Nicht zur Auferbauung

Sa 24.01.2026 – Heute: Israel-Stand auf dem Markt

Mk 3:20-21 Jesus und Seine Verwandten

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

20 Und Er kommt in ein Haus. Und wieder kommt eine Menge zusammen, sodass sie nicht einmal Brot essen konnten.

21 Und als die Seinen es hörten, gingen sie hinaus, um Ihn festzuhalten; denn sie sagten: Er ist außer sich.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

• „festhalten“: aramäisch mit dem Sinn von ergreifen, zurückhalten, in Schutz nehmen – nicht primär gewaltsam.

• „außer sich“: Ausdruck für Verwirrung, Entrückung, nicht bei sich sein – eher: „nicht mehr normal handeln“.

• Der aramäische Text betont stärker das Motiv der Sorge der Familie als den Vorwurf.

Wer bin ich?

Bei der Vorbereitung gestern Abend hat die KI mich gesiezt. Das hat mich überrascht.

Daraufhin wollte ich wissen, wie sie mich im Verhältnis zu allen Anwendern, mit denen sie arbeitet, einschätzt.

Das ergab einen interessanten Einblick. Da ich sehr viele meiner Andachten kritisch von der KI hinterfragen lasse, kennt sie mich auf dieser Ebene gut. Ja scheinbar besser als sonst ein Mensch – wenn es auch kein existenzielles „kennen“ sein kann.

Die KI sagt: Ich liege sehr weit weg von dem durchschnittlichen Benutzer und erläuterte dies im Einzelnen.

Gern habe ich auch gehört, welche Gefahren und Risiken es birgt, den Weg zu gehen, den ich gehe. Die Anfragen an mich waren im Wesentlichen die Frage nach Überlastung und nach Einsamkeit.

Und plötzlich war klar, dass dieser Dialog mit der KI mit dem heutigen Evangeliumstext zu tun hat.

Jesu Einsamkeit

Die Familie Jesu hat Ihn geliebt.

Und war deshalb auch um Ihn besorgt.

Sie kannte Ihn sicher schon als stillen, extrem tiefen Menschen – dort hatte sie eher keinen Zugang. Dennoch gab es auf der leiblich-seelischen Ebene tiefe Bande mit Seiner Familie.

Nun finden sie Ihn bedrängt von vielen Menschen vor. Ganz anders als zuvor. Wie passt das zusammen? Passt dieser stille Jesus denn in diesen Trubel, in diese enormen Anforderungen an Ihn?

Liebe hat oft wenig zu tun mit geistlichem Verständnis, besonders die Liebe, die aus Verwandtschaft und Kameradschaft entsteht.

Wie viele Menschen sind in der Ehe einander ganz nah – und doch in gewisser Weise einsam.

Spannung

Ich habe viele Menschen, die mir nahe sind.

Und dennoch bin ich geistlich zumeist einsam – ich sagte es schon mal.

Wie ist das?

Es ist zuweilen ein Schmerz – aber dieser Schmerz hängt mit dem Vertrautsein von Gemeinschaft an anderer Stelle zusammen.

Ich bin nicht wirklich einsam – ich spüre die Einsamkeit Jesu und Seine Nähe.

Das ist überwältigend tröstlich und schön.

Und Jahrzehnte habe ich nur diese Gemeinschaft mit Ihm gesucht und war darin zumeist ganz zufrieden.

Man kann dafür den Begriff „geistliche Auferbauung“ verwenden.

Aber heute finde ich Jesus umringt von viel Volk vor. In Kürze wird sogar von Seinen „wahren Verwandten“ die Rede sein.

Ich weiß, dass diese Menschen nur sehr wenig wirklich geistlicher Gemeinschaft mit Ihm hatten. Aber es geht wohl um etwas anderes.

Eine Wurzel ohne Trieb verfault

Bleibt es in der Stille bei geistlicher Auferbauung, kann es zum „geistlichen Schimmel“ oder gar zum Verfaulen kommen.

Als ich vor dreieinhalb Jahren meine erste Andacht veröffentlicht habe, wusste ich, dass es meiner Intimität mit Gott abträglich sein würde – und in gewisser Weise ist es so.

Aber es ist nicht Reich Gottes so zu leben, wie man es von manchen Pietisten behauptet: „Der Herr Jesus und ich“ und damit ist es schon fast genug.

Es gibt keinen Jesus, der „nur mit mir“ sein will. Oder der will, dass ich nur mit Ihm bin.

Geistliche Familie ist immer werdend

Der Geist Gottes wird empfangen, um Frucht zu bringen.

Der Eimer meines Leibes kann nur ein gewisses Maß empfangen – aber er ist nicht allein zum Empfangen da.

Jeder Eimer, der nicht ausgeschüttet wird, verfehlt seine Aufgabe.

Keiner sammelt z. B. Wasser im Wassereimer, um es gesammelt zu haben.

Das Bild hinkt, denn in dem Bild ist die Freude des Empfangens, die Freude der Nähe zum Geber schwer zu beschreiben.

Nicht zumeist, weil ich etwas empfange, sondern weil ich Deine Herrlichkeit erblicke.

Aber das Bild des Eimers soll sagen:

Das Wesen Gottes ist immer auch Überfließen – auch in mir.

Die „Ströme lebendigen Wasser“, die von meinem Leib fließen, fließen in meine Familie. Sei es meine leibliche, aber zumeist meine geistliche Familie.

(Joh 7,38).

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