Ist Er es?

Sa 21.03.2026

Joh 7:40-53 Zwiespalt im Volk

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

40 Einige nun aus der Volksmenge, die diese Worte hörten, sagten: Dieser ist wahrhaftig der Prophet.

41 Andere sagten: Dieser ist der Christus. Andere aber sagten: Kommt denn der Christus aus Galiläa?

42 Hat nicht die Schrift gesagt: Aus dem Samen Davids und aus Bethlehem, dem Dorf, wo David war, kommt der Christus?

43 Es entstand also eine Spaltung in der Volksmenge seinetwegen.

44 Einige von ihnen wollten Ihn ergreifen, aber niemand legte die Hände an Ihn.

45 Die Diener kamen nun zu den Hohenpriestern und Pharisäern, und diese sagten zu ihnen: Warum habt ihr Ihn nicht gebracht?

46 Die Diener antworteten: Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch.

47 Da antworteten ihnen die Pharisäer: Seid auch ihr verführt worden?

48 Hat etwa jemand von den Oberen an Ihn geglaubt oder von den Pharisäern?

49 Aber diese Volksmenge, die das Gesetz nicht kennt, ist verflucht.

50 Es sagt Nikodemus zu ihnen, der zuvor zu Ihm gekommen war und einer von ihnen war:

51 Richtet etwa unser Gesetz den Menschen, wenn es nicht zuvor von ihm hört und erkennt, was er tut?

52 Sie antworteten und sagten zu ihm: Bist auch du aus Galiläa? Forsche und sieh: Aus Galiläa steht kein Prophet auf.

53 Und sie gingen jeder in sein Haus.

Erleben

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einem Amerikaner. Ein Christ. Ein guter, kluger, nachdenklicher, vernünftiger Mensch.
Er sagte mir, dass am ehesten die katholische Kirche das Tier aus dem Meer ist und die USA das Tier vom Land. Und dass Israel heute durch die Christenheit ersetzt ist und darum Zionismus falsch ist.

Es war nichts schrill oder befremdlich an ihm und er ließ mich betroffen zurück.

Geschichte

132–135 n. Chr. gab es den Aufstand der Juden gegen Rom. Der damals vielleicht wichtigste Rabbiner Akiva unterstützte ihn, indem er den Führer des Aufstandes als Messias identifizierte.

Im 17. Jahrhundert stand Sabbatai Zevi auf. Er gewann eine breite Anhängerschaft im Judentum, in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika. Nathan von Gaza deutete ihn prophetisch als Messias und gerade das verschaffte ihm enorme Autorität.

Prophetie

Das Argument der Gegner in dem Evangelium von heute ist stichhaltig. Was kann aus Galiläa Gutes kommen (Nathanel)? Dass Jesus in Bethlehem geboren wurde, konnten die Führer des Volkes nicht wissen. Insofern scheint es, dass die Prophetie hier eher verdunkelt, als dass sie geholfen hätte. Vielleicht bewußt verbirgt.
Auch andere Linien der Prophetien machen es schwer, Jesus als Messias zu erkennen.
Und Sein eigener Anspruch, sogar mehr als der Messias zu sein, nämlich der Sohn Gottes, machte es nahezu unmöglich. So etwas gab es gar nicht und passte nicht zum Schma Israel: Der Herr ist Einer.

Keine einfache Auflösung

Und ich habe keine einfache Auflösung dieser Not.

Ist Er es?

Mir scheint es nicht so schwer, an einen Gott zu glauben. Das ist natürlich, logisch und sinnvoll.

Aber das ist mit dem Sohn Gottes anders.

Nikodemus

Ich gehe in der Nacht zu Jesus und rede mit Ihm. Wie Nikodemus. Es geht nicht am Tage, denn ich brauche die persönliche, intime Dunkelheit.
Nicht aus Scham, sondern um der Freiheit willen.

Ich brauche ein geheimes, ganz persönliches Treffen mit Ihm.

Ob es geschehen wird, dass der Vater mir begegnet, ob mein Herz in der tiefsten Tiefe geöffnet sein wird – wer weiß es.

Was ich aber weiß: es ist eine Entscheidung auf Leben und Tod. In jedem Fall, so oder so.
Wer in mir stellt sich nun zu wem? Öffnet der Vater den Blick auf Seinen Sohn, erwacht entweder der eine oder der andere in mir.

Es ist ein Geschehen zwischen zwei freien Personen.

Argumente helfen hier nicht, vielleicht Zeugnisse.

Aber am Ende stehe ich ganz allein vor dem Vater.

Er will mir den Sohn offenbaren – das weiß ich heute. Aber ich wusste es nicht, als es geschah.

Ich danke Gott, dass ich einsam genug war, dass die Finsternis mich umhüllt und geschützt hat vor Meinungen und Argumenten.

Und all die Abzweigungen

Damit ist viel gelegt.
Aber es ist nicht das Ende.

Auf dem Wege gibt es immer wieder Abzweigungen und verschiedene Gründe, in eine falsche Richtung zu gehen.

Auch die Muslime sprechen von der Rechtleitung dessen, der Allah folgen will.

Vielleicht, aber warum gegen dann so viele falsche Wege?

Immer wieder brauche ich die Einsamkeit. Ich brauche den Ort der inneren Stellungnahme zu dem, was der Vater mir anbietet, mir eröffnet.

Ich lasse meine Meinung draußen vor der Tür und suche Dein Angesicht, Herr. Und ich erhebe mein Angesicht zu Dir und gebe Dir Antwort – mit Furcht und Zittern. Wird der Frieden, der Schalom Gottes, meinem Herzen den Weg recht zeigen?

Der Schalom muss immer neu gesucht werden.

Wer in mir soll wachsen?

Der, der das Bild Jesu in mir zur Form bringt?

Das Bild des gekreuzigten Selbst-Seins? In ganzer Zustimmung und Freiheit?

Nur der ist wirklich frei, der diese Freiheit verschenkt.

Nur der ist ganz Person, der dieses Person-Sein verschenkt.

Ohne äußere Gewissheit, sondern als inneres Bekenntnis, wer ich sein will.

Sohn meiner Selbst – oder Sohn Gottes im Bilde Jesu.

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