Brennt das Herz in uns?

Mo 06.04.2026 Ostermontag

Lk 24:13-35 Die Emmausjünger

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an diesem Tag in ein Dorf, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt war, dessen Name Emmaus ist.

14 Und sie redeten miteinander über all dies, was geschehen war.

15 Und es geschah, während sie miteinander redeten und überlegten, da näherte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.

16 Ihre Augen aber wurden gehalten, sodass sie Ihn nicht erkannten.

17 Er aber sprach zu ihnen: Was sind das für Worte, die ihr im Gehen miteinander wechselt? Und sie blieben stehen, traurig.

18 Einer aber, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu Ihm: Bist Du der Einzige, der sich in Jerusalem aufhält und nicht erkannt hat, was in diesen Tagen darin geschehen ist?

19 Und Er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu Ihm: Das mit Jesus, dem Nazarener, der ein Mann war, ein Prophet, mächtig in Werk und Wort vor Gott und dem ganzen Volk,

20 und wie Ihn die Hohenpriester und unsere Obersten zur Verurteilung zum Tod überliefert und Ihn gekreuzigt haben.

21 Wir aber hofften, dass Er es sei, der Israel erlösen werde. Doch auch mit alledem ist heute der dritte Tag, seit dies geschehen ist.

22 Aber auch einige Frauen aus unserer Mitte haben uns in Erstaunen versetzt, die früh am Morgen beim Grab gewesen sind

23 und, als sie Seinen Leib nicht fanden, kamen und sagten, sie hätten auch eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, Er lebe.

24 Und einige von denen, die bei uns sind, gingen zum Grab und fanden es so, wie auch die Frauen gesagt hatten; Ihn aber sahen sie nicht.

25 Und Er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und trägen Herzens, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben!

26 Musste nicht der Christus dies leiden und in Seine Herrlichkeit eingehen?

27 Und angefangen von Mose und von allen Propheten legte Er ihnen in allen Schriften das aus, was Ihn betraf.

28 Und sie näherten sich dem Dorf, wohin sie gingen, und Er stellte sich, als wolle Er weitergehen.

29 Und sie nötigten Ihn und sagten: Bleibe bei uns, denn es ist gegen Abend, und der Tag hat sich geneigt. Und Er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben.

30 Und es geschah, als Er mit ihnen zu Tisch lag, nahm Er das Brot, segnete es, brach es und gab es ihnen.

31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten Ihn; und Er wurde vor ihnen unsichtbar.

32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als Er auf dem Weg zu uns redete, als Er uns die Schriften öffnete?

33 Und sie standen in derselben Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück und fanden die Elf und die mit ihnen Versammelten,

34 die sagten: Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen!

35 Und sie erzählten, was auf dem Weg geschehen war und wie Er ihnen beim Brechen des Brotes erkannt worden war.

Wüste

Der Weg durch die Wüste beginnt. Die ersten Jünger haben Ostern nicht wie wir gefeiert. Es waren nur vereinzelte Lichtblitze da. Jesus ist nicht so bombastisch erschienen, wie es ein schöner Ostergottesdienst vermuten lassen kann.

Es war ein derart trauriger Ostersonntag, dass z. B. diese zwei Jünger traurig weggingen, vermutlich nach Hause. Und als sie angesprochen werden: „Sie blieben stehen – traurig“.

Es erinnert mich an mein eigenes „Ostern“ vor etwa 40 Jahren. Das Ergebnis war nicht Freude, sondern zunächst großer Kummer.

Jesus verbirgt sich – warum?

Dass Er sich hier zeigt, ist eine eine leise Grenzüberschreitung. Hätte Er sich als Auferstandener wirklich zeigen wollen, es hätte großartigere Möglichkeiten gegeben.

Hier geht Er Jüngern nach, die weggehen, die schon Feierabend mit ihrem Glauben an Jesus gemacht haben.

Wenn Du Dich also verbirgst – wozu dient es mir?

Prüfung

Wir sollen Reich Gottes auf Erden leben.

Wir!

„Es ist gut für euch, dass ich gehe“.

Auch, damit wir aufstehen von der Zuschauerbank. Vom Zögern und Erwägen. Vom vermischten Leben, das nur in Deiner Gegenwart als Reich Gottes erkennbar ist.

Und nun gleich Schritte in die Wüste.

Brennt unser Herz

Was reden wir, wenn kein „Jesus-Programm“ läuft? Vor dem Gottesdienst und danach? Vor der Männerrunde und danach? Beim Treffen außerhalb des „Systems Kirche“?

Welchen Ackerboden des Herzens bereiten wir, den Jesus locken könnte, mit uns zu gehen? Wie interessiert höre ich außerhalb der Kirche aus den Schriften, die Jesus hier den Jüngern erklärt – dem Tanach?

Lasse ich mir die Väter einbinden in den lebendigen Jesus?

Ich spüre, dass mein eigenes Problem weniger an dieser Stelle ist. Aber es ist etwas weiter hinten in der Geschichte.

Überziehen

Die Jünger nötigen den Wanderer.
Viele meinen, es wäre höflich, den anderen des Weges gehen zu lassen. Ist doch seine Entscheidung, ob er noch bleiben will.

Ein brennendes Herz verschiebt die Grenzen der üblichen Kultur durchaus. Nicht mit Gewalt, aber doch in einem Maß.
Die Jünger schauen für den Anderen auch auf seine Straße. „Sieh doch, es wird auch für Dich Abend. Bleibe doch, wir sorgen für Dich.“

Ein feines, geistliches Drängen im Sinne des Unausgesprochenen des anderen.

Ich muss den Acker des anderen schon ein Stück weit betreten, will ich glaubhaft auch den Fremden lieben.

Ein alter Ostpreuße würde auf die Frage, ob er noch einen Nachschlag will, niemals Ja sagen, und der Gastgeber würde ihm dennoch auffüllen.

Gastmahl

Hier liegt es bei mir oft im Argen.
Kochen ist immer noch nicht mein Heimspiel. Obwohl Du mich schon oft gemahnt hast.

Zunächst einfach kochen – und dann einladen.

Erst die Gewohnheit für andere zu kochen öffnet die nächste Tür zum Reich Gottes.

Augustinus schreibt: „Was der Zweifel verloren hat, brachte die Gastfreundschaft zurück.“

Im „Team Capri“, der Soldatenküche des Gideon, in der wir 2024 kurz helfen durften, hatte ich es schon verstanden.

„Gidi“ hatte schon seit Jahren einmal im Monat für Freunde gekocht. Für viele Freunde, ich meine, er sprach von etwa je 20 Gästen. Er war Gastfreundschaft und Kochen gewohnt.

Darum gab man ihm den Raum, ja das ganze kleine Haus, um diese Gastfreundschaft auf die Soldaten auszudehnen.

Ich habe Freunde, die dies wunderbar machen. Und ich verbeuge mich vor ihnen. Besonders meine Frau ist darin wunderbar. Aber das soll keine bequeme Rollenverteilung werden.

Das Reich Gottes offenbart sich zentral im Gastmahl.

Im gemeinsamen Brotbrechen ist Reich Gottes gegenwärtig.

Auch unabhängig von der Eucharistie, in der es zwar recht gefeiert wird, aber in der Praxis zum Teil vom gemeinschaftlichen Leben getrennt bleibt.

Reich Gottes ist keine kalte Theologie – es ist Gemeinschaft im Leiblichen. Wir geben von unserem Brot und eifern Jesus nach, der Seinen Leib als Nahrung gab – und gibt.

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