Mo 16.02.2026
Mk 8:11-13 Die Zeichenforderung der Pharisäer
Der Text
Aus dem Urtext:
11 Und die Pharisäer kamen heraus und begannen, mit Ihm zu disputieren, indem sie von Ihm ein Zeichen vom Himmel suchten, um Ihn zu versuchen.
12 Und Er seufzte tief in Seinem Geist und sagt: Warum sucht dieses Geschlecht ein Zeichen? Amen, ich sage euch: Wenn diesem Geschlecht ein Zeichen gegeben werden wird …
13 Und Er ließ sie, stieg wieder in das Boot und ging hinüber ans andere Ufer.
Gibt es diesen Text?
Der Text schlug mir gestern entgegen, als wenn ich ihn noch nie gelesen hätte und als wenn es ihn gar nicht geben könnte. Lese ich ihn das erste Mal?
Ich habe nachgeschaut, wie ich in den vergangenen Jahren damit habe umgehen können. Es gibt mindestens drei Andachten dazu, „Ölpresse“, „Vorurteil“ und „Nicht so, wie du es willst“.
Immer habe ich einen Rest Optimismus gesucht und proklamiert.
Ein abgebrochener Satz
In meiner Luther-Bibel ist der letzte Satz in Vers 12: „Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden.“
Das trifft, was gemeint ist – aber im Original ist es anders ausgedrückt:
„Wenn diesem Geschlecht ein Zeichen gegeben werden wird …“
Es ist ein abgebrochener Satz!
Typisch für eine semitische Schwurformel, es gibt am Ende das nicht ausgesprochene.
Jesus kommt zu jedem
Der Zusammenhang der Geschichte zeigt, dass Jesus nur für dieses Geschehen über den See nach Dalmanoutha (wohl Magdala) gekommen ist – und nichts weiter als dieses Scheitern, diesen Abbruch erlebte. Dann fuhr Er mit den Jüngern direkt wieder ab.
Es ist die Begegnung mit der Verlorenheit.
Ich spüre heute, dass ich das auch eine Weile aushalten muss.
Halte inne in dieser Finsternis – und suche nicht sofort einen theologischen Fluchtweg.
Eine geistige Generation verläuft sich in Disputation – und damit in die Trennung von Gott.
Zur Würde des Menschen gehört auch: Er kann entscheiden, in sich zu bleiben. In seiner intellektuellen Welt zu verharren und sich dort endgültig vom eigentlichen Leben zu lösen.
Die Entscheidungen der Menschen bedeuten mehr, entsetzlich viel mehr, als ich gern wahrhaben möchte.
Disputieren
Das Eigentliche geschieht nicht im Verstand – es geschieht im Herzen.
Solange ich Herr meiner selbst bleiben will, werde ich auch Knecht meiner Selbst sein. Wenn ich mein Denken – aber auch mein Fühlen – zu meinem Gott mache, wird es keinen Ort für den Gott des Himmels in mir geben.
Dann steigt Jesus in das Boot und fährt ohne mich ans andere Ufer.
Ich bleibe allein am Baum der Erkenntnis, der auch der Baum der Disputation ist.
Denn eigentlich muss ich nicht wissen, was Gut und Böse ist.
Es würde reichen, zu wissen, was gut ist.
Und es wäre ein Ausdruck von Weisheit, der Botschaft nachzugehen, dass ich das Gute nur bei einem Guten finden kann, bei Dem Guten.
Der Gute, der nichts als Gut ist, in dem keine Dunkelheit zu finden ist.
Ich will das Böse nicht kennen und nicht erkennen.
Sondern nur Dich, der Du mich mehr durch Dein Vorangehen lehrst, als durch alle Worte.
Worte geben Raum für das Gewissen, wie ich Samstag geschrieben habe.
Aber das Gewissen wird immer weniger wichtig, wenn ich ganz zu Hause bin. Es ist nur ein Briefkasten für die Post Gottes.
Im Heimathaus schreibt man sich keine Briefe mehr – man schaut einander an und folgt den Händen des Herren.