So 01.03.2026 Tibi Dixit → Ps 27,8
Mt 17:1-9 Die Verklärung Jesu
Der Text
Aus dem Urtext.
1 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, mit sich und führt sie auf einen hohen Berg für sich allein.
2 Und Er wurde vor ihnen verwandelt; und Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, Seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht.
3 Und siehe, Mose und Elija erschienen ihnen und redeten mit Ihm.
4 Petrus aber begann und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind; wenn Du willst, will ich hier drei Hütten machen: Dir eine und Mose eine und Elija eine.
5 Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dieser ist Mein geliebter Sohn, an Dem Ich Wohlgefallen gefunden habe; hört auf Ihn!
6 Und als die Jünger das hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr.
7 Und Jesus trat herzu, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!
8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand außer Jesus allein.
9 Und als sie vom Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: Sagt niemand die Vision, bis der Menschensohn aus den Toten auferstanden ist.
Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch):
– „lichte Wolke“: Das aramäische Wort für „Wolke“ knüpft an die Schechina-Tradition an (Gegenwart Gottes in der Wolke; vgl. Ex 24; 40). Der Gedanke der „Überschattung“ erinnert sprachlich an Lk 1,35 (σκιάσει), in der Peschitta ebenfalls mit dem Verb für „überschatten, bedecken“.
Tibi Dixit ist die Eröffnung des heutigen, 2. Fastensonntages. Er stammt aus Ps 27,8: „Zu Dir sprach mein Herz: Dein Angesicht suche ich.“
Nicht über alles gilt es zu sprechen
Mein Herz ist sehr beschäftigt mit dem, was ich gestern Abend erlebt habe. Inhaltlich soll es verborgen bleiben. Aber es hat mir großes Leid nahegebracht und manches heute stammt daraus.
Auch in dem Abschnitt heute geht es um ein Maß zwischen Verborgenheit und Sichtbarkeit. Jesus geht mit Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg. Und es heißt ausdrücklich: allein, allein auf einen hohen Berg.
Einen Berg, den viele nicht besteigen wollen.
Den Berg der Nähe Gottes, den der Alltag und das Tal des Lebens nicht bereit halten.
Hinter dem Vorhang
Der übliche Vorhang ist meine Geschäftigkeit in der Welt, im Alltag. Das bestimmt sein von den Anforderungen und Üblichkeiten der Umgebung, das, was sich überaus normal anfühlt.
Aber das ist nur die Geschichte, die Geschichte, in der ein dünner Faden hinein gewoben ist. Der Faden, aus dem der Teppich des Reiches Gottes besteht. Und der ist viel größer, als ich es mir vorstellen kann.
Gott geht es weniger um unser übliches Leben – das auch. Es geht Ihm um das, was aus dem Leben herausreift zu ewigem Leben.
Fehlt das, geschehen zuweilen schwere, ja schier unerträgliche Dinge, wie ich sie gestern erfahren habe. Lebenswege, in denen Gott scheinbar fehlt oder irgendwie grausam erscheint.
Bei manchen Menschen ist das eigene Erleben und die Wirklichkeit der Welt so verschieden, dass der Mangel an Gott zum Himmel schreit.
Das Lebensgebäude hängt so schräg in der Luft, dass es mit großem Schmerz nach Halt schreit – und doch nicht findet.
Jeder braucht ein Wozu
Geliebt zu werden, reicht nicht.
Viele denken das – ich aber sage: Das ist nicht genug, wenn es nichts weiter gibt. Die Liebe genügt sich nicht selbst.
Die Würde des Menschen braucht einen eigenen Akt, siehe Wecke meine Würde. Also eine Wirksamkeit, die Anteil an der Schöpfung hat, die in gewisser Weise Teilhabe des Schöpfers selbst ist. Wesensverwandt mit Gott. Selbst liebesfähig und liebend.
Das Erleben von Fehlbelastung führt zur Überforderung mit vielerlei Folgen, teils schlimmen Folgen. Die Lösung ist nicht allein die Entlastung, sondern das Eintreten in die rechte Last, den je eigenen Akt, die Teilhabe an Gott.
Das ist so bedeutungsschwer, dass darum Jesus selbst es so lebt. Er ist nicht der Schöpfer in den fernen Himmeln.
Er ist der Schöpfer, der in Seiner Schöpfung den gleichen Weg geht, den zu gehen Er den Menschen würdig gemacht hat. Eine Würde in der Welt – bis hin zur Würde in den Himmeln.
Mose und Elia
Das Leben des Mose war ein schweres Leben. Er schrie unter der Last des Volkes und konnte es letztlich nicht ins gelobte Land begleiten.
Aber aus Mose wurde ein Mann Gottes.
So sehr, dass er nun neben Jesus steht und zu Ihm spricht. Es heißt nicht, dass Jesus ihm etwas sagte, sondern Mose und Elia sprechen mit Ihm. Von Lukas wissen wir auch, was sie mit Ihm besprachen.
Gott macht Menschen zu Freunden, wie es Jesus ausdrücklich zu Seinen Jüngern sagt. Nicht alle Menschen – solche, die mit Ihm „auf den Berg“ gehen. Nicht nur den Berg aus diesem Evangelium.
Aber ein Berg heraus aus dem Alltag, in große Einsamkeit und hohe Höhen. Dort treffen sie zusammen. Der Vater, der Sohn und die Schechina (der Geist). Aber sie verbinden sich dort mit Menschen, Mose und Elia; Petrus, Jakobus und Johannes.
Die Herrlichkeit des Schöpfers erscheint in der Würde des Menschen.