Ohne Tasche

Mo 26.01.2026 Gedenktag des Hl Timotheus und Titus

Lk 10:1-9 Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext.

1 Danach aber bestimmte der Herr zweiundsiebzig andere und sandte sie je zwei vor sich her in jede Stadt und jeden Ort, wohin Er selbst kommen wollte.

2 Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, die Arbeiter aber sind wenige. Bittet also den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter in Seine Ernte sende.

3 Geht hin. Siehe, Ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe.

4 Tragt weder Geldbeutel noch Tasche noch Sandalen und grüßt niemanden unterwegs.

5 In welches Haus ihr aber eintretet, sagt zuerst: Friede diesem Haus.

6 Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, wird er zu euch zurückkehren.

7 Bleibt aber in diesem Haus, esst und trinkt, was sie euch geben; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Wechselt nicht von Haus zu Haus.

8 Und in welche Stadt ihr kommt und man euch aufnimmt, esst, was euch vorgesetzt wird,

9 und heilt die Kranken in ihr und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.

Auf dem Markt

Das Thema Gespräche auf dem Israel-Stand am Markt beschäftigt mich weiter. Und dieser Text ist eine sprudelnde Quelle dazu.

Mir fällt auf, dass es gut ist, keinen „Gesprächsleitfaden“ zu haben.

Selbst das Informationsmaterial scheint mir immer weniger wichtig – wenn es mir auch bisher noch gut erscheint, auch eine Vertiefung (z. B. über St. Remo 1920) verschenken zu können.

Die Zweiundsiebzig aber, sie hatten keine Taschen.

Geschweige denn zwei Klapptische mit Broschüren.

Was ich aus meinem Herzen bezeuge,

das ist näher an Wirklichem und Wahrem als alles, was ich aus dem Gedächtnis und dem Kopf zum Über-zeugen ausspreche.

Nicht was ich aus der Tasche hole, sondern was ich zusammen mit dem Anderen vom Himmel her jetzt empfange.

Ohne Gruß

Was ist so wichtig, dass ich den Gruß überspringe?

Warum stehe ich wirklich in der Kälte dort und warte, in den Morgenstunden teils zwei Stunden ohne Begegnung?

Die Ernte ist groß, der Herr selbst kommt bald (V1+2). Was halte ich mich mit Small Talk auf?

Small Talk ist gut – im Alltag, zum Beschnuppern.

Hier aber bin ich Zeuge.

Zeuge einer Wahrheit, die entweder auch schon in dem Anderen gelegt ist – oder ich gehe weiter.

Was bezeuge ich?

Die in den Medien diskutierten Ereignisse in Israel? An Gottes Augapfel?

Die völkerrechtliche Einschätzung, gegründet auf St. Remo 1920?

Die berechtigte Selbstverteidigung Israels?

All das rechtfertigt nicht, ohne Gruß zur Sache zu kommen.

Was ist rein, in meinem Herzen?

Ringe darum, dass dein Herz rein ist – nicht darum, dass deine Informationen korrekt und geprüft sind.

Und dann bezeuge laut, was Ich in dieses Herz hinein flüstere.

Das ist, was ich höre.

Ich höre bisher in meinem Herzen:

Deutschland darf nicht erneut über Juden urteilen.

Und:

Die Kirche, also wir Christen, haben die Wahl, den Ölbaum zu lieben, in den wir eingepfropft sind – oder wir werden untergehen.

Und:

Du und ich, wir sind in einem Haus.

Und ob wir das sind, offenbart allein der Friede, den Gott gibt – keine Argumente.

Trinkt und esst, was man euch gibt

Alles, was Meinung ist, nehme ich von dir, Freund.

Ich höre dir zu und plappere nicht über meine Sicht der Dinge.

Allein wozu ich Zeuge bin, bringe ich mit in dein Haus.

Nimm es – oder schick mich fort.

Der Friede will den Anderen. Wenn du mich willst, wie ich dich will, dann sind wir im Haus des Friedens.

Dann und darin ist das Reich Gottes ganz nah.

Wenn du mich fortschickst, gehe ich.

Ich respektiere deine Wahl und will dich nicht mit Informationen betören.

Dein Herz wählt – und es trägt dich.

Ich beuge mich vor deiner Würde – auch wenn ich darum weine, wohin du gehst.

Heilt die Kranken

Menschen kommen zu uns und entdecken, dass sie nicht einsam sind.

Es tröstet und heilt ihr Herz.

Wenn mein Herz reiner sein wird, wird vielleicht auch mehr geschehen – ich sehne mich danach.

Komm, Herr Jesus, durch mein Herz hindurch in die Welt.

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