Kein Adresse für die Versuchung

Fr 09.08.2024 🌷Leo

Mt 16:24-28 Von der Nachfolge und dem Kreuz

Zusammenhang

Das erste Wort dieses Bibelabschnittes lautet „da“. Genauer: ‭τότε‭ tó-te: ‭dann.

Darin steckt das Wort „und zwar“.

Es bezieht sich also auf das Thema davor. Dort ging es um Petrus, der zu Jesus sagt: Das widerfahre Dir nur nicht.

Es heißt also: Nicht nur ich (Jesus) werde nach Golgatha gehen, sondern lass uns mal über dich, Petrus, über dich, Andreas reden.

Oha.

Willst du, Andreas?

Es geht weiter mit θέλω‭ thélo: ‭wollen. Ein freies Wollen. Willst du, Andreas, hinter mir her gehen.

Jesus fragt es die Jünger.

Es scheint merkwürdig, denn sie gehen doch hinter Ihm her. Deshalb heißen sie ja „Jünger“.

Mein „hinter Jesus hergehen“ ist der Anfragen und Reden würdig, die ich jetzt von Ihm höre.

Aber es ist eine Frage ins Freie hinein. Gerade jetzt erst, da ich Jesus etwas kenne. In gewisser Weise ist es mehr als frei – es ist gegen einen Widerstand, der die Freiheit erst offenbart.

Denn die Vorfindlichkeit ist die Selbstsorge und die Selbstliebe. Das besorgt sein und das sich um mich kümmern.

Ich wähle nicht vom Neutralen aus, entweder die Selbstliebe oder die Gottesliebe. Die Selbstliebe ist immer schon da und bindet mich, bindet mich so sehr, dass ich selbst davon kaum (oder garnicht) loskomme.

Die Frage ist nicht, ob ich das kann – die Frage ist, ob ich das will.

Und ob ich etwas will, zeigt sich daran, ob ich einen Preis dafür bezahle.

Jesus nennt hier den Preis: Golgatha.

Das tut Er nicht am Anfang. Am Anfang geht es darum, Jesus kennenzulernen. Mit Ernst und mit Eifer. Nicht, weil ich dann ein Jünger bin. Sondern weil ich dann die Frage Jesu beantworten kann: Willst du hinter mir hergehen.

Denn Jesus geht nach Golgatha, das sagte Er zuvor. Die Jünger wissen genau, dass es darum geht.

Nicht mehr: Willst du hinter dir, deinem Ego, hergehen?

Dein Ego, das vielleicht Gemeinschaft mit mir, Jesus, will.

Aber „hinter mir (Jesus) her, nach Golgatha“ war damit noch lange nicht gemeint.

Will ich das?

Hinter mir her.

Hinter Dir her bedeutet:

In Deiner Nähe. Ganz bei Dir. Ganz in Verbundenheit mit dem, den ich als Liebenden kenne.

Es bedeutet:

Kein Schritt von mir aus. Nicht vorlaufen in falschem Eifer.

Nicht zurückbleiben bei den Blumen am Wegesrand (den Freuden der Welt).

Es bedeutet:

Kein Sprung. Jeder Schritt ist als Schritt gangbar und jeden Schritt hast Du zuvor getan. Du sagst: Ich gehe den Weg so, dass du ihn gehen kannst. Ich breche dir Bahn.

Würde

Im Verlauf des Evangeliums wird fast beiläufig klar, dass es eigentlich keinen anderen Weg gibt.

Wir können aber nicht annehmen, was wir nicht leben können. Die Wahrheit an sich nützt wenig. Sich selbst verleugnen kann kein Mensch von sich aus. Selbst wenn er das Prinzip verstanden hat – es geht nicht.

Die Würde ist in der noch ganz leichten Phase der Jüngerschaft. Ich lerne Jesus kennen. Den, der mich dann fragen wird: Kommst du mit? Bis ans Ende meines Weges. Soll mein Weg auch Dein Weg sein?

Es ist der Duft Jesu. Das sich verlieben in Seine Nähe. Das Zulassen des gefangenen Werdens.

Sich selbst verleugnen

Sich selbst verleugnen ist ein Programm für den Alltag.

Es geht um das Selbst, das sich liebt. Es geht also um das End-lieben lernen.

Ich liebe, was mir sehr vertraut ist. Bin ich mir allezeit selbst vertraut?

Oder lerne ich, mich selbst nicht mehr zu kennen, sondern Christus allein.

Wenn mein „Schatz“, also mein Aufmerken, Denken und Betrachten bei meiner Befindlichkeit ist – dann kann ich Jesus nicht auf diesen Weg folgen.

„Wie geht es mir“ ist die alte Frage.

Meine Aufmerksamkeit ist vielleicht wie meine Postadresse. Wohin sie gerichtet ist, dorthin kommen die Pakete.

Kommt eine Versuchung, kommt sie dorthin.

Denke ich, fühle ich – alles landet bei mir.

Liebe ich, landet auch dies hier, bei mir.

Erst wenn meine Postadresse bei Jesus ist, kann ich weder verführt werden noch mich selbst lieben.

Jesus aber ist zumeist nicht zu Hause – er ist beim je anderen.

Üben

Die Übungen, die mir dabei in den Sinn kommen, werde ich zunächst weiter durchführen. Vielleicht gibt es hier Raum auch dafür zu seiner Zeit.

Hinterlasse einen Kommentar