So 08.02.2026
Mt 5:13-16 Salz und Licht
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext:
13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz fade wird, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.
14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
15 Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, und sie leuchtet allen im Haus.
16 So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel verherrlichen.
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Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)
– „Salz“: Bewahrende, schützende Kraft – nicht nur Würze, sondern Erhaltung.
– „Fade werden“: Im Aramäischen stärker: Kraft verlieren, innerlich leer werden.
– „Licht“: Offenbarendes, wahrmachendes Licht, nicht Selbstdarstellung.
– „Leuchten lassen“: Aktiv, bewusst, nicht zufällig.
– „Verherrlichen“: Gott wird erkannt durch das sichtbare Leben der Jünger, nicht durch Worte.
Bergpredigt
Dieser Text entfaltet in einem ersten Schritt die gerade erfolgten Seligpreisungen. Sie müssen also in diesem Licht gelesen werden. Zwar braucht niemand sein Licht unter den Scheffel zu stellen – aber erst recht nicht auf den Scheffel. Das tut Gott. Er baut Seine Stadt auf dem Berg, und damit bin ich schon auf dem Scheffel, bin schon sichtbar. Ob für die unsichtbare Welt oder die sichtbare.
Keine Selbstdarstellung
Solange ich Werke mache, um sie mir oder anderen zu zeigen, ehre ich mich – nicht den Vater im Himmel.
Die Werke soll ich tun, aber: Damit sie mich wandeln und ich als Gewandelter den Vater verherrliche.
Denn was verherrlicht den Vater?
Meine Werke? Ja, aber nicht allein.
Sondern – es ist meine Glückseligkeit in den Werken.
Wer als glückselig erkannt wird, den fragt man, von wem er das hat. Der verherrlicht die Wahrheit des Vaters. Und diese Wahrheit ist: Dass die Liebe mir nicht dient, wenn ich sie auf mich selbst richte, sondern wenn ich sie auf den Vater und den Nächsten richte. Das ist Herrlichkeit – sonst Gott wäre ein Lügner.
Ich bezeuge es und viele bezeugen es: Dort zu sein, wohin mich der Vater geführt hat und das zu tun, was Er mir aufgetragen hat ist Glückseligkeit. Nicht schwärmerische Hochstimmung, sondern herrliches in einem Joch mit Christus sein.
Jesaja 58
Aus dem hebräischen Urtext:
7 Besteht es nicht darin, dein Brot dem Hungrigen zu brechen
und heimatlose Arme ins Haus zu führen,
wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden
und dich deinem eigenen Fleisch nicht zu entziehen?
8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot,
und deine Heilung wird schnell wachsen;
deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen,
und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Nachzug bilden.
9 Dann wirst du rufen, und der HERR wird antworten;
du wirst schreien, und Er wird sagen: Hier bin Ich.
Wenn du aus deiner Mitte das Joch entfernst,
das Fingerzeigen und das Reden von Unheil,
10 und deine Seele dem Hungrigen darreichst
und die gebeugte Seele sättigst,
dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen,
und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.
Das „es“ ganz am Anfang bezieht sich auf das wahre Fasten vor Gott.
Prophet des Propheten?
Legt Jesus Jesaja aus?
Verschärft er seinen Text?
Es hilft mir zu verstehen, dass die Juden den Tanach (das Alte Testament) nicht homogen betrachten. Sondern die Thora ist das Zentrum.
Dann legt Jesaja die Thora aus.
Und darum legt Jesus nicht Jesaja aus, sondern Er entfaltet die Thora in ihrer Ursprünglichkeit. In ihrem eigenen Wesen.
Jesus selbst ist Thora – nicht ein Prophet, wie die Propheten waren.
Jesaja ist ein Leser der Thora.
Jes 58 ist:
• Deutung von Lev 25 (Sozialgebote),
• Ex 22–23 (Schutz der Schwachen),
• Dtn 15 (Erlass, Teilen),
• Dtn 10 (Fremde, Arme).
Damit ist Jesu Rede eher eine Sinai-Rede.
Das endgültige Licht aus dem, was Gott von Sich offenbart hat.
Warum sage ich das:
Volk Gottes
Die Bergpredigt ist keine Anleitung zu einer Art „Super-Ethik“ für den einzelnen Menschen.
Sondern sie stiftet ein neues Volk.
Ein Volk, das von Gott als ganzes anschaut wird.
Die Frage ist dann nicht mehr, ob ich gerettet werde – sondern Gottes Frage ist die nach dem Volk, indem ich Salz und Licht bin.
Nicht so sehr: Ich bekehre meinen Nachbar,
sondern: Ich bin Salz im ganzen Haus der Welt.
Zumindest jedoch der Kirche.
Ich bin erst im Reich Gottes, wenn mich nicht länger mein Heil kümmert, sondern das Heil des Leibes Christi – genau wie Jesaja es für den „Leib Israel“ war.
Somit ist klar: Glückselig bin ich im Dienst im Leib Christi. Weil Gott mir Anteil an Seiner Liebe gibt – und Gottes Liebe ist der Leib Jesu, nicht zuerst ich als Person.
Licht
Noch ein Wort zum Licht, weil es sich in die Reihe der letzten Andachten fügt.
Licht lockt nicht, es offenbart. Es offenbart die Blickrichtung. Wende ich mich dem Licht zu (unter Schmerzen) oder berge ich mich in der Dunkelheit. Mein Dienst ist es nicht, Seelen zu gewinnen. Sondern Menschen zu ermöglichen, ihre eigene Haltung im Blick auf das Licht zu klären. Von sich aus, in ganz eigener Verantwortung.