Do 02.03.2023
Mt 7:7-12 Wer bittet, der empfängt.
In diesem Text geht es weniger um das Bitten um etwas, was man gern für sich hätte, oder was einem guttun würde.
Auch die psychische Entlastung, die Menschen empfinden, wenn sie auf das Leid, das sie miterleben, mit Fürbitte reagieren können. „Da bleibt nichts mehr als zu beten“ ist ein Ausdruck dieses Denkens. All das ist erlaubt und gut – hier scheint es mir um etwas anders zu gehen.
Denn im weiteren Verlauf geht es um die enge Pforte und die Irrungen des breiten Weges, des Weges also, den man immer schon geht und den viele gehen.
In jedem Menschen gibt es ein inneres Wissen um die Gotteskindschaft. Um das geistige, das überaus groß, interessant, wichtig und schön ist. Ein Wissen um eine Heimat im Himmel. Eine Heimat, die nicht bequem und nett ist wie ein weißer Sandstrand am blauen Meer – sondern abenteuerlich, herausfordernd, erhöhend und erfüllend. Meine Berufung, mein eigentliches, wunderbares Leben.
Viele Märchen berichten genau davon. Von einem, der aufbrach. Sie sind schön, weil sie uns an etwas in uns erinnern.
Dieses innere Wissen meint nicht die Abenteuer der Welt oder gar die tolle Urlaubsreise. Sie meint nichts, was ich konsumiere.
Jeder Konsum stumpft diese Sehnsucht ab, teilt ihr mit, dass sie sich damit zufriedengeben soll. Das Spielen mit den schon vorhandenen Bauklötzen der Erkenntnis und Erfahrung ist gut – für eine Zeit.
Ich erinnere mich sehr an einen SF Roman von Arthur C. Clarke, „Die sieben Sonnen“, in der es mit der perfekten Stadt Diaspar begann. Als Leser schon weiß man, dass dieser Ort nicht wirklich die Heimat meines Herzens ist.
Christus ist gekommen und gibt uns den Schlüssel für die enge Pforte. Sie bleibt aber eng, und der breite Weg bietet sich immer noch an.
Den Weg zu finden, erfordert ein ständiges Wollen, ein täglich neues Anklopfen. Ein Bitten um Führung.
Der Himmel ist nun kein Ort, sondern eine „Wesenheit“, also eine andere Art zu sein. Und zwar des nicht mehr von der Welt abhängig seins. Des ständigen Fließens von Aufmerksamkeit zwischen dem Vater und mir und zwischen dem Anderen und mir.
Anklopfen und das Empfangen sind wirksam für den, der sich in Richtung des Vaters wandelt. Also dem, der selbst genauso auf ein Anklopfen hört. Der dem Sohn keine Schlange gibt, sondern Brot. Die Schlange ist vermutlich ein Bild für die Lüge. (In der Praxis, die Inszenierung seiner Selbst).
Was ich will, dass mir Gott tut, das tue ich dem Anderen. In Vers 12 steht ántro-opos. Der Mann (Mensch), der die Augen aufschlägt, der mich ansieht.
Genau so beschreibt Jesus sich selbst immer wieder (Menschensohn).
Victor Frankl bezeugt, dass der Mensch das Wesen ist, das nicht eigentlich leben kann, wenn es nichts hat, wofür es sterben kann.
Die Welt und die Dämonen trommeln mit aller Kraft, um uns davon abzubringen, wir selbst zu sein. Nicht wir selbst als Welt-Wesen, sondern als Gottessöhne.
Als Jugendlicher (10-13) hatte ich keine Freunde – außer den Büchern der Stadtbibliothek. Dort wurde meine Sehnsucht nach der Heimat genährt. Die Heimat, die ganz woanders ist, als in allem, was ich kenne.
Ich möchte zurück zur ersten Liebe. Die Sehnsucht mit Eifer („zetéo“ suchen, von Eifern) fortführen. Anklopfen mit aller Kraft (κρούω krouó anklopfen; von κρούω kroúo zerschmettern, abbrechen). Raus aus Diaspar – einem Paradiesdenken – hin zum himmlischen Jerusalem (einer Stadt voll mit Gott und Menschen).
Gott sei Dank kenne ich den Weg: Es ist der Weg am Anderen.