Mi 01.04.2026 Karwoche
Mt 26:14-25 Der Verrat des Judas
Der Text
Übersetzung aus dem griechischen Urtext
14 Da ging einer der Zwölf, der Judas Iskariot heißt, zu den Hohenpriestern
15 und sprach: Was wollt ihr mir geben, und ich werde Ihn euch überliefern? Sie aber setzten ihm dreißig Silberstücke fest.
16 Und von da an suchte er eine Gelegenheit, damit er Ihn überliefere.
17 Am ersten Tag der Ungesäuerten Brote kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Wo willst Du, dass wir Dir das Passa zu essen bereiten?
18 Er aber sprach: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Lehrer sagt: Meine Zeit ist nahe; bei dir halte Ich das Passa mit Meinen Jüngern.
19 Und die Jünger taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Passa.
20 Als es aber Abend geworden war, lag Er mit den Zwölf zu Tisch.
21 Und während sie aßen, sprach Er: Amen, Ich sage euch: Einer von euch wird Mich überliefern.
22 Und sie wurden sehr betrübt und begannen, einer nach dem anderen zu Ihm zu sagen: Ich bin es doch nicht, Herr?
23 Er aber antwortete und sprach: Der, der die Hand mit Mir in die Schüssel eintaucht, der wird Mich überliefern.
24 Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über Ihn geschrieben steht; wehe aber jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird. Es wäre gut für ihn, wenn jener Mensch nicht geboren wäre.
25 Judas aber, der Ihn überlieferte, antwortete und sprach: Ich bin es doch nicht, Rabbi? Er spricht zu ihm: Du hast es gesagt.
Worte des Grauens
Aus dem Mund Jesu!
„Es wäre gut für ihn, wenn jener Mensch nicht geboren wäre.“
Bei Lukas auch schlimm:
„… wehe dem Menschen, durch den Er überliefert wird.
In anderem Zusammenhang gibt es sogar das harte Wort Jesu vom Mühlstein.
Mt 18,6
„Es wäre besser für ihn, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“
Die Kirche und die Angst
Angst war sehr lange Zeit das Zuchtmittel schlechthin. In der Gesellschaft – aber auch in der Kirche.
In der Moderne ist das abgeschafft worden.
So radikal abgeschafft, dass die Angst selbst als das Böse erscheint.
Dabei will die Angst als Freund, als Beschützer wirken.
Nur der Missbrauch ist unser Feind.
In meiner Ausbildung zum Logotherapeuten habe ich den Satz gehört:
„Immer an der Angst lang“.
Es ist ein Schlüsselsatz. Dort, wo die Angst ist, dort steckt der Wert. Die Angst beschützt das, was mir wirklich wertvoll ist. Will ich also finden, was mir wichtig ist, frage ich nach meiner Angst. Nicht wovor ich Angst habe, sondern was sie beschützt.
Die Angst selbst ist grundsätzlich mein Freund und Lehrmeister – solange sie nicht zweckentfremdet wird.
Notwendig und hinreichend
Die vollkommene Liebe treibt die Angst aus. So schreibt es Johannes.
Ja, die vollkommene Liebe.
Aber auf dem Weg dahin diene mir die Angst.
Sie ist notwendig im wörtlichen Sinn, wenn auch nicht hinreichend.
Sie ist ein äußerer Zaun, sie rettet mich nicht, aber sie bewahrt mich in der Zeit der Reifung zum vollkommen Liebenden.
Mir scheint, mit der Verteufelung der Angst haben wir einen wichtigen Freund aus dem Leben vertrieben. Einen Freund, den Jesu uns gern geben würde, damit wir auf dem Weg nicht abirren.
Ernst der Existenz
Die Menschen denken, im schlimmsten Fall bin ich nach dem Tod wie jemand, der nie geboren wurde.
Jesus sagt etwas anderes.
Habe ich davor noch Angst?
Nehme ich Jesus darin ernst?
Während meiner Zeit als Dozent in der Erwachsenenbildung habe ich oft gefragt, wer Angst vor dem Tod hat. Ich erinnere mich, dass dies kaum bis gar nicht der Fall war. Menschen haben Angst vor dem Sterben – aber keine Angst vor dem Tod-Sein selbst.
Gute Angst
Welche Art von Angst fördert Jesus?
Es ist nicht eine Angst vor dem Versagen!
Es ist die Angst vor dem Verrat, auch dem Verrat an denen, die mir anbefohlen sind („den Kleinsten“).
Insofern richtet es sich zumeist an Christen, sie kennen etwas, das sie verraten können.
Nicht nur durch brutalen Verrat, sondern auch durch Verleumdung.
Vielleicht sogar Verleumdung der Kraft, die im Glauben an den Christus steckt?
Abgestufte Angst
Ich werde für jedes unnütze, lässige und falsche Wort Rechenschaft ablegen müssen. Und es wird mir wie Feuer brennen.
Warum sollte ich davor nicht Angst haben?
Die Angst kann mir helfen, sie ist eine starke Kraft, die ich im guten, dienstbaren Sinn annehmen kann.
Es kommt jedoch darauf an, vor dem richtigen Angst zu haben.
Und am Ende auf dem Weg der Liebe so weit gegangen zu sein, dass der Knecht Angst seine Rute aus der Hand legt und die brennende Liebe den ganzen Raum meines Herzens erfüllt.
PS
Mir scheint dies Thema wie ein großer, unbearbeiteter Acker. Ist es gut, darüber weiter zu horchen und zu schreiben? Vieles habe ich unberücksichtigt gelassen.