Das Herz geben

Mo 02.03.2026

Lk 6:36-38 Von der Stellung zum Nächsten

Der Text

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

37 Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; und verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Lasst frei, und ihr werdet freigelassen werden.

38 Gebt, und es wird euch gegeben werden: ein gutes, gedrücktes, geschütteltes, überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben. Denn mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch):

– „barmherzig“: syrisch (raḥmānā), von der Wurzel r-ḥ-m, verwandt mit „Erbarmen“ und „Mutterschoß“; betont das erbarmende Herz.

– „in euren Schoß“: (ʿūbā) = Gewandbausch; konkret das aufgehaltene Obergewand als Maßtasche.

Ebenen

Ich erkenne Ebenen.

Gestern wurden wir gastfreundlich behandelt. So, dass wir uns als materielle Teilnehmer des Mittagessens akzeptiert fühlten.

Das ist schön, und dafür gilt auch: Der Gastgeber wird nicht nur in dem Maße zurück erhalten, in dem er gibt – sondern auch der Vater im Himmel wird mehr hinzugeben, als zu erwarten wäre. Es ist nicht „eine Hand wäscht die andere“, es ist mehr.

Das Geben des Ohres

Besonders meine Frau hat etwas anderes gegeben. Sie hat ihr Ohr geöffnet und lange Geschichten gehört.

Ich staune immer, dass Christen so gern erzählen. Viel und lange. Es ist wie ein Hunger danach, gehört zu werden. Aber auf Dauer verschließen sie damit die Tore des Himmels, denn sie sind es, die viel auf Erden empfangen haben.

Der Hörende ist der Geber und ich weiß, dass meine Frau viel, sehr viel empfangen wird für all das Geben ihres Ohres und ihres Herzens. Auch an all die, die sich für frommer halten als sie.

Das Geben des Herzens

Menschen, die zu mir kommen, denen gebe ich oft mein Herz.

Aber das sind auch keine Feinde, keine Skeptiker, keine Besserwisser.

Wie steht es um mein Herz für die, die mich ablehnen?

Für die, die nichts hören wollen?

Für die, die mich bekehren wollen?

Sei es in einer Gemeinde, sei es auf dem Israel-Stand, sei es an Orten, die ich unbewusst meide, weil ich genau diese Ablehnung vermeiden will.

Mein Weg

Als ich jung war, habe ich meine christlichen Wurzeln gering geachtet. Stattdessen habe ich an anderen Orten nach Quellen gesucht, speziell im Zen-Buddhismus. Einem Ort, an dem kein Gott von mir Gehorsam und Liebe erbittet, sondern ein Ort der Technik, an dem ich ich selbst bleibe, mich selbst verbessere.

Wie viele Vorurteile, wie viel Anlehnung habe ich gehabt. Auch als ich dann Christ wurde. Ich habe die katholischen schief angesehen und noch mehr die fremden Orthodoxen.

Voller Geduld und Gnade hast Du mich in die Weite Deines Hauses geführt, Herr Jesus.
Darf ich nun die, die diese Weite nicht kennen, wie von außen her ansehen? Darf ich sie einfach stehen lassen?

Du hast mich nicht „gelassen“.

Dein Haus ist immer das ganze Haus. Auch wenn manche in deinem Haus ihre eigene kleine Burg bauen.

Barmherzigkeit

Ich suche gern „das je größere“. Genau wie die Jesuiten. Sie suchen allerdings die je größere Ehre Gottes.

Auf dem Weg zum je Größeren, z. B. der Feindesliebe, bin ich in Gefahr, das zu übersehen, was auf dem Weg unbedingt dazu gehört.

Die schlichte Barmherzigkeit.

Die einfache Geduld.

Das Geben in einen Schlund, der unersättlich scheint.

Sowohl in der Bergpredigt als auch in dieser Predigt vom Feld kommt die Barmherzigkeit erst nach der Feindesliebe.

Ich habe mich gewundert.

Der Geist stürmt schnell hoch hinaus – Du aber bist Fleisch geworden, ganz Mensch. Dass Du mit den einfachen Menschen Brot essen kannst und ohne Theologie schlichte, warme Barmherzigkeit lebst.

Ich habe da ein wunderbares Vorbild in meinem Haus.

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