Der doch fremde Jesus

Mi 04.02.2026

Mk 6:1b–6

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

1b Und Er kam in Seine Vaterstadt, und Seine Jünger folgten Ihm.

2 Und als es Sabbat wurde, begann Er in der Synagoge zu lehren.

Und viele, die zuhörten, gerieten in Staunen und sagten:

Woher hat Er dies?

Und was ist das für eine Weisheit, die Ihm gegeben ist,

und solche Machttaten, die durch Seine Hände geschehen?

3 Ist das nicht der Zimmermann,

der Sohn der Maria,

und Bruder von Jakobus und Joses und Judas und Simon?

Und sind nicht Seine Schwestern hier bei uns?

Und sie nahmen Anstoß an Ihm.

4 Und Jesus sagte zu ihnen:

Ein Prophet ist nicht ohne Ehre,

außer in seiner Heimat

und unter seinen Verwandten

und in seinem Haus.

5 Und Er konnte dort keine Machttat tun,

außer dass Er wenigen Kranken die Hände auflegte und sie heilte.

6 Und Er wunderte sich über ihren Unglauben.

Und Er zog durch die Dörfer ringsum und lehrte.

Warum steht es da?

Ich habe darüber schon vor einem Jahr nachgedacht und dort stehen Dinge, auf die ich verweise: Das bequeme Vorläufige

Also frage ich: Warum steht es heute für mich da?
Bin ich denn so wie die Nazarener?
Kenne ich Jesus „zu gut“? Kenne ich Ihn und will Ihn in der Rolle belassen, die ich von Ihm kenne? Er und ich sind bei mir in bestimmten Rollen, und eine zu starke Änderung könnte eine beunruhigende Krise auslösen.

David Wilkerson

Als junger Christ las ich das wichtige Buch: „Das Kreuz und die Messerhelden“.

Heute geht es mir nur um den Anfang der Geschichte.

Wilkerson war Pastor und führte das ordentliche Leben eines Pastors. Aber er war müde und innerlich leer. In den späten Abendstunden saß er deshalb oft vor dem Fernseher.
Eines Tages spürte er: So höre ich Gott nicht.
Und er schaltet den Fernseher aus (für immer) und betet stattdessen (auch für immer). Zunächst ändert sich nichts – aber nach einiger Zeit sieht er einen Artikel über eine Jugendgang in New York. Eine kaum zu fassende, herrliche Geschichte beginnt.

Wilkerson kannte Jesus. Auch vorher. Und er ging einen Weg mit Ihm.
Dann aber erscheint ein „doch fremder Jesus“.
Derselbe, den die Leute in Nazareth vor sich hatten.

Aber sie schalteten den inneren Fernseher nicht ab – und ich fürchte, es gibt solch einen inneren Fernseher auch bei mir.

Zerstreuung

Bei mir ist es vermutlich schlimmer als bei den Nazarenern. Sie kannten vermutlich all die Zerstreuungen nicht, die ich kenne.

Mir scheint:

Zerstreuung ist eine leise, aber aktive Rebellion gegen die flüsternde Stimme des ganz anderen Jesus.

Ich tarne sie auf verschiedene Weise.

„Ich kann nicht mehr“ oder „ist doch nicht so viel“ oder „sonst werde ich noch komisch“.

All das ist Misstrauen.

Zerstreuung ist Gebundenheit an das, was nicht zu einem Ziel führt.
Ähnlich der Gebundenheit an andere Dinge, alle Dinge, mit denen ich nicht umgehe.

Das hebräische Wort für „gerecht sein“ ist צֶדֶק (zédeq). Es ist auch: Richtigkeit und: „im Ziel sein“. Dazu gehört auch noch der Begriff „gerade bleiben“: יֹשֶׁר (jóšer).

Zerstreuung und Bindungen sind wie ein Sturm, der verhindert, dass ich das Ziel erkenne und dem Ziel entgegengehe.

Zulassen

Zuerst gilt es, zuzulassen, dass dort ein „doch noch fremder Jesus“ in meinem Leben, in meinem Zimmer steht. Einer, der wenig Taten tun kann, weil ich an dem alten, vertrauten Jesus festhalte.

Will ich ein Leben führen wie bisher?

Auch die Synagogenbesucher von Nazareth waren fromme Leute.
Reicht mir das, wenn ich genau hinschaue? Was will ich mit dem Rest meines Lebens tun?

Du bist der immer noch viel größere Menschensohn.
Der Größere – und auch der, der mir nahe sein will.

Wenn ich den alten Jesus in mir festhalte, wird der ganz andere Jesus in eine andere Stadt gehen.

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