Zehn Gerechte

Mo 23.02.2026

Mt 25:31-46 Das Weltgericht

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext:

31 Wenn aber der Menschensohn in Seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit Ihm, dann wird Er sich auf den Thron Seiner Herrlichkeit setzen.

32 Und vor Ihm werden alle Völker versammelt werden, und Er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.

33 Und Er wird die Schafe zu Seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.

34 Dann wird der König denen zu Seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete Meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an.

35 Denn Ich war hungrig, und ihr habt Mir zu essen gegeben; Ich war durstig, und ihr habt Mir zu trinken gegeben; Ich war fremd, und ihr habt Mich aufgenommen;

36 nackt, und ihr habt Mich bekleidet; Ich war krank, und ihr habt Mich besucht; Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu Mir gekommen.

37 Dann werden Ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann sahen wir Dich hungrig und speisten Dich oder durstig und gaben Dir zu trinken?

38 Wann aber sahen wir Dich als Fremden und nahmen Dich auf oder nackt und bekleideten Dich?

39 Wann aber sahen wir Dich krank oder im Gefängnis und kamen zu Dir?

40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Amen, Ich sage euch: Was ihr einem dieser Meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr Mir getan.

41 Dann wird Er auch zu denen zur Linken sagen: Geht weg von Mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.

42 Denn Ich war hungrig, und ihr habt Mir nicht zu essen gegeben; Ich war durstig, und ihr habt Mir nicht zu trinken gegeben;

43 Ich war fremd, und ihr habt Mich nicht aufgenommen; nackt, und ihr habt Mich nicht bekleidet; krank und im Gefängnis, und ihr habt Mich nicht besucht.

44 Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir Dich hungrig oder durstig oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und dienten Dir nicht?

45 Dann wird Er ihnen antworten und sagen: Amen, Ich sage euch: Was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch Mir nicht getan.

46 Und diese werden hingehen in die ewige Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch):

– „Menschensohn“ wird mit bar enasha wiedergegeben. Der Ausdruck betont die menschliche Gestalt stärker als die apokalyptische Titelfunktion.

– „Gesegnete Meines Vaters“: mbarche d’Avi – die Zugehörigkeit zum Vater steht klar im Genitivverhältnis.

– „Meine geringsten Brüder“: achai z‘ure – „klein“ meint wörtlich die Kleinen, Geringen, sozial Niedrigen.

– „Ewige Strafe“ und „ewiges Leben“: chaye d‘alam / din d‘alam – „Weltzeit“ (ʿalam) trägt den Sinn von Zeitalter und Ewigkeit zugleich.

Die letzten Worte

Es ist das große Schlusswort Jesu. Danach beginnt die Passion. Die Bedeutung dieses Abschnittes kann nicht überschätzt werden.

Und es ist klar von Werken die Rede. Genau wie in dem Abschnitt davor, als von den anvertrauten Zentnern gesprochen wurde.

Viel habe ich darüber schon geschrieben. Was ist heute wichtig?

Wann haben wir Dich hungrig gesehen?

Wer „um Jesu willen“ handelt, ist hier nicht gemeint. Sondern es ist eine Offenbarung der Frucht des Herzens.

Wessen linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, der ist gemeint. Wer liebt, ohne sich Liebe vorzunehmen, ist gemeint.

Aber es ist wohl der, dessen Liebe Frucht seines Lebens ist. Die gereifte Liebe, die nicht nur angeborene Warmherzigkeit ist, denn sonst gäbe es darüber kein Gericht.

Und diese Liebe entscheidet über das Volk, zu dem ich gehöre.

So wie die zehn Gerechten, die Sodom gerettet hätten, hätte Gott sie denn in Sodom gefunden.

Jesus am Israelstand

Am Samstag kam Jesus an unseren Israelstand. Mindestens viermal war Er da, vielleicht öfter.

Und Er hat mir vor Augen geführt, wie viel ich noch nachreifen muss.

Dass ich Ihn nicht erkannt habe, ist ok. Aber dass meine Geduld, meine Konzentration, meine Zuwendung innerlich an dumpfe Grenzen gestoßen ist, offenbarte mir danach schmerzhaft, wo ich noch stehe.

Unser Stand ist mehr und mehr zu einem Ort des Zuhörens und einer Art „Besuchen im Gefängnis“ geworden. Menschen, die vermutlich kaum jemanden zum Erzählen haben, kommen und reden. Und sie reden lange.

Und nun?

Wie werde ich ein anderer?

Wie „reife ich nach“?

Ich lerne an so einem Markttag viel. Das ist wunderbar. Hatte ich früher noch zumeist eine inhaltliche Absicht, wandelt sich diese in eine Bereitschaft für das, was ich gestern mit „Schalom“ beschrieben habe.

Ich suche den Schalom mit den Menschen. So wie die Menschen mir arm, nackt und bloß entgegenkommen, und viele in ihren inneren Gefängnissen, so will ich ihnen auch entgegenkommen – ihnen in Frieden nahe sein.

Als lebendiges Wort ohne Worte, nur als zugewandte Person.

Ich will noch mehr lassen, was sich zuvor als „Zweck“ in den Vordergrund gestellt hatte. Der Schalom eines Menschen erfreut den Himmel mehr als tausend kalte Wahrheiten.

Es ist wie das Verlassen meiner je eigenen Welt. Eine Welt der eigenen Wahrheiten und der mehr oder weniger lauten Selbstverteidigung.

Ende der leisen Rebellion

Ich erinnere mich an meine Gedanken zur Rebellion.

Das Reich Gottes erreiche ich weniger durch Anstrengung – sondern durch Mut. Auch wenn Mut sich zuweilen wie Anstrengung anfühlt.

Aber der Mut wendet sein Angesicht dem zu, was wahr und gut ist, dem Antlitz des Anderen (siehe Levinas).

Das hebräische Wort für „Angesicht“ ist פָּנִים (paním). Es hat einen ungewöhnlich weiten Bedeutungsraum. Gesicht, Antlitz, Gegenwart, Präsenz, Hinwendung, als Raum und anderes. Und es ist immer ein Plural – und doch ganz eindeutig.

Und nun:

Die Begegnung mit dem Antlitz des Anderen wird mich zu einem anderen machen. Reifung geschieht durch „Anwendung der Zuwendung“.
Durch das mutige Einlassen auf dich, mein Freund.

Ich erinnere mich oft an die bekannte Geschichte von Don Bosco:

Don Bosco sammelte Spenden für seine Straßenjungen in Turin. Ein wohlhabender Mann reagierte verächtlich und spuckte ihm ins Gesicht. Don Bosco wischte sich ruhig ab und sagte sinngemäß:

„Das war für mich.

Jetzt geben Sie bitte noch etwas für meine Jungen.“

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