Glaubt Jesus mir?

So 03.03.2024 3. Fastensonntag

Joh 2:13-25 Jesus reinigt den Tempel

Ich möchte die provokante Frage der Überschrift an mich heranlassen. Denn sie steht im Text.

Das Evangelium nach Johannes ist eine Sinfonie, eine Komposition, mir scheint, es ist der tiefste Text, den es je gab.

Warum steht die Tempelreinigung in Kapitel zwei?

Sonst ist sie in der Passionswoche, sehr viel später.

Sie glaubten

In Vers 24 ist davon die Rede, dass viele an Jesus glaubten. Und zwar aufgrund der Zeichen, die er tat.

In Vers 25 ist davon die Rede, dass Jesu sich ihnen nicht anvertraut.

Da steht dasselbe Wort, das in Vers 24 mit „Glaube“ (pistis) übersetzt wird.

Jesu glaubten ihnen nicht.

Noch mal:

Viele glaubten an Ihn – Er aber glaubte nicht an sie?

So lese ich es.

Was verbindet die Geschichten

Vor dieser Geschichte stehen die Ereignisse um die Hochzeit von Kanaa. Jesu und Maria, nenne ich sie.

Danach die Geschichte von Jesus und Nikodemus. Jesu trifft auf den „Qualitätsglauben“ des klugen und frommen Pharisäers, ja einem Oberen der Juden.

Was ist überall zu spüren:

Jesus gibt sich keine Mühe, dass irgendjemand Ihm glaubt.

Im Gegenteil.

Das Weinwunder in Kanaa geht nicht von Ihm aus. Nein, er weist es zunächst zurück. Mit harten Worten.

Im Tempel verhält sich Jesus abstoßend. Wie ein übertriebener Eiferer. Mit Worten, die niemand verstehen kann. Und Er glaubt denen nicht, die aufgrund von Wundern an Ihn glauben.

Nikodemus behandelt Er wie einen dummen Jungen. „Du bist Lehrer der Juden und weißt das nicht?“

Auch dort redet Er so, dass es nicht zu verstehen ist.

Es reicht nicht, dass ich an Jesus glaube

Es ist ebenso nötig, dass Jesus an mich glaubt.

Vermutlich wird niemand diese Aussage mögen – und viele sie vielleicht ablehnen.

Ist Jesus nicht ohnehin und schon immer auf meiner Seite, liebt mich, will mich?

Gestern sagte der Vater über den verlorenen Sohn „Er war tot“.

Und er unternahm keine Anstrengung, ihn wiederzugewinnen.

Übergestülpt

Als Seelsorger scheint es mir zunächst, das die meisten Menschen sich nicht geliebt fühlen. Eines Tages erlebte ich jemanden, der mit Tränen in den Augen von dem Übermaß an Zuwendung und Berührung durch seine Mutter sprach.

Es ist nicht alles Bezogenheit

Nicht alles Gemeinschaft und Nähe.

Nein.

In gleicher Bedeutsamkeit ist die freie Person zu achten – ja mit Sorgfalt zu würdigen.

Es ist ein Dreieck.

Habe ich nur Beziehung im Blick, verliere ich unter Umständen die Würde des wirklich je anderen. Des ganz anderen, souveränen Menschen.

Halte ich es aus, dass der Andere so ganz er selbst sein soll?

Dass meine Sehnsucht nach Beziehung ihm vielleicht lästig ist, ja einengt in seinem Selbst-sein?

Glaubst Du mir, Jesus?

Dazu wird und soll es Prüfungen geben.

Nicht weil ich das will – sondern weil es Bedingung für eine würdige Beziehung ist.

Wenn Du mich willst, ist dies auch Dein freier Wille. Du bist Person.

Und Du traust mir zu, Dich zu wollen, auch und gerade im Widerstand.

Maria hat es vorgemacht!

Nach der scheinbar kalten Zurückweisung („Was habe ich mit Dir zu tun, Weib“) bleibt sie glaubend. Sie riskiert die Blamage, indem sie ihren Glauben ins Feuer der Tat stellt. „Was Er euch sagt, das tut“.

Wir fürchten oft den Verlust eines Menschen so sehr, dass wir ihn garnicht leben lassen. Als freies Selbst leben lassen.

Ich will Dich, Geliebter. Auch von mir aus, von einem Selbst aus, dass nicht genötigt wurde.

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