Sa 07.03.2026 🇮🇱 Israelstand auf dem Markt
Lk 15:1-3, 11-32 Die Brüder und der Vater
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext.
1 Es nahten sich aber zu Ihm alle Zöllner und Sünder, um Ihn zu hören.
2 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sagten: Dieser nimmt Sünder an und isst mit ihnen.
3 Er aber sagte zu ihnen dieses Gleichnis und sprach:
11 Ein Mensch hatte zwei Söhne.
12 Und der jüngere von ihnen sprach zum Vater: Vater, gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt. Und Er teilte ihnen das Leben.
13 Und nach nicht vielen Tagen sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste in ein fernes Land, und dort zerstreute er sein Vermögen, indem er verschwenderisch lebte.
14 Als er aber alles verbraucht hatte, entstand eine starke Hungersnot in jenem Land, und er begann Mangel zu leiden.
15 Und er ging hin und hängte sich an einen der Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seine Felder, um Schweine zu hüten.
16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen von den Schoten, die die Schweine fraßen, und niemand gab ihm.
17 Als er aber zu sich selbst kam, sagte er: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um.
18 Ich will aufstehen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.
19 Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn genannt zu werden; mache mich wie einen deiner Tagelöhner.
20 Und er stand auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und wurde innerlich bewegt, und er lief, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
21 Der Sohn aber sagte zu Ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn genannt zu werden.
22 Der Vater aber sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das erste Gewand heraus und zieht es ihm an, und gebt einen Ring an seine Hand und Sandalen an seine Füße.
23 Und bringt das gemästete Kalb, schlachtet es, und lasst uns essen und uns freuen.
24 Denn dieser mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und wurde gefunden. Und sie begannen sich zu freuen.
25 Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld; und als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Reigentanz.
26 Und er rief einen der Knechte zu sich und erkundigte sich, was das sei.
27 Der aber sagte zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederbekommen hat.
28 Er aber wurde zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm zu.
29 Er aber antwortete und sagte zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir, und niemals habe ich dein Gebot übertreten, und mir hast du niemals einen Ziegenbock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich wäre.
30 Als aber dieser dein Sohn kam, der dein Leben mit Huren verschlungen hat, hast du für ihn das gemästete Kalb geschlachtet.
31 Er aber sprach zu ihm: Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist dein.
32 Man musste aber fröhlich sein und sich freuen; denn dieser dein Bruder war tot und lebt, und er war verloren und wurde gefunden.
Lesung
Diese Lesung beginnt mit den Versen 1–3 und springt erst dann zu der Geschichte, die so bekannt und bewegend ist, und die „Geschichte vom verlorenen Sohn“ genannt wird.
Die Intentionen Jesu sind sicher vielfältig, aber dass Er dies explizit zu den Pharisäern und Schriftgelehrten sagt, soll heute mein Thema sein.
Es ist ein alter Konflikt. Er spielt schon bei Kain und Abel eine Rolle, bei Jakob und Esau und bei Josef und seinen Brüdern.
Und es passt zu unserem Israel-Stand heute auf dem Markt.
Dreiecksverhältnis
Alle sind Kinder Gottes. Und nach dem Sündenfall in einen neuen Bund mit Noah, auch wir. Aber doch ist Israel Gottes Erstling.
Immer wieder wird dieser Punkt betont. Israel ist die geliebte Erstgeburt, das Volk, das zuerst ganz Gott gehören sollte und soll.
Die Geschichte der Kirche beginnt eher am Rande, weniger als großer Plan Gottes sondern als „doch auch dazu kommend“. Auch wenn es in Gottes Herzen schon immer so sein sollte.
Ich sehe nicht, dass unser Text heute in Gänze eine Parabel ist, aber er zeigt einen Kern.
Wer bin ich vor Gott, gerade im Verhältnis zum Bruder? Werde ich wirklich geliebt?
Aber auch: Gönnen.
Gönne ich dem Anderen, dem Bruder, die Liebe des Vaters? Die offenbar besondere Liebe.
Israel und die Kirche
So gibt es auch das Dreiecksverhältnis Kirche, Israel und Gott.
Ich empfinde es sogar als Verhältnis Welt, Israel und Gott.
Aber geht es denn nicht darum, dass der Erstgeborene (Israel) das Problem mit der Gnade des Vaters für den jüngeren Sohn hat?
Mir scheint, historisch war es so.
Zur Zeit Jesu und in der frühen Kirche.
Nicht nur die Kirche hat sich damals von Juden distanziert – auch die Juden haben sich aktiv und feindselig von der jungen Kirche distanziert.
Aber die Rollen haben sich getaucht.
Israel kennt seinen Messias nicht – aber offenbar liebt Gott dieses Volk immer noch. Immer noch so wie am ersten Tag. Mit einer brennenden, gönnenden Liebe. Für alle Welt offenbar – gerade jetzt.
Wir haben uns auf den Stuhl des Erstgeborenen gesetzt. Und nun spüren wir – der spielt immer noch eine Rolle.
Das Verhältnis ist nicht: Gott – Kirche.
Es bleibt: Gott – Israel – Kirche.
Auch wenn Israel sich selbst eine Weile in den Schatten gestellt hat. Der rechte Platz neben Gott gehört ihm.
Wer begnadigt ist
Wer die Gnade als wirkliche Begnadigung glaubt, kann nicht eifersüchtig sein. Denn Gnade ist kein Rechtstitel. Gnade ist ganz im Geber.
Weder darf Israel eifersüchtig auf die Gnade Gottes mit dem jüngeren Bruder sein – noch darf die Kirche denken, sie sei nun Erstgeborener und ihr stehe irgendetwas zu.
Die Demütigung, die Israel an der Kirche erlebt hat – auch wir empfinden diese Demütigung, wenn wir sehen, dass Israel doch zur Rechten Gottes sitzt.
Für mich ist es nicht schwer, das mit Freuden anzunehmen.
Ich habe so viel Freundlichkeit erlebt – was soll ich mich da nicht vor meinem älteren Bruder beugen und mich weiter hinten an die Tafel setzen.
Denn Israel ist nicht nur Erstgeborener – er ist mir vor allem Bruder. So sagt es auch der Vater.
Ich freue mich darauf, dass der Bräutigam bald Seine Braut holen wird. Wie der Trauzeuge sich auf die Trauung des Freundes freut.