Sa 28.03.2026
Joh 11:45-57 Der Entschluss zur Tötung Jesu
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Er getan hatte, glaubten an Ihn.
46 Einige aber von ihnen gingen zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte.
47 Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sagten: Was tun wir? Denn dieser Mensch tut viele Zeichen.
48 Wenn wir Ihn so gewähren lassen, werden alle an Ihn glauben, und die Römer werden kommen und uns sowohl den Ort als auch das Volk wegnehmen.
49 Einer aber von ihnen, Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, sagte zu ihnen: Ihr wisst nichts,
50 und ihr bedenkt nicht, dass es für euch besser ist, dass ein Mensch für das Volk stirbt und nicht das ganze Volk zugrunde geht.
51 Dies aber sagte er nicht aus sich selbst, sondern als Hoherpriester jenes Jahres weissagte er, dass Jesus für das Volk sterben sollte,
52 und nicht für das Volk allein, sondern damit Er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins zusammenführe.
53 Von jenem Tag an beschlossen sie nun, Ihn zu töten.
54 Jesus nun ging nicht mehr öffentlich unter den Juden umher, sondern ging von dort weg in die Gegend nahe der Wüste, in eine Stadt mit Namen Ephraim, und blieb dort mit den Jüngern.
55 Es war aber nahe das Passa der Juden, und viele gingen aus dem Land hinauf nach Jerusalem vor dem Passa, um sich zu reinigen.
56 Sie suchten nun Jesus und sprachen untereinander, während sie im Tempel standen: Was meint ihr? Dass Er nicht zum Fest kommen wird?
57 Es hatten aber die Hohenpriester und die Pharisäer Befehl gegeben, dass, wenn jemand wisse, wo Er sei, er es anzeigen solle, damit sie Ihn ergreifen könnten.
Jesu Entscheidung für Lazarus
Jesus liebt Maria, Marta und Lazarus. Nirgends wird Jesu Liebe zu konkreten Menschen so intensiv berichtet wie im Kapitel der Auferweckung des Lazarus.
Und es ist eine exemplarische Liebe, wie die Inszenierung durch die Verzögerung der Auferweckung offenbart.
Ich denke, dass Jesus, als Menschensohn, nicht immer wusste, welche Konsequenzen Sein Handeln im Detail haben werden.
Aber hier wusste Er es. Hier nahm Er in Kauf, was geschehen würde – ja ging dem Weg, den Kajaphas prophetisch benennt, entgegen.
Ein Mensch stirbt für die Liebe.
Der Weg
Der Weg der Liebe ist der Weg der freien Bindung.
Sich auf die drei Geschwister in dieser Weise einzulassen, war schon eine Bindung. Jesus schaut genau hin, schaut sich das Leid und die Liebe der Menschen genau an.
Das bindet. Konkrete Liebe ist konkrete Bindung. Zuerst für Personen, dann auch für ein Volk.
Noch einmal zieht sich Jesus nach Ephraim zurück, ergreift einen noch freien Raum. Denn Jesu Weg ist mit Passa verbunden. Noch ist Tag und noch gilt es selbst zu wirken. Denn Jesus geht den Weg der Bindung nicht allein, sondern im Vater.
Erleben
Ich komme heute schnell zur Praxis, weil mich etwas sehr bewegt.
Ein Konflikt in meiner Bruderschaft.
Und ich hatte Zeit, intensiv darüber nachzudenken und mit meiner Frau zu reflektieren. Welcher Fehler, welche Sünde in mir offenbart dieser Konflikt. Denn jeder Konflikt, mit dem ich zu tun habe, fragt mich selbst an.
Auf den ersten Blick hatte alles, was ich getan und nicht getan habe, gute Gründe. Zunächst richtige Gründe.
Aber bei tieferem Prüfen zeigte sich ein Mangel an innerer Bindung in mir.
Einhaltung einer klugen, partiellen Distanz. Ein Abwägen und Haushalten mit meinen Kräften. Ich habe kein Recht auf Stellungnahme, wenn mein Herz sich nicht voll eingebracht hat. Aus Selbstschutz – also aus Selbstliebe.
Auch das hat gute Gründe, weil zu anderen Zeiten das volle Einbringen meiner Selbst zu Empfindlichkeiten in mir geführt hat – woraus dann unangemessenes Wirken auf andere folgte.
Also: Besser nicht so intensiv hinschauen, damit ich nicht überreagiere.
Das aber war gestern.
Heute bin ich weiter auf dem Weg.
Der Sinn der Konflikte ist nicht die Kenntnis, wie ich sie vermeide.
Es ist das Reifen an solchen Konflikten. Damit ich frei werde in Hingabe, in Bindung zu lieben und zu verantworten.
Es gilt nicht, das Problem zu entfernen oder zu meiden, sondern an ihm zu wachsen.
Liebe vollzieht sich nicht als Wohlbefinden, sondern am Widerstand.
Weisheit
Die Liebe berücksichtigt die Klugheit, die Weisheit.
Aber sie unterstellt sich ihr nicht.
Klugheit stellt die Liebe in ein Licht. Das Licht der klaren Entscheidung.
Nicht ein schwärmerisches Hineintaumeln ist Ausdruck großer Liebe.
Sondern ein klarer Entschluss im Lichte dessen, was ich wissen kann und soll. Ansonsten opfere ich nur mir selbst und meinen Emotionen.
Denn am Ende kostet die Liebe alles.
Und sie kann dieses alles nicht billig machen, indem sie die Augen verschließt.
Jesus wusste genau, was Er tat und tat es in vollkommener Freiheit.
Ich will in ganzer Freiheit in die Bindung gehen. Das ist ein Weg, aber ein Weg, der heute ein Stück weiter gegangen sein muss als gestern. Denn nicht der Weg ist das Ziel, sondern der Weg opfert sich dem Ziel.
Zielverfehlung ist auch: einen Weg immer nur im Kreis zu gehen.
Zielverfehlung ist das eigentliche Wort für Sünde. Sünde, die von Gott trennt, weil sie mein Leben sinnlos macht.