Hebräisch – Rabuni

Mi 08.04.2026

Joh 20:11-18 Maria am Grab

Der Text

Übersetzung aus dem griechischen Urtext

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein

12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen am Haupt und einen an den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte.

13 Und jene sagen zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie sagt zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie Ihn hingelegt haben.

14 Als sie dies gesagt hatte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen, und sie wusste nicht, dass es Jesus ist.

15 Jesus sagt zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie, in der Meinung, es sei der Gärtner, sagt zu Ihm: Herr, wenn du Ihn weggetragen hast, so sage mir, wo du Ihn hingelegt hast, und ich werde Ihn holen.

16 Jesus sagt zu ihr: Maria! Da wendet sie sich um und sagt zu Ihm auf Hebräisch: Rabbuni! – das heißt: Meister.

17 Jesus sagt zu ihr: Halte Mich nicht fest, denn Ich bin noch nicht hinaufgestiegen zum Vater. Geh aber zu Meinen Brüdern und sage ihnen: Ich steige hinauf zu Meinem Vater und eurem Vater, zu Meinem Gott und eurem Gott.

18 Maria von Magdala kommt und verkündet den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und dass Er dies zu ihr gesagt hat.

Begrenzung

Ich habe diesen Text an anderer Stelle oft betrachtet und konzentriere mich heute auf ein Wort: רַבּוּנִי (Rabbuni)

Warum sagt Johannes das so explizit?

Wortbetrachtung

Es ist zunächst nicht reines Hebräisch. Bei diesem Wort liegt keine hebräische, sondern eine aramäische Form vor; das ‚u‘ ist eine aramäische Form einer Verstärkung.

Das i am Ende ist die übliche hebräische Form des „mein“, besser des „mir“, denn „Eigentum“ von Dingen gibt es so im Hebräischen nicht.

Johannes übersetzt es nicht – ein erstes Zeichen, dass es gut ist, Hebräisch zu lernen.

Nicht nur Stilmittel

Ich hatte einen Disput mit der KI. Sie hat es eher als Stilmittel gedeutet, damit der unmittelbare, persönliche Ruf der Maria von Magdala deutlich wird.

Und das ist sicher auch wichtig.

Maria hat immer Aramäisch gesprochen. Und das ist alles übersetzt. Warum hier nicht? Auch im Altgriechischen gibt es die wörtliche Rede.

Eine Sprache ist weit mehr als das, was beim Übersetzen entsteht. Jede Übersetzung übersetzt und interpretiert in eine andere Denkwelt, genauer: eine andere Welt des Herzens.

Walter Benjamin hat einen langen Aufsatz zum Thema „Die Aufgabe des Übersetzers“ verfasst. Sinngemäß sagt er: Keine einzelne Sprache sagt die Wahrheit vollständig.

Ich ergänze: Die „Welt“ der einen Sprache lässt sich nicht vollständig in eine andere Sprache übertragen.

Denn Sprache ist Sein.

Jedes Wort assoziiert mit weit mehr als der unmittelbaren Bedeutung.

Jeder Gebrauch in einem Kontext verändert das, was das Wort in mir stiftet.

Gottes eigene Sprache

Vielleicht ist diese Überschrift zu steil – aber ich spüre etwas von der realen Kraft der hebräischen Sprache, Gott genauer, wirklichkeitstragender auszudrücken als andere Sprachen.

Und es ist nicht damit getan, zu glauben, im Himmel werden wir ohnehin alles verstehen.

So wie ich die Bedeutung der Schöpfung, des Leibes betone, die nicht durch eine alles überwindende Geistlichkeit aufgehoben wird, so auch die Sprache.

Vieles wird wunderbar möglich sein – aber nicht alles, was war, verfliegt in ein Nichts.

Auch Jesus trägt im Himmel weiter Seine Wundmale – so wie Thomas es gesehen hat.

Sprache ist bei Gott Wirklichkeit, also auch Wahrheit. Und jeder Akt Gottes hat den Charakter des Ewigen.

Ich bin der, der ich aus dem Gegebenen in meinem Leben geworden bin. Also das, was ich damit und daraus gemacht habe.

Weder mein Leben (das Gegebene) noch das, was ich daraus gemacht habe (das Gewordene) sind jemals ohne Bedeutung.

So ist es auch mit Sprache.

Es ist das Gewordene eines Volkes.

Die Geschichte Israel steckt auch in seiner Sprache.

Es ist weder Zufall, dass es hebräisch war – noch ist es Zufall dass Eliezer Ben-Yehuda sie wieder ins Leben rief, als die Zeit reif war.

Eliezer אֱלִי־עֶזֶר bedeute übrigens: Gott ist mir Hilfe.
Sohn des Stammes Juda. „יְהוּדָה“ (Jehuda) Gott sein gedankt/gelobt. Also: Sohn des Lobpreises.

Außer der stillen Zeit selbst weckt kaum etwas meinen Geist so, wie das Studium der hebräischen Sprache.

Gelobt sei Gott.

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