Eine harte Rede

Fr 03.03.2023

Mt 5:20-26 Unsere Gerechtigkeit sei besser als die der Schriftgelehrten.

Ich habe am 09.06.2022 zu dem Abschnitt eine Andacht gehalten. Wie ich meine, recht lesenswert.

https://www.craft.do/s/IQhf8kry9qPP87

Was ist heute zudem wichtig?

Ist eine harte Rede, wie diese, nicht ein Türschließer? Wenn ich mich ertappt fühle oder überfordert fühle, mache ich dicht.

Ein normaler Jude reichte bei Weitem nicht an die Gerechtigkeit eines Pharisäers. Heute klingt das Wort „Pharisäer“ recht negativ. Das war es damals nicht. Wir haben heute wohl keine Gruppe von Menschen, die damit vergleichbar ist. Haben wir das Konzept der Tugend und Redlichkeit so lange geschliffen, bis wir es nicht mehr kennen?

Keiner möchte mehr tugendhaft sein, es wird mit dem Etikett „brav“ verunglimpft und „gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“ (Buchtitel, heute ergänzt mit „Jeden Tag ein bisschen böser“.).

Heute wird propagiert, dass, nur wer sich selbst lieben würde, könnte auch andere lieben (habe ich an vielen Stellen als Irrtum dargelegt).

Dieser Abschnitt aus der wunderbaren Bergpredigt ist ein Gerichtstext. Der heutige Leser liest es nicht mehr – seine Wahrnehmungsfähigkeit ist für dieses Thema praktisch erloschen.

Es ist die Rede vom höllischen Feuer. Vom Gefängnis, aus dem man nicht heraus kommt, bis auch der letzte Heller bezahlt ist.

KEIN Wort von Gnade.

Im späteren Verlauf (V29) sogar das entsetzliche Wort vom Herausreißen des eigenen Auges, wenn es mich „Ärgert“ (genauer: Verführt).

Mir scheint, es korreliert mit unserem allgemeinen Verlust der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Dauerhaftes wegschieben von Verantwortung – z. B. auch in den Therapien – führt zu einem verkümmern dieses „Muskels“ in uns. Wir empfinden garnicht mehr die Möglichkeit einer Schuld. Was wir Schuldgefühl nennen, ist zumeist Selbstmitleid, oder es ist etwas, wofür ich noch nicht den Schuldigen gefunden habe, auf den ich es schieben kann (z. B. Kindheit, Ehepartner, Chef, Staat, Gesellschaft …).

Der Satz: „Wer keine Ausrede mehr hat, der wird erschossen“ von einem meiner Söhne, offenbart das Grundgefühl hinter all den Ausreden. Wenn ich im Alltag darauf achte, bei anderen oder bei mir, ist es genau so, wie dieser Satz es sagt. Ich kämpfe so um „Begründungen“ Erklärungen, vermeintlichen Bedürfnissen, als wenn mein Leben davon abhinge.

Woher nimmt Jesus die Freiheit, so zu reden? War es nicht damals auch eine Überforderung?

Und ich selbst. Ich fürchte mich, das ernst zu nehmen, weil es mich selbst anklagt. Da schweige ich lieber, auch in meinen Gedanken, vielleicht merke ich meine Schuld dann nicht (ob der Andere oder Gott sie dann auch nicht merkt?).

Oft denke ich, wenn der Weg schwer ist, muss es der falsche sein. Ist es so?

Es muss doch irgendwie mit Erkenntnis locker lösbar sein. Ist es so?

Für heute will ich nur ein tröstliches Wort sagen: Wenn Jesus es laut sagt, gibt es auch eine Lösung dafür. Dann ist das in uns, was dies auflösen kann.

Ich will aber warnen: Für evangelikale Christen ist die Lösung immer gleich die Gnade.

Die ist es hier nicht!

Hier geht es um meine Verantwortung – Jesus hat schon alle Gnade gegeben. Der Text handelt von der Zeit nach der Gnade.

Wer meine Texte längere Zeit gelesen hat, kennt die Antwort.

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