Do 05.02.2026
Mk 6:7-13 Die Aussendung der Zwölf
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext:
7 Und Er ruft die Zwölf zu Sich und begann, sie je zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister.
8 Und Er gebot ihnen, nichts für den Weg mitzunehmen außer einem Stab allein: kein Brot, keine Tasche, kein Geld im Gürtel,
9 sondern Sandalen anzuziehen und nicht zwei Unterkleider zu tragen.
10 Und Er sagte zu ihnen: Wo immer ihr in ein Haus eintretet, dort bleibt, bis ihr von dort weiterzieht.
11 Und wenn man euch an irgendeinem Ort nicht aufnimmt und nicht auf euch hört, dann geht von dort fort und schüttelt den Staub unter euren Füßen ab – zum Zeugnis gegen sie.
12 Und sie gingen hinaus und verkündeten, dass man umkehren solle.
13 Und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.
Hörst Du auf zu lieben?
„… dann geht von dort fort und schüttelt den Staub unter den Füßen ab…“
In einer früheren Betrachtung habe ich gesagt, dies ist ein Vorgriff auf das Ende der Zeit. Die letzte Ernte, der letzte Ruf. Die Menschen stehen am Ende ihrer Lebensprüfung, ihr Ablehnen ist das letzte Wort, die Folgen endgültig.
Ich war damals froh, es in der Endzeit zu entdecken, denn es schien mir unerträglich für heute. Die Liebe hört niemals auf. Auch die Liebe zu den Feinden nicht. Und ihre Einsamkeit kann mich nicht unberührt lassen.
Und Dich auch nicht. So kenne ich Dich nicht.
Und doch:
Das Wesen der Liebe
Es gibt etwas, das die Liebe nicht überwinden kann, weil es Bestandteil ihrer Substanz selbst ist. Denn die Liebe will das Sein des Anderen, die volle Wirklichkeit der Person des Anderen. In diesem Punkt auf Augenhöhe – selbst auf Augenhöhe Gottes.
Zum Wesen der Person gehört seine unbedingte Freiheit in dem Wichtigsten seines Lebens: der Entscheidung für die Person, mit der er ewig leben will.
Ist diese Person eigentlich doch zuerst ich selbst – oder will ich den Anderen mindestens so wie mich selbst?
Wenn ich dazu komme, beten zu wollen, „Herr stärke mein Vertrauen zu Dir“, dann höre ich: „Wenn Ich das täte, würde ich deine Würde antasten“.
Mit Schmerzen verbirgst Du Dich vor mir, damit die Würde meiner Person in Erscheinung treten kann.
Du gibst sie mir nicht, denn Du hast sie so in mich gelegt, dass es nun ganz an mir ist, sie anzuwenden oder nicht.
Und koste es alles – selbst das wirkliche Leben, das ewige Leben.
Die Liebe bezahlt jeden Preis für die Würde des anderen, die Würde, auch diese Liebe auszuschlagen.
Und das, so scheint mir, ist der Alltag.
Ich ringe es mir nicht ab
Und doch ist der Weg dahin nicht die ewige Selbstanalyse.
Es geht nicht ohne, aber es sind nur Türen, durch die ich dann den Pfad meines Lebens ändere.
Was ich viel mehr tun will ist: Dich so kennenzulernen, wie Du bist. Den, der hundert Jahre vor meiner Tür wartet, um meine Würde nicht anzutasten und mich doch nicht lassen will.
Am Ende werde ich an Türen vorbeigehen, durch die Du mit mir gehen wolltest. Ich verpasse Wege mit Dir, die ich nie wieder gehen kann.
Weil ich Gemeinschaft mit mir selbst, meinen Wünschen und Ängsten, der Gemeinschaft mit Dir vorgezogen habe. Und es mir deshalb an vielen Stellen nicht möglich war, meinen Mangel an Vertrauen zu überwinden.
Wenn ich ohne Brot, ohne Tasche und ohne Geld im Gürtel gehen will, muss ich Dich als grenzenlos vertrauenswürdig erkannt haben.
Das passiert nicht durch Abwarten und Selbstsorge.
Es passiert auch nicht als einfaches geistliches Prinzip, nach dem Motto, verkaufe alles und folge mir nach.
Sondern: Willst du mich so kennenlernen, dass Vertrauen wachsen kann
und du auf mein Wort hin dorthin gehst, wohin Ich dich sende?
Dein lebendiges Wort, jetzt, vor meiner Tür.