Der Finger Gottes

Do 12.03.2026

Lk 11:14-23

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

14 Und Er trieb einen Dämon aus, und dieser war stumm. Es geschah aber: Als der Dämon ausgefahren war, redete der Stumme, und die Volksmengen staunten.

15 Einige von ihnen aber sagten: Durch Beelzebul, den Fürsten der Dämonen, treibt Er die Dämonen aus.

16 Andere aber versuchten Ihn und verlangten von Ihm ein Zeichen aus dem Himmel.

17 Er aber, da Er ihre Gedanken wusste, sprach zu ihnen: Jedes Reich, das gegen sich selbst entzweit ist, wird verwüstet, und Haus fällt auf Haus.

18 Wenn aber auch der Satan gegen sich selbst entzweit ist, wie wird sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, dass Ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe.

19 Wenn aber Ich durch Beelzebul die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein.

20 Wenn Ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, dann ist das Reich Gottes zu euch gekommen.

21 Wenn der Starke, wohlbewaffnet, seinen Hof bewacht, ist sein Besitz in Frieden.

22 Wenn aber ein Stärkerer als er über ihn kommt und ihn besiegt, nimmt er seine ganze Waffenrüstung, auf die er vertraute, und verteilt seine Beute.

23 Wer nicht mit Mir ist, ist gegen Mich; und wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreut.

Anmerkung:

20 Der Ausdruck steht in der aramäischen Tradition ebenso wie im Hebräischen für unmittelbares göttliches Handeln (vgl. Ex 8,15; Ex 31,18).

Zwei Reiche gegeneinander?

Ist Gott einfach nur stärker als Satan?

Prallt ein Reich gegen das Andere, und der Stärkere gewinnt?

Sollte es so gemeint sein?

Nein.

Gott ist allmächtig und niemand ist ihm in Macht ähnlich oder gar ein Gegenüber. Auch Satan nicht.

Sobald Gott selbst handelt, spielt es keine Rolle mehr, was jemand anderes will oder tut.

Als Mose und Aaron vor Pharao stehen, werden die ersten Plagen durch die Zauberer nachgemacht. Erst als die Stechmückenplage kommt scheitern die Zauberer. Und sie sagen: „Das ist der Finger Gottes“.

Es ist unmittelbares Eingreifen Gottes (2. Mo 8,15).

Und ebenso auf dem Berg Horeb. Gott schreibt mit Seinem Finger in die steinernen Tafeln des Bundes. Direkt, unvermittelt.

Und Jesus schreibt mit dem Finger in den Sand der Erde. Geheimnisvoll.

Er selbst ist „der Finger Gottes“. So weichen Dämonen und so geschieht Vollmacht.

Aber: Was hat das mit mir zu tun?

Nicht gegen, sondern in

Es geht nicht zuerst darum, jemanden zu besiegen.
Auch Satan nicht.

Es geht darum, in Gott zu sein.

Dort, wo Du, Vater, in mir lebendig bist, dort habe ich Vollmacht.

Gottes Reich ist Leben, Wirksamkeit.
Die drückt sich besonders im Sprechen aus. Einem Sprechen, in dem das Wort mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Der stumme Geist will das nicht.
Das ist eine Möglichkeit.
Die andere ist die Differenz zwischen dem Sprechen und dem Herzen. Zwischen dem Reden und dem Tun.

Das geschieht oft schon durch viele, ja zu viele Worte.

Oder indem ich meine Meinung sage. Also nur das Meine, nicht verbunden mit der existenziellen Wahrheit Gottes.

Vollmacht Gottes

Hat Gott den Anspruch an mich, dass diese Andachten „Vollmacht Gottes“ sind?

Vollmächtiges Reden.

Ich ahne, dass die Antwort ja ist.

Und ich fürchte mich davor.

Nicht aus dem Herzen des Vaters zu reden und zu schreiben, ist mir Sünde. Trennung von meinem Vater.

Ich behaupte nicht, dass es immer so ist. Wie viel es mein Reden ist und wie viel Gottes, werde ich erst im Himmel erfahren.

Aber ich will den Vater ehren, dass es so werde, mehr und mehr.

Denn die Angst vor Eitelkeit kann zur Fluchtburg vor der Verantwortung werden.

Der Finger Gottes schreibt mir ins Herz. Was soll ich anders tun, als zu bezeugen, was ich empfange?

Es ist mir wichtiger, mich ins Licht Gottes zu stellen und auf Seine Gnade zu hoffen, wo ich weglasse und hinzufüge, als aus Angst genau davor, es mit dem Wort „Meinung“ zu verkleiden.

Wo ich noch im Prozess bin, versuche ich es kenntlich zu machen. Mit Wörtern wie „es scheint mir“ oder mit Fragewörtern.

Aber wo ich es wage, da trete ich in das Licht der Verantwortung.

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