Fr 20.02.2026
Mt 9:14-15 Vom Fasten
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext:
14 Dann kommen die Jünger des Johannes zu Ihm und sagen: Warum fasten wir und die Pharisäer, Deine Jünger aber fasten nicht?
15 Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Söhne des Brautgemachs trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen wird, und dann werden sie fasten.
Anmerkungen zum Griechischen:
– „Söhne des Brautgemachs“ (οἱ υἱοὶ τοῦ νυμφῶνος, hoi hyioi tou nymphōnos): wörtlich. Gemeint sind die Hochzeitsgäste, die zur Feier gehören. Das Bild ist festlich, nicht asketisch.
Fasten als Zweck
Vielleicht um den Körper zu reinigen, was heute ein großes Thema ist.
Aber auch um Gewicht zu verlieren und die Lässigkeit des übrigen Jahres zu korrigieren.
Oder ein Fasten von Bindungen und gewissen Abhängigkeiten spielt bei vielen eine Rolle, auch bei mir.
Anders ist das Fasten in der Bibel.
Dort hat Fasten mit Umkehr zu tun (Joel 2,12; Jona), mit Schuld (1. Sam 7,6) oder mir Krisen und Gericht (Esther 4).
Hier ist der Zweckgedanke schwächer, und eigentlich geht es schon um eine geistige Nähe zu Gott, die darin ausgedrückt wird.
Das Fasten in dem Textabschnitt heute ist jedoch anders.
Die Blase des Herzens
Darüber sprach ich Vorgestern Die Blase des Herzens.
Spürt mein Herz eigentlich, ob es eine Zeit der Nähe Jesu ist, oder nicht?
Nicht nur für mich selbst, auch für mein Haus, meine Kirche, mein Land – die Welt?
Würde ich es mitbekommen, wenn Jesus „weggenommen wird“?
Oft habe ich mich gefragt, ob jetzt die Zeit zum Fasten ist.
Und ja, die Ordnung der Kirche will es so, und das hat Bedeutung.
Seit Mittwoch ist Fastenzeit.
Aber ist das alles?
Israel
Ich sehe mich als Sohn des Brautgemachs. Weniger als Braut, denn als Freund der Braut.
Die Braut ist offenbar Israel.
Ob das theologisch vollständig ist, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass dieser Aspekt des Textes zumeist nicht beachtet wird. Darum hebe ich ihn hervor.
Als Jesus, wie auch immer, von den Juden weggenommen wurde, fingen Jahrhunderte des Leidens für dieses Volk Gottes an. In gewisser Weise ein Erleben von Fasten, wenn auch ungewählt.
Ich betrachte die Bilder von den jungen gefallenen Israelis und spüre in mir die Trauer, die dem Fasten ähnlich sein könnte, das ich in diesem Text höre.
Immer noch ist Israel in einer Distanz zu seinem Messias. Und wenn es den Juden heute vielleicht auch besser geht als in vielen anderen Zeiten – der Bräutigam fehlt ihnen.
Ein Riss in der Blase
Ich will nicht fasten, um etwas zu spüren, ich will den Schmerz Jesu um Sein Volk spüren – und darin fasten.
Nicht mir ist Jesus genommen – ihnen.
Spüre ich ihr Leid?
Denn sie leiden – und wissen oft nicht, warum.
Als ich bei Orna und ihrem Mann in Shave Tsion saß und sie mir von der Ausweglosigkeit der Situation ihres Landes berichteten, spürte ich diesen Schmerz. Der Bräutigam ist ihnen genommen, und sie wissen nicht, wofür sie leiden, so ging es mir durch den Sinn.
Vorsicht
Ich vermute, dass die Kirche denkt, Israel müsse sich zu ihr bekehren.
Aber damit würde Israel seine Identität verlieren – und das soll nicht geschehen.
In einem gewissen Sinn, so scheint mir, muss sich die Kirche zu Israel „bekehren“, zu dem Volk ihres Königs, damit auf einer anderen Ebene Gemeinschaft entsteht.
Es ist diffizil und ich schaue wie durch einen Nebel und sehe nur Schatten. Aber ich will nicht leugnen, was ich sehe, nur weil ich nicht „weiß“.
Dafür halte ich die Blase meines Herzens hin und will sie verletzen lassen, dass dann mein Fasten ein Ausdruck meines Schmerzes um Israel und seinen Messias sei.