Mi 11.03.2026
Mt 5:17-19 Jesu Stellung zum Gesetz
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
17 Denkt nicht, dass Ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.
18 Amen, Ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird nicht ein Jota noch ein einziger Strich vom Gesetz vergehen, bis alles geschieht.
19 Wer also eines der geringsten dieser Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Reich der Himmel.
Das Gesetz
In meiner Bibel steht ein Verweis zu Römer 10,4.
„Denn Ende des Gesetzes ist Christus – zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt.“
Das ist klassisch lutherisch. So habe ich es gelernt.
Nun steht für „Ende“ im Griechischen τέλος (télos). Das kann als Ende übersetzt werden – oder als Ziel.
Es meint zum Beispiel: Das Telos eines Samens ist die Pflanze.
Paulus schreibt also nicht, dass Christus das Gesetz auflöst; dafür wäre ein anderes Wort nötig. Er bringt es zur Entfaltung.
Das Wort „Gesetz“, das bei mir steht, ist eigentlich das Wort für Thora.
Immer wenn von Gesetz die Rede ist, setze ich nun lieber das Wort Thora ein.
Und die Thora enthält zwar Gesetze, ist aber die Offenbarung eines Heilsweges. Angefangen von Adam und Eva, über die Erzväter und die ganze Geschichte des Volkes Gottes. Inklusive von Stiftshütte und Tempel.
Die Thora ist der Brief Christi, in Christus kommt der Schreiber selbst.
Praktischer
Mein Weg als Christ ist der Weg der Thora.
So wie Gott Sein Volk formt, so formt Er auch mich.
Ich nenne Beispiele:
Ich stamme von Vätern ab, so wie die Thora es immer wieder betont. Zwar redet Gott in die Geschichte hinein, aber Er redet viel mehr durch die Geschichte der Väter selbst. Isaak ist der Sohn Abrahams – das ist seine zentrale Prägung.
Leiblich stamme ich von meinem Vater Armin ab; geistlich stamme ich aus der Kirche – nicht aus dem Nichts, oder unmittelbar von Gott.
Es gilt also, beide zu ehren und auf sie zu hören.
Oder:
War der Auszug aus der Knechtschaft eine herrliche Gnade, so wie der Durchzug durchs Schilfmeer. So wartet doch am anderen Ufer bald die Wüste – nicht das Paradies. Und es warten Prüfungen und Kümmernisse. Nicht als Irrtum, sondern zu meiner Würdigung.
Die Wüste ist das Leben, der Himmel entsteht in der Wüste – nicht im gelobten Land.
Die Thora lehrt mich bis ins Detail meinen Weg zum Himmel. Ohne sie irre ich hilflos umher.
Leiblichkeit
Das Leben geht leiblich.
Die Thora ist wie die Leiblichkeit des Wortes.
Zwar ist Gott Geist – aber der Messias ist Christus (Geist) und Jesus (Leib).
Entfalten und in die Wirklichkeit kommt der Geist als Leib.
Vielleicht wollen auch darum all die Dämonen einen Leib, einen Menschen.
Die Thora zeigt mir deutlicher als z. B. die Briefe des Neuen Testamentes, was das bedeutet, was ich erlebe und wie ich leben soll und kann. Der Mensch ist ein narratives Wesen, ein Wesen der Erzählung. Weit mehr als ein Wesen der Logik.
Denn der Leib ist keine Logik, er ist Geschichte und Berührung mit der Welt.
Schönheit
In der aktuellen Thora-Lesung ist vom Bau der Stiftshütte die Rede.
Von all der Schönheit und Kunstfertigkeit.
Eine Kirche soll schön sein, denn Schönheit ist ein Ausdruck Gottes.
Wer z. B. solch eine Wahrheit aufhebt, der „wird der Kleinste im Himmel sein“, so mein Verständnis von Jesu Wort.
Ich will meinen Geist in die Worte der Thora eintauchen, es sind alles Jesu Worte. Die Thora ist der Brief Jesu, er verliert seine Herrlichkeit nicht, denn Er ist voll von Seiner Gegenwart. Dass mein Leib angeglichen werde, der Herrlichkeit meines Schöpfers.