Sehe ich die Sterne?

Do 19.02.2026

Lk 9:22-25 Jesu Leiden; Nachfolge

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext:

22 Er sagte aber: Der Menschensohn muss vieles leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tag auferweckt werden.

23 Er sagte aber zu allen: Wenn jemand Mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz täglich auf und folge Mir nach.

24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um Meinetwillen verliert, der wird es retten.

25 Denn was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, sich selbst aber verliert oder Schaden an sich nimmt?

Was will ich?

Kann ich denn wollen, mich selbst zu verlieren, oder Schaden zu nehmen?

Offenbar gibt es ein Wollen, das so nahe ist, dass es den fernen Schaden ignoriert. Das Wollen des täglichen Wohlergehens, das Wollen der Selbstbestimmung.

In der Lesung aus dem Ersten Bund (5. Mo 30:15-20) legt Mose Israel Leben und Glück vor, oder Tod und Unglück. Eine Verheißung für das Land jenseits des Jordans. Wie schon der Volksmund sagt, ist das „über den Jordan gehen“ ein Bild für das Sterben.

Wie kann sich denn ein Volk gegen das Leben und das Glück entscheiden?

Es kann.

Und ich kann es auch.

Überraschende Lesung

Die Lesung heute beginnt mit Vers 22. In meiner Luther-Bibel ist das unter einer anderen Überschrift, der neue Sinnzusammenhang für die Nachfolge fängt mit Vers 23 an.

Die Überschrift davor ist: „Erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehen“.

Das steht deshalb da, weil es drei dieser Ankündigungen gibt.

Und bei der letzten heißt es immer noch: Die Jünger aber „begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war“ (Lk 18:34).

Bin ich schlauer?

Israel hat den Geboten Gottes gehorcht – aber doch oft auch nicht. Trotz dieser klaren Verheißungen.

Mir scheint es klar, was Jesus mit den Ankündigungen von Leid und Auferstehung meint.

Wirklich?

Dringen die klaren Worte Jesu bis ins Tiefste meines Herzens ein? Vertraue ich dem Zeugnis der Kirche, der Bibel – und auch meines inneren Wissens, dass dies alles wahr ist?

Ich weiß, es ist wahr – lebe ich so?

Der pure Glaube, dass es wahr ist, hat weder Israel bewahrt noch wird es mich retten – wenn ich nicht danach lebe.

Ich weiß, es gibt die Sterne

Aber zum Beispiel heute sehe ich sie nicht.

Und im Lichte des Alltags sehe ich sie auch nicht.

Alles Mögliche kommt mir wichtiger vor als die Majestät der Sterne und ihr Zeugnis von der Größe Gottes.

Eigentlich ist all das nur dringender – aber nicht wahrhaft wichtiger.

Meine Heimat als Teil des gewaltigen Reiches der Himmel zu erkennen, geschieht in der Nacht.
Als Abraham vor dem Zweifel stand, rief Gott ihn vor das Zelt seines Alltags. Und Er zeigte ihm die Sterne. So zahlreich werden deine Nachkommen sein.

Und Abraham verwahrte diesen Glauben durch all die Ablenkungen und so nahen Dinge des Alltags hindurch.

Augen der Nacht

Es dauert eine Weile, bis die Sterne der Nacht ihre Herrlichkeit offenbaren. Und es ist nicht in meiner Hand, wann die Wolken aufreißen.

Aber es ist in meiner Hand, danach zu suchen.

Das Zelt meiner Geschäftigkeit zu verlassen und mich danach auszustrecken, das ins Herz zu lassen, was mein Geist, mein Gewissen schon lange weiß.

Denn die Logik überwindet mein Herz nicht – es ist allein die vertraute Gemeinschaft mit Dir und darum suche ich Dich in der Nacht.

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