Do 12.02.2026
Mk 7:24-30 Die Frau aus Syrophönizien
Der Text
Aus dem Urtext:
24 Und Er stand auf von dort und ging weg in das Gebiet von Tyrus. Und Er trat in ein Haus ein und wollte, dass niemand es erfahre; doch Er konnte nicht verborgen bleiben.
25 Sondern sogleich hörte eine Frau von Ihm, deren kleine Tochter einen unreinen Geist hatte, und sie kam und fiel nieder zu Seinen Füßen.
26 Die Frau aber war Griechin, eine Syrophönizierin von Herkunft; und sie bat Ihn, dass Er den Dämon aus ihrer Tochter austreibe.
27 Und Er sagte zu ihr: Lass zuerst die Kinder satt werden; denn es ist nicht gut, das Brot der Kinder zu nehmen und es den Hündlein hinzuwerfen.
28 Sie aber antwortete und sagt zu Ihm: Ja, Herr; auch die Hündlein unter dem Tisch essen von den Brocken der Kinder.
29 Und Er sagte zu ihr: Um dieses Wortes willen geh hin; der Dämon ist aus deiner Tochter ausgefahren.
30 Und sie ging weg in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegend – und der Dämon war ausgefahren.
Ein alter Konflikt
Kain und Abel, Israel und Palästina, Deutschland und der Versailler Vertrag.
Geschichten von Demütigung. Selbst in der Geschichte von Juden und Christen scheint es mir darum zu gehen.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 1 Absatz 1.
Ja, viele spüren es – aber was ist „die Würde des Menschen“.
Auf den ersten Blick scheint in dieser Geschichte die Frau in die Würdelosigkeit abzugleiten, um ihre Tochter irgendwie zu retten.
Ist das so?
Was ist Würde nicht
Viele glauben, Würde habe damit zu tun, anerkannt zu werden.
Vielleicht weil ich wer bin, oder weil ich Dinge bewirken kann.
Wie oft definieren Menschen ihre Würde durch Abgrenzung. Pubertierende Kinder gegenüber den Eltern z. B..
Oder durch Autonomie.
Warum tust du das? – Weil ich es will.
Wie viele Kinder werden heute sehr oft nach ihrem Willen gefragt, in der Sorge, man würde sonst ihre Freiheit und Würde übergehen.
Ich sage: Das alles ist weit entfernt von der Würde des Menschen.
Denn die Würde des Menschen kann letztlich durch andere weder gegeben noch genommen werden.
Und: Autonomie klammert einen anderen Aspekt der Würde aus: die Gottesbildlichkeit des Menschen.
Und dazu gehört unverzichtbar und substanziell: Beziehung.
Würde wird nicht im Stolz bewahrt
Die Frau opfert ihren Stolz – aber nicht ihre Würde.
Sie wählt die Liebe und integriert sich in die Beziehung Mutter-Tochter.
Mit dem Vollzug ihrer Wahl vollzieht sie auch ihre Würde!
Dies wird durch ihre Demütigung nicht weniger, sondern mehr. Jesus führt sie in dem weiter, worin sie schon auf dem Weg ist.
Und das ist ein wichtiger praktischer Punkt:
Würde muss „getauscht“ werden
Die Würde, die das Grundgesetz nennt, ist die potenzielle Würde. Die Garantie Gottes auf Seinen Respekt vor meiner Freiheit. Siehe: Die Würde der Ablehnung
Immer wird Gott das Zentrum meiner Freiheit respektieren.
Jesus hätte Seiner eigenen Liebe zu der Tochter dieser Frau keinen Vollzug gegeben, wäre die Frau nach der ersten Ablehnung aufgestanden und gegangen.
Nun aber:
Es gilt, die aktuelle potenzielle Würde (die Potenz) in die vollzogene Würde (den Akt) zu tauschen. Im Akt verschwindet zwar diese konkrete Freiheit – aber sie gebiert eine Frucht.
Jede nicht vollzogene Würde, jeder ignorierte Akt, verkleinert den Menschen.
Weniger die Potenz selbst, aber den „geistigen Leib“ im Sinne des Seins.
Aber jede vollzogene Würde, jede freie Entscheidung für den Bezug zum Anderen (also für die Liebe) vergrößert diesen geistigen Leib.
Jesus weist nicht jeden so ab, wie diese Frau – sondern Er würdigt sie in ihrem „schon jetzt“ weiter zu wachsen in eine überwältigende Würde.
Die Herrlichkeit des Aktes
Jesus ruft die Frau in ihre Gottesbildlichkeit. Er sagt:
„Um dieses Wortes willen geh hin; der Dämon ist aus deiner Tochter ausgefahren“.
Um ihres Wortes willen!
Das ist Einsetzung in die Gottesbildlichkeit.
Und das ist Leben in Fülle, im Überfluss (denn es betrifft ihre Tochter).
Herrliche Wirksamkeit des Aktes in der realen Welt.