Fr 06.02.2026
Mk 6:14-29 Das Ende des Täufers
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext:
14 Und der König Herodes hörte davon, denn Sein Name war bekannt geworden. Und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferweckt worden, und darum wirken diese Kräfte in Ihm.
15 Andere aber sagten: Er ist Elija. Wieder andere sagten: Er ist ein Prophet, wie einer der Propheten.
16 Als aber Herodes es hörte, sagte er: Johannes, den ich enthauptet habe, der ist auferweckt worden.
17 Denn Herodes selbst hatte ausgesandt und Johannes ergriffen und ihn ins Gefängnis gebunden wegen Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, weil er sie geheiratet hatte.
18 Denn Johannes sagte zu Herodes: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben.
19 Herodias aber trug ihm nach und wollte ihn töten und konnte es nicht.
20 Denn Herodes fürchtete Johannes, da er wusste, dass er ein gerechter und heiliger Mann war, und er schützte ihn. Und wenn er ihn hörte, war er sehr beunruhigt, und doch hörte er ihn gern.
21 Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag seinen Großen und den Obersten und den Vornehmen von Galiläa ein Gastmahl machte.
22 Und als die Tochter der Herodias hereinkam und tanzte, gefiel sie Herodes und den Mitessenden. Und der König sagte zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, und ich werde es dir geben.
23 Und er schwor ihr: Was immer du von mir bittest, ich werde es dir geben, bis zur Hälfte meines Reiches.
24 Sie aber ging hinaus und sagte zu ihrer Mutter: Was soll ich bitten? Die aber sagte: Den Kopf des Johannes des Täufers.
25 Und sie ging sogleich mit Eile zum König hinein und bat und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des Johannes des Täufers gibst.
26 Und der König wurde sehr betrübt, aber wegen der Eide und der Mitessenden wollte er sie nicht abweisen.
27 Und sogleich sandte der König einen Scharfrichter und befahl, seinen Kopf zu bringen. Der aber ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis
28 und brachte seinen Kopf auf einer Schale und gab ihn dem Mädchen, und das Mädchen gab ihn ihrer Mutter.
29 Und als seine Jünger es hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.
Johannes und Jesus
Johannes mahnt Herodes. Jesus tut das nicht. Warum?
Nicht weil es nicht richtig wäre, sondern weil es eine Reihenfolge gibt:
Zuerst wird das Gesetz gegeben, heute könnte man es Ethik nennen.
Dann antwortet das Herz des Menschen mit Moral. Es stellt sich dazu.
Aber es ist ein Ringen, wie ich an Herodes deutlich sehe.
Er hat gekämpft – und er ist gescheitert.
Erst in diesem Ringen selbst kommt die Gnade durch Jesus.
Die Gnade tut zwei Dinge: Sie trägt die Sünden, das Scheitern des Menschen in seiner Moral. Und: Es öffnet den Raum für die Quelle der Ethik. Die Quelle der Ethik ist die Beziehung zu Gott und zum Menschen.
Herodes bricht nicht allein das Gesetz, er zerstört die Beziehung seines Bruders zu seiner Frau.
Es ist nicht erlaubt
Das sagt Johannes zuerst.
Und das muss gesagt werden.
Überspringe ich das mit der Gnade, überspringe ich die Würde des Menschen, der zunächst erkennen muss, dass er im Herzen das Gesetz als gut erkennt. Und sich dennoch dagegen entscheidet. Nicht um das Gesetz zu brechen, sondern weil er sich selbst mehr liebt als alle anderen Beziehungen.
Und damit wird er blind für die Herrlichkeit der eigentlichen Liebe. Die eigentliche Liebe ist nie die Selbstliebe. Die Selbstliebe verbraucht einen Kredit und ist von Sterben geprägt, genau wie Gott es Adam sagte.
Wer Gnade predigt, ohne Gesetz, der missachtet die Würde des Menschen und stößt ihn in die Bedeutungslosigkeit.
Wer Gesetz predigt, ohne Gnade, der verbrennt den Menschen in Einsamkeit. Denn das Gesetz ruft zur Beziehung. Und die ist ohne Gnade nicht möglich, nicht mit dem heiligen Gott und auch nicht vollständig mit dem Menschen neben mir.
Moral
Moral ist das, was ich in meinem Herzen aus dem Anspruch der Ethik mache.
Moral braucht als einen Anspruch von außen – die Ethik, besser: die Ordnungen Gottes.
Aber es ist entscheidend, dass ich erkenne, dass es letztlich darum geht, ob ich in dem Gesetz das Angebot der Beziehung erkenne – und mein Misstrauen dagegen.
Ein Misstrauen, das glaubt, sich selbst ein besserer Gott zu sein als der Gott, der das Gesetz gab.
Auf dem Weg, dies zu erkennen, stellt sich die Frage, ob es überhaupt ein Zurück in die Beziehung geben kann, nachdem ich sie mit Misstrauen zerstört habe.
Allein in dem Ringen der Moral offenbart sich mir die Bedürftigkeit einer Erlösung, eines Erlösers.
Ohne Ethik und Moral bleibe ich eine Absonderung Gottes (wie im Islam) und werde kein Gegenüber Gottes.
Es braucht also drei Dinge: Ethik, Moral und Gnade.
Gnade
Die Gnade offenbart mir den Grund der Ethik. Und führt mich so an den Anfang zurück. Dieses Mal mit der fundamentalen Offenbarung, dass es recht ist, diesem Gott ganz zu vertrauen.
Denn im Kreuz Jesu offenbart Gott Seine unbedingte Treue zu Seinem Teil der Beziehung.
Er tilgt die Schuld der Folge meines gewollten Misstrauens. Und öffnet die Tür zum Vaterhaus.
Dieses Heimkommen macht mich zu einem Freund und lebendigem Täter der Ethik, des Gesetzes.
Siehe Ps 119: „Wie habe ich Deine Weisungen lieb.“
Erfülle ich die Ethik nicht, kommt der fragende Blick des Liebhabers. Nicht die Rute des Gesetzes.
Halte ich erneut fest an dem Weg in die Selbstliebe, wird es brandgefährlich. Viel schlimmer als für Menschen, die diese Gnade nie kannten.
Darum sage ich beides, vermisse aber in meiner Umgebung den Ruf des Johannes.
Brich die Ehe nicht.
Liebe deine Feinde.
Sei Täter des Wortes.
Das sind die Dinge, um die in meiner Umgebung in einem wilden, wütendem Kampf toben.
Auch deshalb, weil die Ethik nicht mehr verbindlich benannt wird.
Die Frage ist nicht, ob ich das Gesetz halte, sondern ob ich dem Gesetzgeber vertraue.
Eine ewige Frage, eine Frage, die die Ewigkeit entscheidet.