Mo 09.02.2026
Mk 6:53-56 Heilungen am See Genezareth
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext:
53 Und sie fuhren hinüber und kamen in das Land Genezareth und legten an.
54 Und als sie aus dem Boot stiegen, erkannten die Menschen Ihn sofort.
55 Und sie liefen durch die ganze Gegend und begannen, die Kranken auf Tragbahren dorthin zu bringen, wo sie hörten, dass Er sei.
56 Und wohin Er auch kam – in Dörfer oder Städte oder Gehöfte –, legten sie die Kranken auf die Marktplätze und baten Ihn, dass sie nur den Saum Seines Gewandes berühren dürften. Und alle, die Ihn berührten, wurden gerettet.
Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)
• „erkannten Ihn sofort“ → betont: unmittelbares Wiedererkennen, nicht bloß Vermuten
• „liefen durch die ganze Gegend“ → Bewegung, Dringlichkeit, Ausbreitung wie eine Welle
• „Saum Seines Gewandes“ → wörtlich: äußerster Rand / Zipfel (Bundesbezug)
• „wurden gerettet“ → zugleich: geheilt / befreit / bewahrt (ein Wortfeld)
Es gibt Texte dazu, die ich heute voraussetze. Besonders: Der Saum des Gewandes Jesu
Schmerz
Diesen Text an mich heranzulassen bedeutet Schmerz.
Denn es springt ins Auge, dass wir das heute nicht, oder fast nicht haben.
Das haben andere Christen vor mir sicher auch schon empfunden. Ein Versuch, das zu ändern, war die charismatische Bewegung, der ich lange angehört habe.
Aber ich habe nie gehört, dass jemand in dieser Zeit durch die Berührung eines Gewandes gesund geworden ist.
Dabei ist die Not groß.
Auf einem Kongress mit John Wimber in Frankfurt waren mehrere Tausend Teilnehmer. Auf die Frage, wer Heilung möchte, meldete sich die überwältigende Mehrheit. Und das war kein Krankenhaus und kein Altersheim.
So viel körperliche Not – und ich rede noch nicht von der seelischen und geistigen Not.
Nur Jesus?
Kann das nur Jesus in dieser Weise?
Ich habe gestern von dem Menschensohn gesprochen. Davon, dass Jesus so Mensch ist, dass Er uns ganz verstehen kann – und wir Ihm ganz nachfolgen können.
Denn einem Gott kann man so nicht nachfolgen.
Also geht mich der Text auch persönlich an.
Es geht nicht einfach um die Ehre Jesu, um Sein einmaliges Wirken damals oder gar um eine erbauliche Wundergeschichte der Bibel.
In der Stille soeben haben mich viele Fragen bedrängt. Auch theologische Fragen wie die, warum an dieser Stelle nirgends von Lehre oder Umkehr die Rede ist.
Der ganze Abschnitt enthält zunächst keine Theologie, sondern nur:
Unbedingte Verbundenheit.
Zum einen bei den Menschen. Sie wollen Jesus. Wie es auch immer möglich ist, und wenn es nur der Saum ist, den sie berühren können.
Berühren.
Das scheint mir überhaupt der Schlüssel.
Berühren wollen sie – und sich unbedingt berühren lassen.
Die Menschen spüren und erleben: Da lässt sich jemand ganz berühren. Von mir, von meinem Schmerz, von meinem Schmutz.
Jemand, der sich nicht ekelt vor all der Krankheit, der sich nicht abwendet, sondern ganz zuwendet.
Reich Gottes
Reich Gottes ist personale Bezogenheit.
Alles andere kommt danach oder folgt sowieso daraus.
„Was mir bitter erschien, wurde mir zur Süße.“
Franz von Assisi.
Das sagt er von seiner Begegnung mit dem Aussätzigen. Eine Begegnung voller Berührung. Franz hat diesen Aussätzigen umarmt und geküsst.
Das ist Reich Gottes. Viel weniger Theologie als gedacht.
Konsequenzen
Dieser Weg macht schwach und verletzlich.
Kein Weg zu einem äußerlich besseren Leben.
Sondern ein Weg zu dir, Mensch.
Was will ich?
Will ich das?
Will ich das ohne Vorbehalt?
Will ich Dein Reich in dieser Form leben?
Mein Herz
Wie oft entdecke ich, dass ich Menschen, vor allem fremde Menschen, in Bezug auf mich anschaue. Was sie für mich bedeuten könnten.
Eine Art Schutz meiner Selbst. Ich lasse durch, wen ich meine, tragen zu können. Die Bewachung meiner inneren Burg durch Späher. Zur Not schaue ich woanders hin.
Oder die Gefahr der Psychologisierung lauert am Wegesrand. Theologische Beurteilungen schauen von oben herab. Der Selbsterhaltungsinstinkt ruft von unten.
Will ich den Anderen so an mich heranlassen wie Franziskus, wie Jesus?
Niemand zwingt mich – will ich es?
Es hängt davon ab, mich ganz in Dir geborgen zu wissen. Nicht als Gefühl, als Bewusstsein von Heimat.
Darum suche ich Dich in der Stille – damit mich die anderen am Tage aufsuchen dürfen.