Verschwendet an Jesus

Mo 30.03.2026

Joh 12:1-11 Die Salbung Jesu in Betanien

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

1 Jesus nun kam sechs Tage vor dem Pascha nach Bethanien, wo Lazarus war, den Jesus aus den Toten auferweckt hatte.

2 Man machte Ihm dort ein Mahl, und Marta diente; Lazarus aber war einer von denen, die mit Ihm zu Tisch lagen.

3 Maria nun nahm ein Pfund Salböl von echter, sehr kostbarer Narde, salbte die Füße Jesu und trocknete Seine Füße mit ihren Haaren; das Haus aber wurde erfüllt vom Duft des Öls.

4 Judas aber, der Iskariot, einer von Seinen Jüngern, der Ihn überliefern sollte, sagt:

5 Warum wurde dieses Salböl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben?

6 Er sagte dies aber nicht, weil ihm die Armen am Herzen lagen, sondern weil er ein Dieb war und die Kasse hatte und nahm, was eingelegt wurde.

7 Jesus sprach: Lass sie, damit sie es für den Tag Meines Begräbnisses bewahrt hat.

8 Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, Mich aber habt ihr nicht allezeit.

9 Eine große Volksmenge der Juden erfuhr nun, dass Er dort ist, und sie kamen nicht um Jesu willen allein, sondern auch, um Lazarus zu sehen, den Er aus den Toten auferweckt hatte.

10 Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten,

11 weil viele der Juden um seinetwillen hingingen und an Jesus glaubten.

Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

• „Salben“: stärker als ein leibliches Bereiten – ein Vorausnehmen des Begräbnisses.

• „Duft“: nicht nur Geruch, sondern Ausbreitung einer Wirklichkeit.

Kann man Gott etwas geben?

Kann man etwas zu etwas Vollkommenem hinzufügen?

Zunächst nicht. Vollkommen ist vollkommen.

Aber: Kann man einem Gott etwas wegnehmen?

Einem Gott?

Ist das dann überhaupt ein Gott?

Schließlich kann ich selbst der Schwerkraft nichts geben oder nehmen, es ist ein eigenes Sein.

Gott verletzen

Ich erkenne, dass ich Gott real verletzen kann – und es auch tue.

Die Passion Jesu ist kein Symbol. Gott ist ganz Mensch geworden. Er ist in Seine eigene Aussage zu Adam und Eva eingetreten: „Wenn ihr davon esst, werdet ihr sterben.“ Sterben heißt in den Prozess der Verletzung eintreten, bis diese alles erfasst hat. Von Geburt an sind wir sterbend.

Die Liebe Gottes zeigt sich schon darin, dass Er eine Welt geschaffen hat, in der jemand anderes außer Er selbst etwas Substantielles verändern kann. Etwas töten kann.

Und das zeigt mir: Der Mensch kann andersherum auch Gott etwas Gutes antun. Und wenn es nur das mildern des Sterbens ist. Die Narde ist eine Milderung der Hässlichkeit des Todes.

Hineingehen in Jesu Leid

Das eigentliche Leiden Jesu ist Seine Erniedrigung.

Gott erniedrigt sich – weil der Mensch sich erhöht hatte.

Er gibt sich in die Erniedrigung durch Menschen – weil der Mensch Ihm nicht vertraut hat, und bis heute nicht vertraut.

Maria tut vieles zugleich.

Sie war schon immer die, die zu Jesu Füßen saß, um Ihm zu lauschen. Zu Seinen Füßen.

Nun salbt sie Seine Füße mit dem kostbarsten, was die Erde hervorbringt. Der Wurzel einer schwer zu erreichenden Pflanze aus dem Himalaja. Einem Stoff, der sich in der Verwendung selbst verliert, indem er die Umgebung erfreut und ehrt.

Und sie trocknet Jesu Füße mit ihren Haaren.
Die Haare der Frau sind ihre Ehre. Sie öffnet sie nicht vor Fremden.

Maria aber gibt ihr Höchstes den Füßen Jesu, dem mit der Erde Verbundenen.

Sie öffnet ihre Haare vor Jesus und handelt als ein Mensch, der Gott in Seinem Wesen erkannt hat.

Sie ehrt Gott mit dem, was in Seiner Weise der Selbsterniedrigung verborgen anwesend ist.

Praxis

Ich habe heute kein angemessenes Wort für die Tiefe dieses Textes.

Aber ein paar bereitende Gedanken:

Es ist gut, eine Kirche mit Blumen zu schmücken. Verschwenderisch, mit Blumen und dem Duft von Weihrauch.

Es ist gut, das Schönste nicht bei sich selbst zu haben. Schöne Häuser zu haben und zugleich langsam zerfallende Kirchen.

Nicht immer zu einem Zweck. Z. B. für Mission oder Diakonie.

Sondern zuerst und zutiefst als Blick auch die am Boden liegende Ehre Gottes.

Schönheit ist eine Eigenschaft Gottes.

In sie einzutreten ist wie ein Auge auf Gott zu werfen.

Wie eine Vorbereitung, ein Erkennen der Herrlichkeit der Füße Jesu.

Sie gehen im Staub der Erde und hinterlassen „Eindruck“.

Der Hände Werk Gott geben als ein Brandopfer für Seine Liebe zu uns. Ohne eine Erwartung.

Ich kann mit Endlichem dem Unendlichen dienen.
Das verstehe ich nicht – ich sehe es aber.

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