Menschliche Heimat

Mo 09.03.2026

Lk 4:24-30 Jesus in der Synagoge Seiner Heimatstadt

Der Text

24 Er sprach aber: Wahrlich, Ich sage euch: Kein Prophet ist willkommen in seiner Vaterstadt.

25 In Wahrheit aber sage Ich euch: Viele Witwen waren in Israel in den Tagen des Elija, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate verschlossen war, sodass eine große Hungersnot über das ganze Land kam;

26 und zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt als nur nach Sarepta in Sidon zu einer Frau, einer Witwe.

27 Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elischa; und keiner von ihnen wurde gereinigt als nur Naaman, der Syrer.

28 Und alle in der Synagoge wurden von Zorn erfüllt, als sie dies hörten.

29 Und sie standen auf und stießen Ihn zur Stadt hinaus und führten Ihn bis zum Rand des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um Ihn hinabzustürzen.

30 Er aber ging mitten durch sie hindurch und ging weg.

Nicht einfach nur damals

Der Text geht mich etwas an. Ganz persönlich.

Ich verweise auf meine Andacht vom 4. Februar: Der doch fremde Jesus.

Aber über das Persönliche hinaus auch den geistlichen Raum, in dem ich konkret lebe.

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einem befreundeten Priester.

In seiner Predigt zuvor hatte er von der tiefsten Sehnsucht im Menschen gesprochen, und im persönlichen Gespräch von seiner eigenen Sehnsucht.

Verwurzelt

Jesus war in Nazareth verwurzelt.

Es war und ist Seine Heimatstadt.

Wenn Menschen sagen, ihre einzige Sehnsucht ist ihre Heimat im Himmel, so klingt das wunderbar. Ich habe das auch gesagt.

Aber ist das wahr?

Bin ich nicht auch Mensch?

Ein Mensch, der auch in der Welt beheimatet sein möchte? Gerade als himmlischer Diplomat, als Botschafter Gottes.

Die Wurzeln meiner Familie vor meinen Eltern sind weitestgehend verloren.
Und auch wenn ich den Mangel als Schmerz erst spät erkannt habe, spüre ich ihn heute mehr als früher.

Auch als Land, das sich viel für seine jüngere Geschichte schämt, wirkt dies wie eine verletzte Wurzel.

Aber ich habe meine eigene Familie. Ein großer Trost.

Kirchlich habe ich auch keine rechte Heimat.
Meine katholische Kirche fragt nicht nach etwas, was ich ihr geben könnte. Meine evangelischen Wurzeln tragen mich nicht.

Gern würde ich ihnen etwas geben – aber sie wollen es nicht.

So zum Teil auch mein Priester-Freund.
Ohne eigene Familie und immer in Gefahr, in eine andere Gemeinde versetzt zu werden, sehnt er sich nach Annahme (so nennt er es) durch seine Kirche.

Aber die katholische Kirche in Deutschland hat viele Themen. Und dazu gehört das, was ihm brennt, nur am Rande, zuweilen wird es mit Skepsis oder gar Misstrauen betrachtet.

In der Art, wie Jesus in Seiner Heimat.

Jesu Heimat

Als Menschensohn ist Jesus Nazarener. Und Er ist Jude.

Seine Predigt in Nazareth ist nicht einfach eine kalte Diagnose.

Es ist auch die Einsamkeit eines Menschen, der sich in die Hand der Menschen gegeben hat, mit Haut und Haaren und mit dem ganzen Herzen.

Ständig nur auf Jesu Göttlichkeit zu schauen, kann den Blick für Den verstellen, Der auch ganz Mensch ist. Wie der Priester, von dem ich sprach, auch ganz Mensch ist – und nicht nur Amt und Rolle.

Und wie ich es bin.

Ich will mein Herz nicht kalt machen, auch wenn mir Kälte entgegenschlägt. Und auch wenn ich von meiner Heimat im Himmel weiß.

Nazareth ist Heimat

Jesus erinnert in Seinen Geschichten von Elia und Elisa an etwas Ähnliches. Immer wieder ist es schwer für die, die zuerst berufen sind, die Würde ihrer Berufung anzunehmen.

Denn so, wie Jesus darunter leidet, dass Er in Nazareth, Seiner Heimat, abgelehnt wird, so sehr sieht Er auch, wie schwer es für diese ist.

Wir sind ja schon berufen – was will der jetzt noch?
Und: Den kennen wir, der kann nicht Bote von etwas Neuem sein.

Ich habe die Tränen und das Geschrei von König David in den Ohren. Besonders um Absalom. David bezeugt das Herz Gottes. Gerade Absalom hatte David verraten und sich selbst zum König ausrufen lassen.

Aber die Liebe des Vaters hört niemals auf.

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