch.
Es ist wie ein Haus, das jemand baute und nach einer Weile eine lange Reise machte. Das Haus bleibt – aber nach einer Zeit verkommt es.
Schlimmer noch bei einem Weinberg.
Im alten osmanischen Landrecht ist es so:
Bewirtschaftet jemand ein Land, sei es durch Beweidung mit Vieh, durch pflanzen von Ölbäumen oder Ähnliches, und tut er dies drei Jahre durchgehend, so darf man ihn nicht mehr vertreiben.
Der Ordnende besitzt das Land – aber er ist nicht Eigentümer. Auch im Deutschen schön unterschieden.
Bewirtschaftet er das Land für sieben Jahre nicht mehr, fällt es wieder zurück und ein anderer kann dort siedeln.
Es ist anders als unser Grundbuchsystem – und näher dran an der Wahrheit Gottes.
Es ist das Prinzip, das auch für den Geist im Blick auf den Leib gilt.
Der Leib kommt aus dem Geist und er bildet eine Struktur, die zeitweise Geistvergessen funktionieren kann.
Aber er zerfällt, wenn das eigentliche Leben keinen rechten Raum mehr in ihm findet. Wenn z. B. Spaß, eine eher geistlose Angelegenheit, das Leben dominiert.
Und der Sinn des Leibes ist der andere – dazu schreibe ich an anderer Stelle.
Totes Eigentum
Eigentum, Dinge, die „mir sind“, wie es die Hebräer sagen, wird mir zur Last, ja zum Gift, wenn es längere Zeit „geistlos“ ist.
Wenn es also mir nicht dient und ich mit ihm nicht diene.
So wie meine Thomas v. Aquin Gesamtausgabe.
Und noch manches andere, das aus dem Keller nach Leben ruft.
Das ist eine große Geschichte, die unbedingt erzählt werden will.
Auch kostbare Ordnungen, die mir sehr dienten, können Ballast werden, ja tödliches, pharisäisches Gift.
Wie viele Menschen wurden um toter Ordnungen willen erschlagen!
Der Tanz Gottes
Was soll nun der Sabbat?
Wieso soll der Sabbat den Menschen dienen?
Einfach als Ruhetag?
Ja, das kann er. Die sieben Tage Woche ist ein Segen für die Menschen.
Aber hat Gott wirklich „geruht“, weil Er irgendwie erschöpft war?
Sicher nicht.
Warum dann diese heilige Aufladung des Sabbats, wie sie in der Geschichte des ersten Bundes übermäßig beschrieben ist?
Ich sage:
Gott stiftet einen Tanz, indem Er sich auf den Menschen einlässt und dem Menschen einen Rhythmus gibt, den Er selbst mit-lebt, ja mit-tanzt.
Weil das auch sonst das ist, was Er vom Menschen und mit dem Menschen will:
Tanzen.
Madeleine Delbrêl (1904–1964) hat es ebenso beschrieben.
Sie bezog es auf das Gebet.
Es findet statt in hören, handeln, fragen, korrigieren.
Aber alles in gewisser Leichtigkeit des Mit.
Denn Gott ist der, der führt.
So leicht wie eine gute Tanzpartnerin sich der Führung eines Tänzers hingibt, so leicht und schön ist der Tanz mit Gott.
Der Tanz ist Offenbarung der Gemeinschaft Gottes und des Menschen im und für das Leben. Ausdruck der Art zu leben, die gemeint ist.
Wunderbar im Vollzug und voller Frucht für das Leben der Welt.
Wir müssen nicht die Welt retten – wir sollen die Welt beleben, mit herrlichem, lebensstiftendem Tanz.
Tanz ist Leben und Tanz ist Schönheit. Tanz ist Freude und Tanz birgt Frucht.