Di 31.03.2026
Joh 13,21–33.36–38
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
21 Nachdem Jesus dies gesagt hatte, wurde Er im Geist erschüttert und bezeugte und sprach: Amen, amen, Ich sage euch: Einer aus euch wird Mich überliefern.
22 Die Jünger sahen einander an, unsicher, von wem Er spricht.
23 Einer seiner Jünger lag zu Tisch im Schoß Jesu, den Jesus liebte.
24 Diesem nun winkt Simon Petrus, damit er frage, wer es wohl sei, von dem Er spricht.
25 Jener lehnt sich so an die Brust Jesu und sagt zu Ihm: Herr, wer ist es?
26 Jesus antwortet: Der ist es, für den Ich den Bissen eintauche und ihm gebe. Er taucht also den Bissen ein und nimmt und gibt ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.
27 Und nach dem Bissen fuhr dann der Satan in ihn. Jesus sagt zu ihm: Was du tust, tue schnell.
28 Keiner aber von den zu Tisch Liegenden verstand, wozu Er ihm dies sagte.
29 Denn einige meinten, weil Judas die Kasse hatte, dass Jesus ihm sage: Kaufe, was wir für das Fest brauchen, oder dass er den Armen etwas gebe.
30 Als jener nun den Bissen genommen hatte, ging er sogleich hinaus. Es war aber Nacht.
31 Als er nun hinausgegangen war, sagt Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in Ihm.
32 Wenn Gott verherrlicht ist in Ihm, wird auch Gott Ihn verherrlichen in sich selbst, und sogleich wird Er Ihn verherrlichen.
33 Kinder, noch eine kleine Zeit bin Ich bei euch. Ihr werdet Mich suchen, und wie Ich den Juden sagte: Wohin Ich gehe, könnt ihr nicht kommen, so sage Ich jetzt auch euch.
36 Simon Petrus sagt zu Ihm: Herr, wohin gehst Du? Jesus antwortet: Wohin Ich gehe, kannst du Mir jetzt nicht folgen; später aber wirst du folgen.
37 Petrus sagt zu Ihm: Herr, warum kann ich Dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für Dich einsetzen.
38 Jesus antwortet: Dein Leben für Mich einsetzen? Amen, amen, Ich sage dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du Mich dreimal verleugnet hast.
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Anmerkungen zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)
• „erschüttert im Geist“: aramäisch betont eine innere Bewegung, ein Ergriffenwerden im Innersten, nicht nur Emotion, sondern ein tiefes Erschüttertsein des Herzens.
• „Bissen“: steht im semitischen Kontext für Gemeinschaft und Anteil; die Gabe an Judas ist Zeichen der Nähe, nicht der Distanz.
• „Es war Nacht“: im Aramäischen ebenfalls mehrdeutig – äußere Nacht und innerer Zustand.
• „verherrlicht“: hat im semitischen Hintergrund die Bedeutung von „Gewicht“, „Wirklichkeit“, „sichtbar werdende Wahrheit“.
Was ist Verrat?
Der ganze Sinn der Schöpfung, der ganze Sinn der Menschwerdung Gottes – alles steckt in der Würde des Menschen und in der Wiederherstellung seiner Beziehung zu Gott.
Kennt der Mensch Gott nicht, misstraut er Ihm, dann ist das alles noch heilbar, es ist kein Verrat.
Verrat ist es, wenn ich mich so in die Hand eines anderen gebe, mich ihm ganz öffne und von mir aus allen Sinn meines Lebens darin lege, mit dir verbunden zu sein und dich zu lieben. Und du nun dieses Wissen über mich, diese Offenheit, dieses Vertrauen als Werkzeug zu meiner Zerstörung benutzt.
Ich vertraue dir an, was mein Innerstes ausmacht. Und du nimmst es wie ein Freund, benutzt es aber wie ein reißender Wolf.
Verrat geschieht mit Vorsatz und Plan. Schon im Vollzug der Beziehung wird mein Vertrauen genommen, verplant, zum Missbrauch empfangen. Ich zeige dir, Freund, mein Herz. Und schon in diesem planst du es mir aus dem Leib zu reißen.
Der Verräter macht den Freund zum eigenen Werkzeug. Zum Verbrauchsmaterial. Zum Pflock, den er in den Sumpf schlägt, um sein eigenes Haus darauf zu bauen.
Verrat trifft tiefer und existenzieller als jeder Krieg, jede Feindschaft, jeder Hass. Denn er wächst an meiner Liebe zu dir, dem wertvollsten, was ich habe, ja dem, was mich ausmacht.
Er ernährt sich von meinem Herzen, um es zu seiner eigenen Kraft zu machen und dabei zu vernichten.
Es ist nicht möglich zu ermessen, was die „Erschütterung im Geist“ für Jesus Christus bedeutet. Die Erschütterung bezeugt Johannes immer an der Schwelle von Leben und Tod.
Wie kann Jesus sie überhaupt tragen?
Lazarus
In der Geschichte der Auferweckung des Lazarus gibt es diese Erschütterung zwei Mal.
Hier offenbart sie die unfassbare Liebe Jesu zum konkreten Menschen.
Es gibt etwas, das für Dich, Herr Jesus, so kostbar, so unermesslich wertvoll ist, dass Du dafür das Risiko, ja die Realität der existenziellen Erschütterung durch Verrat akzeptierst.
Wie ist es bei mir?
Ich
Ich fürchte Verrat.
Ich fürchte ihn so sehr, dass ich oft meine Liebe in ein Maß einfüge. Würde ich maßlos lieben, könnte ich maßlos verletzt werden.
Aber das reduziert auch mein Leben.
Denn Leben ist maßlos lieben.
Am Samstag habe ich geschrieben: Wer die Liebe wählt, wählt den Tod.
Warum sollte ich also die Liebe wählen?
Soll ich denn in die Fußstapfen Jesu treten?
Ich kenne jemanden
Ich kenne jemanden, den ich so lieben will, wie Jesus Lazarus und die Schwestern geliebt hat.
Dich, Herr Jesus.
Denn Du hast die Liebe gewählt, selbst noch, als sie dir als Dolch mit einem Kuss in den Rücken gerammt wurde.
Und diesen, der so geliebt hat und so liebt – den kann und will ich auch lieben.
Und nun:
Wenn ich den Bruder fürchte, dass er mich verrät, sobald ich mich ihm ganz öffne, schaue ich zu Dir.
Du hast es gewagt.
Mit Dir kann ich es wagen. Denn der Verrat ist der Preis der Liebe.
Schütze ich mich vor Verrat, schütze ich mich vor der Liebe.
Weniger ist nicht genug.