Di 27.01.2026
Mk 3:31-35 Jesu wahre Verwandte
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
31 Und es kommen Seine Mutter und Seine Brüder, und sie standen draußen und schickten zu Ihm und riefen Ihn.
32 Und eine Menge saß um Ihn herum, und sie sagen zu Ihm: Siehe, Deine Mutter und Deine Brüder draußen suchen Dich.
33 Und Er antwortet ihnen und sagt: Wer ist Meine Mutter und Meine Brüder?
34 Und Er blickt ringsum auf die, die um Ihn herum sitzen, und sagt: Siehe, Meine Mutter und Meine Brüder.
35 Denn wer den Willen Gottes tut, der ist Mein Bruder und Meine Schwester und Meine Mutter.
Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)
• „standen draußen“: betont räumliche Distanz – physisch und zugleich sinnbildlich.
• „suchen Dich“: aramäisch mit dem Sinn von „zu sich holen“, „in Anspruch nehmen“.
• „blickte ringsum“: bewusstes, sammelndes Sehen, kein flüchtiger Blick.
• „wer den Willen Gottes tut“: Betonung auf fortdauerndes Tun, nicht auf einzelne Handlung.
Über alle Bindungen hinaus
Israel ist das Bundesvolk.
Und die Familie. Die familiäre Herkunft eines Menschen ist in Israel Bindung, die über das hinausgeht, was wir in unserer Zeit leben.
Und doch gibt es mehr, ein Mehr, das alles übersteigt und um das es eigentlich geht:
Den Willen des Vaters zu tun.
Alles, was ich bin und jede Bindung, die ich habe, sind vielleicht Rahmen, Vorbereitung, Vor-bild im Sinne eines vorläufigen Bildes.
Damit meine ich auch meine Kirchenzugehörigkeit und meinen bezeugten Glauben. Den Satz „ich bin Christ“ und eine Menge von Erfahrungen und Erlebnissen Gottes in meinem Leben.
Nichts davon ist wenig oder bedeutungslos.
Aber es ist nicht das Eigentliche.
Das Eigentliche ist: Bruder Jesu sein.
Bruder Jesu
Ein Bruder kommt aus dem gleichen Haus. Er erlebt denselben Vater (und die Mutter, ich nehme Vater als Abkürzung).
Es ist nicht: Er hat das gleiche Buch gelesen, hat die gleiche Lehre gehört oder hat die gleichen Glaubenssätze.
Es ist: Er sieht den Vater. Er atmet das Bild des Vaters, sein Handeln, sein Wesen. Wie er mit Dingen umgeht und auf Schwierigkeiten reagiert.
Ich habe an meinem leiblichen Vater besonders seine Ehrfurcht vor Gott gesehen. Sie war tiefer und wahrhaftiger als ich sie je bei einem anderen Menschen gesehen oder erlebt habe. Sie war nicht Angst; sondern ich sah an ihr einen gewaltigen Gott, einen unbedingten Gott – wirklich einen Gott; keine Idee oder Überzeugung.
Es ist etwas, das mir kein Seminar, kein eigenes Erleben vermitteln kann.
Und auch Gott selbst bekundet sich zumeist nicht direkt so – sondern durch Menschen, die Er mir ins Leben gestellt hat.
Mein Vater war nicht gerecht, weil er Gerechtigkeit geliebt hat – sondern weil er Gott vor seinem Herzen hatte.
Auch durch persönliche Beziehung lerne ich Gott nur zu einem kleinen Teil kennen. Viel mehr lerne ich Ihn am Anderen, am gottesfürchtigen Menschen kennen.
Das Reich Gottes wächst am Menschen.
Worte und Wandel
Wenn meine Worte nicht Frucht meines Wandels sind, sondern nur Gedanken und Meinungen – ich bin eine klingende Schelle, scheppernd und leer.
Das Reich Gottes ist in mir und an mir spürbar – oder ich rede wie ein Blinder von der Farbe.
Gott wird mich fragen, wer ich den anderen war – und wie viele leere Worte ich darüber hinaus wie Nebelkerzen geworfen habe.
Gott wirkt in Seinem Reich
Nicht nur unmittelbar, sondern auch mittelbar.
Paulus sagt es an verschiedenen Stellen:
Werdet meine Nachahmer, wie ich auch Christi.
Siehe: 1. Kor 11,1; 1. Kor 4,16-17; 2. Thess 3,7-9; Phil 3,17
Wer Bruder Jesu ist, ist Zeuge des Vaters. Nicht wie vor einem Gericht, sondern vom Wesen her. Er handelt aus Vertrauen zum Vater – und in Vertrauen zum anderen.
Jesu Blick in die Runde ringsum (V34) ist ein Blick Seiner Hingabe: Ich vertraue dir, dass du mir Bruder bist.
Ich bin nicht für mich erlöst oder gerettet – sondern für jenen anderen, der an und in mir den Vater sieht.
Oder vielleicht nicht sieht?
Praxis
Ich vertraue nicht allein dem Vater, sondern auch dir, mein Bruder. Siehe Vertrauen.
Und ich lebe so, dass ich mir meiner Verantwortung für dich bewusst werde. Du suchst nicht Lehre, du suchst gelebten Gehorsam.
Mein Gehorsam dem Vater gegenüber hat direkte Bedeutung für den Menschen, der mich sieht. Das ist Reich Gottes.
Ich suche einen geistigen Vater, wie ich ihn für eine Weile in meinem Leben haben durfte. Und ich suche, jemand zu sein, der geistiger Vater sein kann – wie Du es berufst.