Nur in Gleichnissen

Fr 30.01.2026

Mk 4:26-34 Vom Wachsen der Saat

Vom Senfkorn

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

26 Und Er sagte: So ist das Reich Gottes: wie wenn ein Mensch den Samen auf die Erde wirft,

27 und er schläft und steht auf, Nacht und Tag, und der Same keimt und wächst – wie, weiß er selbst nicht.

28 Von selbst bringt die Erde Frucht hervor: zuerst den Halm, dann die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre.

29 Wenn aber die Frucht es zulässt, schickt er sofort die Sichel, denn die Ernte ist da.

30 Und Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, oder in welchem Gleichnis sollen wir es darstellen?

31 Es ist wie ein Senfkorn, das, wenn es auf die Erde gesät wird, kleiner ist als alle Samen auf der Erde;

32 und wenn es gesät ist, wächst es und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, sodass unter seinem Schatten die Vögel des Himmels wohnen können.

33 Und mit vielen solchen Gleichnissen redete Er zu ihnen das Wort, wie sie es zu hören vermochten.

34 Ohne Gleichnis aber redete Er nicht zu ihnen; Seinen Jüngern aber erklärte Er alles für sich allein.

Gleichnisse sind angemessen

Nicht logische Exaktheit, sondern Gleichnisse aus Natur und Alltag.
Das Reich Gottes wird nicht hinreichend durch Philosophie und Theologie beschrieben – die Wirklichkeit der Welt, die Jesu Welt ist, beschreibt es.

Denn die Welt ist aus Jesus, aus dem Wort Gottes. Was könnte ihr Innersten besser beschreiben als sie selbst?

Ich sage mir das selbst, denn ich komme eher aus der logischen, physikalischen Welt (ich bin Phys. Ing.).

Die Bilder von Saat und Ernte, vom Senfkorn, vom Sauerteig, vom Acker und anderen sind wie Kleider, die den gut beschreiben, der in ihnen erscheint.

Sie bergen das Eigentliche und deuten doch das Herrliche an, das der ahnen kann, der sich gerne darauf einlässt.

Die Hülle hat ihren eigenen Wert

In der Familie meiner jüngeren Tochter werden Geschenke in besonderer Weise ausgepackt.

Der Beschenkte wartet, bis eine gute Zeit dafür ist. Dann setzt sich die ganze, große Familie zusammen. Der Beschenkte packt das Geschenk sehr vorsichtig und sorgsam aus. Vielleicht, ohne die Hülle dabei zu zerstören.

Wenn nun das erscheint, was darin verborgen war, freuen sich alle – nicht nur der Beschenkte.

Daran teilnehmen zu dürfen, ist selbst ein Geschenk.

Die Liebe Gottes hat sich verhüllt in der schon für sich selbst herrlichen Natur und im natürlichen Lebens. Darin verborgen ist das kostbare Geheimnis des Reiches Gottes.
Darum soll es nicht einfach entblößt werden für den, der noch nicht reif ist.
Es ist nicht recht, mit nur neugierigen Augen die Hülle wegzureißen, obwohl das eigene Herz vielleicht noch lange nicht bereit für den Inhalt ist.

Jesus verhüllt

Vor allem Verstehen, vor allem Erkennen, ist ein Sehnen im Herzen.
Dieses Sehnen ist zunächst klein und tief verborgen. Würde es erkennen, was es ersehnt, es würde geblendet, ja vielleicht für immer verschreckt.

Niemand darf es herausreißen und ins volle Licht stellen.
Sondern der Liebende wartet, bis es sich von allein zeigt.
Zunächst in einem Keim, der aus dem Boden lugt.
Dann in einem Halm – wie es weitergeht, steht im Gleichnis.

Wie ungeduldig bin ich selbst doch immer noch –.

Nur der wird Frucht bringen, der es selbst will.
Nicht der, der etwas an sich reißt, sondern der, der sich reinigen lässt. In Freiheit. Aber in immer weiter zunehmender Bereitschaft, sich an das Licht des Himmels zu gewöhnen und sich selbst zu einem Träger der Frucht, des Weizens entfalten zu lassen. Von woanders her – aber in innerer Zustimmung.

Immer, wenn mein Herz die Beziehung, die Liebe zum Anderen – auch zu meinen Lesern – in den Vordergrund stellt, gerate ich in Gefahr, der Würde des Anderen mit Ungeduld zu begegnen.

Aber erst, wenn die Frucht gereift ist (es „zulässt“), ist die Zeit des Schnitters – und das ist ohnehin Gott.

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