Fr 13.02.2026
Mk 7:31–37 Die Heilung des Taubstummen
Der Text
Aus dem Urtext.
31 Und Er ging wieder hinaus aus dem Gebiet von Tyrus und kam durch Sidon an den See von Galiläa, mitten durch das Gebiet der Dekapolis.
32 Und sie bringen zu Ihm einen Tauben, der schwer redete, und sie bitten Ihn, dass Er ihm die Hand auflege.
33 Und Er nahm ihn von der Volksmenge beiseite für sich allein, legte Seine Finger in seine Ohren und spuckte und berührte seine Zunge.
34 Und Er blickte auf zum Himmel, seufzte und sagt zu ihm: Ephphatha – das heißt: Werde geöffnet.
35 Und sogleich wurden seine Ohren geöffnet, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig.
36 Und Er gebot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr Er es ihnen aber gebot, desto mehr verkündeten sie es.
37 Und sie gerieten über die Maßen außer sich und sagten: Er hat alles gut gemacht; auch die Tauben macht Er hören und die Stummen reden.
Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)
– „Ephphatha“ bleibt aramäisch: (ethpataḥ) –„öffne dich“. Nicht aktiv „öffne“, sondern: Lass dich öffnen.
– „die Fessel seiner Zunge“: aramäisch stärker bildhaft – das Band, das gebunden hielt. Es geht nicht nur um Sprachfehler, sondern um eine Bindung, die gelöst wird.
– „Er seufzte“: aramäisch mit innerer Bewegung, fast mitleidender Laut. Kein bloßes Atemholen, sondern Mit-Leiden.
– „Er hat alles gut gemacht“ erinnert an Gen 1: „und siehe, es war sehr gut“. Die Formulierung trägt Schöpfungsklang.
Geschichte der Betrachtungen
Auch zu dieser Geschichte gibt es schon eine Reihe wichtiger Betrachtungen.
Ich verweise hier nur auf Hebräisch für die Heiden .
Gerade diese Geschichte braucht ihren Kontext. Jesu Weg von der Syrophönizierin über das Gebiet von Tyrus und Sidon ins Gebiet der zehn Städte, die ebenfalls heidnisch waren.
Die Geschichte ist mir immer wieder neu, weil sie mich in immer anderen Lebensbegegnungen antrifft – so auch heute.
Heute geht es um das Verborgen-Sein.
Verborgenheit
Es ist ein langer Weg von dem Haus, ganz im dunklen Norden.
Das Wort für Norden ist צָפוֹן (Zafon). Die Wurzel des Wortes hat die Bedeutung von Verbergen, Verstecken, verborgen halten. Der Norden wird auch als Quelle von Gefahr gesehen.
Was ist auf dem Weg geschehen?
Keine Heilungen? Keine Lehre? Keine Berührungen?
Es ist verborgen.
So wie die Heilung des Taubstummen verborgen bleiben sollte.
Und nur diese kleine Begebenheit auf dem langen Weg leuchtet nun wie die Stadt auf dem Berg.
Gerade nicht, weil Jesu sie auf dem Berg getan hat.
Sondern, weil das Licht nicht dauerhaft und vollständig verborgen bleiben kann.
Kleines Erleben
Gestern habe ich es bei einem Besuch erlebt.
Ein bestimmtes Licht, eine positive Begebenheit kam mir zu Ohren, mit der ich etwas zu tun hatte.
Aber es war wichtig, dazu zu schweigen. Der Segen spricht eine sichtbare Sprache in der unsichtbaren Welt – dazu muss er oft (nicht immer) vor Menschen verborgen bleiben. Wie das Saatkorn im Dunklen keimt, aber das Licht sucht, wenn es weiter wächst.
Wie oft wollen wir Menschen unser Licht selbst auf den Scheffel stellen – ich auch. Aber auf dem Weg zur Speisung der Viertausend geschehen vielleicht hunderte verborgene Segenstaten Jesu – die die Welt nicht kennt.
Auf meine Schreibtisch liegt das Buch von Lucie Christine „Geistliches Tagebuch“. Der große Romano Guardini hat es übersetzt. Es kommt ganz aus der Verborgenheit einer Frau, die in der Welt lebte – aber nicht von dieser Welt gefangen war, sondern aus einer anderen Quelle trank. Ganz verborgen und doch überaus bedeutsam.
Jesus sucht nicht die Öffentlichkeit
Aber Er stellt sich ihr, wenn die Zeit es von Ihm verlangt. Im Plan für die Lesung der Werktage fällt die Speisung der Viertausend aus, weil es ein Gedenktag ist.
Darum der Hinweis: Der Jammer um die Menschen leitet den Weg Jesu. Darin ist er ein Hörender auf den Vater, darin ist die Resonanz des Herzens. Das geschieht ganz unabhängig von der Sichtbarkeit.
Zumeist ohne sichtbaren Glanz, zuweilen wie eine Fackel auf dem Berg.
Aber Sichtbarkeit ist kein Ziel selbst, eher im Gegenteil.
Es ist die barmherzige Liebe in der konkreten Situation, die Vater und Sohn – und Welt verbinden.