Di 10.09.2024
Lk 6:12-19 Berufung der 12 Jünger
Die ganze Nacht im Gebet
Ein Berg. Zum Gebet zu gehen, war auch für Jesus ein Weg hinauf auf einen Berg. Eine Mühe.
Manche Menschen stehen früh auf, wenn der Flieger in den Urlaub das verlangt. Oder sie machen regelmäßig Sport. Oder üben ein Instrument, bereiten sich auf Kunden vor oder waschen einfach nur ihr Auto.
Welche wirkliche Mühe, welchen Berg erklimme ich, um mit meinem Vater ewige Dinge zu bewegen? Darf es eine wirkliche Mühe sein?
Jesu geht in der Nacht. Die Nacht gehört zu den Dingen, die mir wichtig sind – wegen des Schlafens.
Aber wichtiger scheint mir: Es geht darum, dass ich nicht mehr von wo anderes her bestimmt bin. Dass ich ganz konzentriert bin – mehr als für alles andere.
Jesus blieb über die Nacht.
Ich beobachte in der Gebetszeit, das die Quantität nicht eine lineare Verbesserung des Gebetes bedeutet.
20 Minuten sind nicht doppelt so gut wie 10 Minuten. Zwei Stunden sind nicht doppelt so gut wie eine Stunde – sondern viel mehr. Es ist eine ganz andere Kategorie.
Jesus blieb im Gebet zu Gott. Viele Menschen machen gute Dinge. Sie studieren intensiv, um gute Ergebnisse zu erzielen. Am Sonntag war ich auf dem Stadtfest in Buchholz und es gab Aufführungen, in denen enorm viel Körperbeherrschung, Disziplin und Hingabe zu erkennen war. Gut.
Aber wofür?
Ein Beter ist nur ein Beter, wenn er ganz Gott meint.
Bei allem kommt es auf die Intention an, auf den Inhalt, auf das, um was es geht. Das „Wie“ wird schon oft gut gemacht – aber das worum, oder für wen, das ist dann doch meist wieder die Person selbst, die es tut.
Worum betet Jesus
Jesus betet als Mensch. Nicht allwissend und nicht mühelos.
Und Er hat zweierlei im Blick: den Vater – und die zu formenden Apostel.
Er hat Folgendes nicht gesagt: Habe eine persönliche Beziehung zu Gott und dann wird Gott dich leiten.
Sondern Jesus betet um Apostel! Um die, zu denen ich eine persönliche Beziehung haben soll, weil sie mir von Jesus her gegeben sind.
Er betet schon jetzt um den Ersatz Seines eigenen Amtes auf Erden.
Er betet zu Gott – das bleibt, auch für jeden Christen. Aber Jesu Wirken auf Erden wird Er auf Apostel übertragen.
Der Leib Jesu ist nicht eine homogene Gruppe.
Es ist nicht so, das jeder Christ genauso Priester ist wie jeder andere Christ. Sondern nur in bestimmter Weise.
Es werden 12 Apostel gewählt. Genauer: AUS-gewählt. Unter Zurücklassung all der anderen Jünger, die auch da waren, die aber unberücksichtigt blieben.
Niemals hat Jesus gesagt, alle Menschen wären gleich in ihrer Verantwortung vor Gott und Mensch.
Eltern sind das Schicksal ihrer Kinder
Eltern haben Verantwortung für ihre Kinder (nicht der Staat). Und Eltern sind sehr unterschiedlich – für manche Kinder können sie ein schweres Schicksal sein.
Die Priester sind das Schicksal der Gemeinde. Leiter sind Segen – oder Fluch für die Anbefohlenen.
Auch wenn die Gesellschaft etwas anderes sagt.
Emanzipation ist eine Illusion. Ich wähle nur das nichts, wenn ich ständig selbst wähle, mich selbst leiten will.
Gott erbarmt sich der Sünder – solange sie keine Leiter sind.
So freundlich Jesus zu den Sündern ist – so hart ist Er zu der geistigen Elite.
Das Licht Gottes scheidet – selbst die 12 Jünger.
Vielleicht wäre es Judas besser ergangen, wäre er nie Apostel geworden.
Und die Lösung ist nicht, nicht Leiter zu sein. Denn Gott hat diese Struktur genauso geschaffen.
Zu den ersten und heiligsten Aufgaben eines Priesters gehört es, Priesteramtskandidaten zu finden und zu formen. Denn auch Jesu hat dies ganz am Anfang getan.
Eine wachsende Gemeinde braucht Heilige. Sie sind das Salz – auch für die Gemeinde selbst.
Zellwachstum ohne Unterordnung nennt man Krebsgeschwür.
Ich kenne viele elternlose Kinder im Glauben. Sie vagabundieren durchs Leben mit der Babyflasche in der Hand. Ein Grauen. Was wird mit ihnen?
Wer will Vater werden für sie? Wer lässt sich berufen?
Wer steigt auf den Berg des stillen Gebetes zu Gott und lässt sich zeigen, wer ihm anvertraut wird – vom Vater her.