Sa 21.02.2026 🇮🇱 Israelstand
Lk 5:27–32
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext:
27 Und danach ging Er hinaus und sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zoll sitzen, und Er sagte zu ihm: Folge Mir.
28 Und er verließ alles, stand auf und folgte Ihm.
29 Und Levi machte Ihm ein großes Mahl in seinem Haus; und es war eine große Menge von Zöllnern und anderen, die mit ihnen zu Tisch lagen.
30 Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten gegen Seine Jünger und sagten: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern?
31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken.
32 Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr.
Peschitta:
„Zöllner“: makkasā – der Einnehmer, einer, der nimmt. Im Kontrast zur Berufung.
Der Vorhang zwischen Gott und Mensch
Gestern war ein Thema der Thora-Lesung der Parochet פָּרֹכֶת, der Vorhang zwischen dem Allerheiligsten und dem Heiligen.
Erstaunlicherweise aus Stoff – keine Wand.
Schon dort setzt sich Gott, der ganz Heilige, in eine große Nähe zu Menschen. Es ist, als wenn Er direkt hinter dem Vorhang wartet. Ein zugleich von Nähe und doch deutlichem Unterschied.
Der Heilige will die Welt, Er ist gegenwärtig – aber nicht verfügbar.
Warum will so ein Heiliger Gott solch einem Risiko der Verunreinigung nahe sein, kaum geschützt, ohne Wächter und Mauer?
Keim oder Verfall
Auf einem Komposthaufen vermodern die biologischen Abfälle.
Welche Kraft, welcher Schutz steckt in einem Keim, der direkt auf dem Komposthaufen nicht vermodert, sondern gedeiht.
Was steckt in den Schneeglöckchen, die vor unserem Haus schon im Schnee ihre kleinen weißen Spitzen zeigen. Oder in der Christrose, direkt im Winter.
Wer sich retten will
Die Frommen der Zeit wollen sich retten. Gott aber will sich verströmen. Er verschwendet sich selbst an die Menschen.
Selbst sein letztes Gewand, eine Art Parochet, heiliger Vorhang zu Seinem Leib, wird Ihm vor dem Kreuz genommen. Nackt und bloß breitet Er die Arme aus – hin zu Seiner Welt.
Levi, vielleicht aus dem Stamme Levi, dem Stamm der Erstlinge, war ein „Einnehmer“. Er nahm von seinem Volk, statt für sein Volk zu geben. Der Kontakt zum Heiligen war zu schwach geworden und er war auf der Seite des Vermoderns, nicht des Keimens.
Aber ein Ruf Jesu ist wie im Anfang: Er schafft eine neue Wirklichkeit.
Zwar kann ich sitzen bleiben – aber ich brauche keine eigene Kraft, um zu folgen. Ich muss mich nur umdrehen, und vom Nehmer zu Geber werden.
Darum „musste“ Levi auch als Erstes ein Festessen geben. Er muss geben, geben, geben – wie ein trockener Schwamm saugt er das neue Leben auf, ein überfließendes, gebendes Leben.
Wer sich retten will, indem er das Leben packen und haben will, wird niemals satt. Darum braucht er mehr und mehr. Auch mehr „Heiligkeit“ kann dazu gehören.
Leben ist Überfluss von woanders her.
Überfluss, das dem Überfließenden zufließt – und er weiß nicht wie.
Denn er ist selbst ein Überfließender für Andere und hat kaum Raum, an seinen eigenen Zufluss zu denken.
Kipppunkt
In gewisser Weise gibt es beides zugleich. Die Quelle von dem, der überfließt, ist nicht er selbst und nicht der andere.
Sondern das Allerheiligste selbst.
Will ich ein Überfließender werden, muss ich die eigentliche Quelle suchen. Unbedingt eine Quelle und nicht ein Wassergefäß.
Die Quelle erkenne ich an ihrem Überfluss – sie macht mich überfließend, oder es ist keine Quelle.
Die Frau am Jakobsbrunnen sollte zuerst Jesus aus dem Brunnen zu trinken geben. Nicht zuerst selbst trinken.
Denn indem sie gibt, wird sie von der lebendigen Quelle empfangen, die Jesus selbst ist.
Dann werde ich das Unheilige heiligen und nicht von Unheiligen entheiligt werden.