Mo 04.03.2024 Fastenzeit
Lk 4:24-30 Jesus wird in Seiner Heimat verworfen.
Was ist der Maßstab meines Urteilens? Meine Erfahrung?
Vorbildliche Nazarener
“…so sollst du den Mann oder das Weib ausführen, die solches Übel getan haben, zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen.”
(5. Mose 17:5)
Bei Lukas heißt es, sie führten ihn zur Stadt hinaus, um Ihn von einem steilen Abhang herabzustürzen.
Vielleicht war es schriftkonform.
In der Stelle bei Mose geht es um falsche Götter, um theologisches Fehlverhalten.
Jesus heilt am Sabbat. Theologisch falsch. Und Er lehrt gewaltig – nicht so wie alle anderen. Mit wem ist Er im Bunde?
Verdächtig. Gefährlich.
Heute stehen nur wenige für die Konsistenz und die Reinheit des Glaubens ein. Deshalb werden wenige Menschen exkommuniziert.
Aber die Freikirchen kennen das „zu Tode stürzen“ in der Form der Gemeindespaltung.
Und erlebe ich nicht, das katholische Freunde Not haben, das neue, das jetzt in und an Israel geschieht, als Zeichen zu sehen?
Erfahrung
Viele Menschen pochen auf ihre Erfahrung.
Die Nazarener hatten ihre Erfahrungen mit Jesus.
Sie kannten Ihn von Kind auf. Ein harmloser Junge von Nebenan.
Kennen wir schon. Kennen wir so, wie wir Ihn erlebt haben.
Ist es nicht so, dass ich die Dinge, die ich höre, mit dem abgleiche, was ich kenne, mit dem ich vertraut bin?
Und du, lieber Leser?
Passt es da rein? Sollte es mich beunruhigen – oder sollte ich es töten?
Das sind die natürlichen Alternativen.
Denn Erfahrung ist mein guter Schutz, ist das, was mich bis hierhin gebracht hat.
Israel hat Erfahrung mit Gott.
Mehr Erfahrung als alle Nationen.
Israel war und ist Gott näher als sonst jemand.
Wenn Israel mit diesem Vorteil auch einen bestimmten Nachteil hat, wie vermute ich dann, dass es mir nicht ebenso geht?
Zwei Seiten
Als jemand, der das Beispiel Israel hat, und an ihm lernen kann, soll ich nicht meinen, ich hätte es schon und alle anderen könnten sich an mir (theologisch) orientieren.
Ich muss lernen: Gott ist der immer wieder neu erscheinende, der lebendige, der überraschende.
Ich lerne, mit Israel Erbarmen zu haben, damit ich auch Erbarmen erfahre in meinen Festlegungen und Sicherheiten.
Und dann:
Jesus weiß dies – und handelt dennoch in Nazareth.
Er bleibt ist Israel, obwohl Israel Ihn eben aus diesen Gründen kreuzigen wird.
Die Verblendung der Täter ist nicht ihre Grundhaltung.
Es ist das Ergebnis von kleinen Dingen, von Wegschauen an Stellen, an denen Gott sie ansprach. Zu harmlosen Zeiten. Wo höre ich weg?
Jesus geht nicht den Weg des Erfolges. Er besucht Sidon und die zehn heidnischen Städte – nur um wieder in die Erfolglosigkeit der Heimat zurückzukehren.
Dietrich Bonhoeffer war 1939–1940 in Amerika. Es war offensichtlich, dass seine Rückkehr nach Deutschland ihn in die Erfolglosigkeit führen wird. Und schließlich in den Tod.
Er ging auf den Spuren Jesu, indem er in dem blieb, sich wieder zu dem wendete, indem und zu dem er berufen war.
Diese Zeiten stehen vor der Tür.
Ich vermute, eine Weile werden wir „mitten durch sie hindurchgehen“ können.
Viele Jahre war Jesu in der Synagoge von Nazareth. Niemand nahm Anstoß.
Dann war die Zeit erfüllt – und es wäre clever gewesen, woanders hinzugehen.
Er aber ließ es sich gefallen, von den Seinen missverstanden, verachtet – ja ausgestoßen zu werden.
Hinausgehend über die natürliche Klugheit, hin zur leidenden Verbundenheit.