Bleibende Folgen

Do 29.01.2026

Mk 4:21-25 Vom Licht und vom rechten Maß

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext.

21 Und Er sagte zu ihnen: Kommt etwa die Lampe, damit sie unter den Scheffel oder unter das Bett gestellt werde? Nicht vielmehr, damit sie auf den Leuchter gestellt werde?

22 Denn es gibt nichts Verborgenes, außer damit es offenbar werde, und nichts Geheimes ist geworden, außer damit es ans Licht komme.

23 Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre.

24 Und Er sagte zu ihnen: Seht zu, was ihr hört. Mit welchem Maß ihr messt, wird euch gemessen werden, und es wird euch hinzugefügt werden.

25 Denn wer hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht hat, dem wird auch das, was er hat, weggenommen werden.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

• Betonung auf „Hören“ als Aufnehmen und Bewahren.

• „Hinzufügen“ im Sinn von Vermehrung dessen, was empfangen wurde.

• „Wegnehmen“ als Verlust dessen, was nicht genutzt wird.

Einordnung

Dieser Text schließt an das Gleichnis vom vierfachen Acker an und gehört dazu.
Es geht um die Saat, die ich in meinem Leben säe. Es bedeutet nicht zuerst etwas für jetzt, sondern für die Zukunft, für die Ewigkeit.

Culpa und Poena

Culpa ist Schuld vor Gott, Zielverfehlung, Beziehungsbruch. Es ist inneres Verkrümmtsein, eine innere Schieflage. Und sie kann Erbe sein.

Schuld kann durch Umkehr und Buße in Jesus Christus geheilt werden.

Poena, das sind die Folgen der schuldigen Tat. Die Folgen der Schuld verschwinden nicht einfach mit der Vergebung ihrer Ursache.

Gott nimmt die Welt ernst, auch meine Taten.

Der erste Sohn Davids aus dem Ehebruch mit Bathseba stirbt. Das ist todernst.

Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Saat und Ernte. Das ist das Thema heute.

Saatkartoffeln

Ich vergesse nie die Predigt eines Pastors aus seinem eigenen Erleben in der Zeit des Hungers nach dem Krieg. Seine Mutter hatte Saatkartoffeln und vergrub sie in der Erde. Der Junge stand mit seinem leeren Magen daneben: „Warum machst du das?“ „Ich habe doch solchen Hunger.“

Die Würde des Menschen ist in gewisser Weise damit verknüpft, dass er ein Opfer bringt. Ich kann nicht beides zugleich haben, Konsum und Wachstum zur Frucht.

Und es ist noch ernster:

Ich werde, was ich tue

Verfrühstücke ich heute die Saat, werde ich es vielleicht morgen auch tun. Tue ich es morgen auch, werde ich zu einem Menschen, der keine Frucht bringt. Mein Wesen verändert sich.

Was ich nach außen tue (wie ich „messe“), wird mich bleibend ändern – ich werde gemessen werden.

Dort gibt es keine Vergebung, denn es geht um die Frucht, nicht um die Beziehung.

Ich kann auf dem Weg jederzeit umkehren – aber ich kann das alte nicht ungeschehen machen. Und besonders: Seine Folgen bleiben.

Dies mag ich selbst kaum notieren – ich komme aus einer Welt, in der das kaum gesagt wird.

Aber der selbstbezogene Verbrauch des eigenen Lebens hat unaufhebbare Folgen. Auch dieser Kerzenstummel wird sichtbar werden für alle – und am schlimmsten: auch für mich selbst.

Denn nur dadurch hat die leuchtende Kerze der vertrauensvollen Beziehung einen Wert. Sie bestätigt, dass das Reich Gottes wahrhaft Frucht bringt, in dieser und in der kommenden Welt.

Alle Werke, alles Handeln, das nur mir selbst dient, ist Stroh und wird verbrennen. Siehe besonders 1. Kor 3:12-15.

Heute

Jede, auch die kleinste Tat, die ich im Vertrauen auf Dich tue, hat große Folgen. Jede Saatkartoffel, die ich weggebe, bringt typisch zehnfach Frucht.

Und das Einüben in das Vertrauen zu Dir ist säen in den Himmel hinein.

Der Himmel ist nicht weit weg – es ist die Erde, die das Wort Jesu ist, in der Jesus „lebt und webt“.

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