Sa 07.02.2026
Mk 6:30-34 Rückkehr der Zwölf; Auflauf von Menschen
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext:
30 Und die Apostel versammeln sich bei Jesus und berichten Ihm alles, was sie getan und was sie gelehrt hatten.
31 Und Er sagt zu ihnen: Kommt ihr allein an einen einsamen Ort und ruht euch ein wenig aus. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht einmal Zeit zu essen.
32 Und sie fuhren im Boot an einen einsamen Ort für sich allein.
33 Und viele sahen sie wegfahren und erkannten sie, und sie liefen von allen Städten dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor.
34 Und als Er ausstieg, sah Er eine große Menge und wurde innerlich bewegt über sie, weil sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und Er begann, sie vieles zu lehren.
Jesu Wille
Jesus wollte Ruhe für die Apostel, vermutlich auch Zeit mit ihnen und Ruhe für sich. Der Vater aber fügte es anders.
Es ist nicht einfach so, dass der Vater und der Sohn in jedem Moment dasselbe wollen. Der Sohn ist auf Erden ganz Menschensohn.
Etwas Eigenes zu wollen, ist Ausdruck des Person-Seins. Ruhe, Pause zu wollen ist menschlich – Gott kennt keine Pause.
Jesus entflieht geradezu dem Ort, an dem Er ist. Es gibt einen Interessenkonflikt zwischen der Sorge um Seine Jünger und den Bedürfnissen der Menschen.
Gottes Wille
Am anderen Ufer läuft es anders als geplant; mehr Last, als die, der sie entflohen sind. Und nun geschieht etwas Starkes:
Jesu innerstes Erbarmen wird erweckt. Es ist das Bild einer Mutter, aramäisch im Unterleib, im Schoß der Mutter lokalisiert.
Und hier offenbart sich die tiefste Übereinstimmung Jesu mit dem Vater. In dem, was Er am und im anderen Menschen sieht. Die unbedingte Zugehörigkeit zu jenen Menschen vor Ihm.
Ist in der Leiblichkeit Jesu vielleicht die ganze Menschlichkeit vorhanden, wie Jesus es im Begriff „Menschensohn“ immer wieder ausdrückt?
Eine Menschlichkeit, die nicht immer gleich weiß, was der Vater will. Die menschliche Sehnsucht nach Ruhe, und auch nach einer Mahlzeit, empfindet und ihr folgen will.
Eine erschütternde Nähe zu mir, dem Menschen.
Ohne KI
Wenn ich dogmatisch unsicher bin, frage ich oft die KI – aber nicht am Sabbat.
Darum auf meine Kappe:
Auf Erden ist Jesus ganz Mensch und in gewisser Weise nichts als Mensch.
Seine Gottessohnschaft ist wie ein nicht angetretenes Erbe. Er ist Gottes Sohn per Wirklichkeit – aber nicht per innerer Macht. Nicht jetzt.
Als ich Jugendlicher war, hat ein Freund von mir sich suizidiert.
Auf der Beerdigung habe ich mit aller Kraft versucht, ihn zu verstehen und mich in ihn hineinzuversetzen. Und ich entdeckte schließlich, dass es nicht möglich ist – denn immer wusste ich, dass es nur eine Einfühlung ist – keine Wirklichkeit.
Als die zwölf Jünger je zwei und zwei unterwegs waren, waren sie ganz auf sich gestellt. Sie hatten Vollmacht – aber kein Smartphone, mit dem sie im Zweifel bei Jesus nachfragen konnten (oder die KI befragen).
Die Einsamkeit Jesu in seinem nur ganz Mensch-Sein scheint mir hier auf.
Kompass
Aber im Menschen ist gelegt, was seine von der Schöpfung her gegebene Gottesbildlichkeit ausmacht.
Die tiefste Nähe zum anderen, wie sie sehr stark in der Mutterschaft deutlich wird. Im Inneren der Frau reift ein Leben, ganz auf die Mutter angewiesen.
Es ist nicht nur ein biologischer Reflex, es ist Urbild der Kindschaft der Menschen zum Vater.
Jesus selbst hat die Welt so geschaffen, dass der Mensch wesenhaft Ähnlichkeit mit Ihm selbst hat. Gebärend sein.
Und damit existenziell verbunden sein.
Auch ohne Rückruf bei Gott ist dieser innere Kompass aktiv.
Wer aufblickt und verlorene Schafe sieht, dem weist dieser innere Kompass den Weg. Aus unserer Gottesbildlichkeit heraus.
Somit reicht es, dass Jesus Menschensohn ist, um auch darin den Willen des Vaters zu entdecken.
Blitzlicht
Das ist ein Blitzlicht auf diese Situation. Nicht die ganze Geschichte.
Insgesamt geht es nicht darum, nur in einer menschlichen Blase ohne Gott zu leben. Das wird an dem Fortgang der Geschichte deutlich werden – die Speisung der Fünftausend. Vorgriff auf die Eucharistie, die das nur menschliche weit übersteigt.
Wenn Jesus nun so Menschensohn ist, wie es mir erscheint – dann können wir sein wie Er (in Seinem Menschensohn-Sein).
Dann gibt es keine Ausrede, nach dem Motto, „ich bin ja nicht Jesus“.
Auch als Fremdlinge haben wir genug Heimat im Herzen, um die Menschen so an uns heranzulassen, wie Jesus es tut.