Was ist nun mit dem Herzen?

Mi 11.02.2026

Mk 7:14-23 Was aus dem Herzen herauskommt

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext:

14 Und Er rief die Menge wieder zu Sich und sagte zu ihnen: Hört Mich alle und versteht.

15 Nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein.

16 (Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre.)

17 Und als Er vom Volk weg in das Haus eingetreten war, fragten Ihn Seine Jünger nach dem Gleichnis.

18 Und Er sagt zu ihnen: Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann,

19 weil es nicht in sein Herz hineingeht, sondern in den Bauch, und in den Abort hinausgeht? – Damit erklärte Er alle Speisen für rein.

20 Er aber sagte: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein.

21 Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor: Unzucht, Diebstahl, Mord,

22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut, Unvernunft.

23 All dieses Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen unrein.

Unlösbar?

Dieser Text hat sich mir bisher nie recht erschlossen.
Wenn die Quelle selbst böse ist, gibt es keine Lösung. Sie kann nicht gut werden, denn sie selbst ist böse.

Aber das ist altes Denken und kommt aus meiner evangelischen Vergangenheit.

Das hebräische Denken – und damit Jesu Denken – geht von einem verantwortlichen Herzen aus. Und verantwortlich kann nur etwas sein, was auch die Freiheit zur Entscheidung hat.

Das Herz enthält also unbedingt auch Freiheit, auch in dem unerlösten Zustand.

Im Herzen entscheidet sich alles, und in der Tat der verfestigten Gedanken, der daraus folgenden Haltungen und inneren Erlaubnissen und dem konkreten Vollzug der Tat entscheidet sich, wohin der Mensch am Ende gehört.

Jesu Liste der Verunreinigungen

In den Versen 21 und 22 gibt es eine recht typische Liste des Niederganges.

Sie beginnt mit dem Denken.

Das sind nicht irgendwelche flüchtigen Gedanken, es sind die Erwägungen und die Themen, die ich in mir zulasse. Dabei geht es um ein Thema – dazu komme ich gleich.

Der ganze Rest der Liste hat mit meinem Nächsten zu tun.

Es sind verschiedene Formen von Nachteilen und Schäden, die ich anderen zufüge.

Aus einem einfachen Grund: Weil ich mir zuerst und zumeist mein eigener Nächster bin – weil meine Liebe sich auf mich selbst richtet.

Und nun zu den Gedanken:

Wie groß ist der Anteil meiner Gedanken um mich selbst?

Um meine Sicherheit, mein wirtschaftliches und soziales Überleben, mein Dastehen vor mir selbst und anderen?

Diese Gedanken müssten nicht böse sein – aber sie sind eine Art Vakuum. Jederzeit und mit Leichtigkeit werden es relative Gedanken. Wie sichere ich mich gegen andere, wie erreiche ich Erfolg vor dem Wettbewerber, wie groß ist mein Vorkommen gegenüber anderen?

Denn der Andere ist zunächst Bestandteil meiner eigenen Welt. Nützt er mir, ist es gut. Fühle ich etwas für ihn, gebe ich auch etwas. Baue ich eine Familie, binde ich mich vielleicht – solange mein innerer Tank nicht gegen den Rest geht.

Wer ist der Andere

Der Andere ist Kind Gottes. Geliebter Jesu.

In dem Maße, in dem ich mehr Sohn bin, als ich ein Selbst bin, wird des Vaters Sicht auf Seine anderen Kinder Normalität für mich.

In dem Maße, in dem ich zustimme, dass das Reich des Himmels nicht zuerst mein Glück zum Ziel hat, sondern ein Haus. Ein Haus, dem es gut geht, weil alle das Haus im Zentrum haben – nicht sich selbst.

Einschub:

Ich misstraue den sogenannten Nahtoderfahrungen, die von herrlichem Licht und völligem Vergessen der Erde sprechen. Der Himmel ist das Leben im Haus der Gemeinschaft – nicht ein schwärmerisches Glück.

Der Andere ist der Ort, an dem offenbar wird, dass ich im Himmel bin.

Liebe ich meinen Feind, bin ich im Himmel.

Liebe ich nur meine Freunde, bin ich doch wieder in mir selbst und meinem Vorteil. „Den mag ich. Mein Mögen für sich gelebt ist Teil der „bösen Gedanken“.

Unreinheit kommt nicht durch fehlende Abgrenzung

Für eine Zeit der inneren Unreife, gerade als junger Christ, ist es gut, sich von manchem abzugrenzen. Das Dunkle hat noch Macht über mich und ich muss mit meinen geistigen Kräften haushalten.

So war auch die Reifung Israels eine Zeit lang in starker Abgrenzung von der Dunkelheit der Welt. Und für diese Zeit war es richtig.

Nun aber ist das Heil in der Person Jesus so nahe gekommen, dass es einen „Überschuss an Heiligkeit“ gibt.

Nicht: Die Welt verschmutzt mein sauberes Gewand mit ihrem Dreck.

Sondern: Ich reinige den Schmutz der Welt mit meinem immer wieder neu sauberen Gewand.

Es wird die Zeit kommen, in der gerade Israel dies für die Welt sein wird.

So, wie es in Christus schon vorgezeichnet wurde.

Der Aussatz der Welt verschmutzt ihn nicht, sondern Seine Reinheit verschlingt den Schmutz.

Noch vor zwei Stunden hat mich diese Geschichte in Unruhe und Ratlosigkeit versetzt. Es ist gut, wie ein Jünger an den Füßen des Meisters zu verweilen – dazu ermutige ich jeden Leser.

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