Mi 11.12.2024
Mt 11:28-30 Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid
Jesaja 40:25-31 Die auf den Ewigen harrenden, deren Kraft wird erneuert
Zum Text
Der Text selbst ist sicher vertraut. Jesus spricht davon, dass wir Sein Joch auf uns nehmen sollen. Die Rabbiner sagen: Die Unterweisung in das Gesetz und dessen Befolgung ist das Joch. Direkt nach diesem Text gibt es einen Konflikt mit dem Sabbat (das Ährenraufen der Jünger).
Den Jesaja-Text möchte ich länger zitieren (Luth. 84, ab V 29):
„Er gibt den Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“
Da ich inhaltlich schon oft darüber geschrieben habe (siehe z.B. Jesu Joch), heute eine Betrachtung.
Rechte Verantwortung
Das mir Gegebene ist meine Verantwortung – nicht, was ich mir nehme.
Ich erkenne es daran, dass im Gegebenen immer ein Anderer mit an dem Joch zieht.
Und dessen Kraft ist immer groß genug.
Denn selbst in der Ohnmacht bin ich nicht allein.
Nicht die Lösung ist meine Aufgabe, sondern die Treue.
Nicht die Erkenntnis, sondern das genau neben Jesus hergehen.
Ich sprach gestern mit einer Freundin darüber. Sie hat eine „Last“ getragen und trägt sie zum Teil immer noch, die übermäßig ist. Und sie ist sich und Gott darin treu geblieben – das erst hatte die „Last“ so groß gemacht.
Dabei haben wir oft darüber gesprochen, was genau recht ist vor Gott. Und in dem war sie treu – und konnte „laufen und nicht matt werden, wandeln und nicht müde werden“. Ich kenne wohl niemand anders, der solch Schweres so aufrecht getragen hat. Ich habe in dem allen kein Wanken und kein Zittern gespürt.
Ein anderes Anliegen dagegen hatte sie selbst auf sich genommen – und darunter ist sie müde geworden, mürbe. Es führte zu keinerlei Erfolg. Sie hat es nun abgelegt.
Was sie trug, war ihr nur Treue. Nur ein anderer hätte es als Last gesehen.
Scheitern und Scheitern
Das treue Tragen des Jochs führt zum Erfolg – so scheint es auf den ersten Blick bei Jesaja.
Meine Freundin hatte in ihrer Treue äußerlich einen langen Weg der Niederlage erlebt.
War das Scheitern?
Scheitern in der Sache, ja. Aber für mich ein herrlicher Triumph der Liebe und Wahrhaftigkeit.
Es wurde wahrhaft Gott verherrlicht (auch wenn wohl kaum jemand das sieht).
Was will ich in meinem flüchtigen Leben wirklich?
Erfolg? Sicherheit? Ruhe?
Oder ist es nicht mein Wesen, an der Herrlichkeit Gottes, nach meinem Maß, mitzuwirken.
Die Treue ist erst vollendet, wenn alles verbrannt ist.
Wenn nicht mehr der Funken einer irdischen Hoffnung all das in ein Geschäft umwandeln möchte.
Die Musik ist erst nach dem letzten Ton vollendet.
Der Mensch wird im Tod vollendet – nicht im Sieg.
Danach: die Hoffnung einer ganz anderen Herrlichkeit. Die Herrlichkeit Gottes und Sein Blick auf den treuen Knecht.
Das andere Scheitern ist das Festhalten an dem Erfolg. Das Mittel wird zum Ziel. Das Vorläufige vernichtet das Ewige. Es ist ein Scheitern der Liebe.
Liebe wird irdisch in einer vermeintlichen Erfüllung aufgehoben. Ihr Wesen ist eine Spannung – keine Harmonie.
Darum fängt die Liebe da an, wo der Spaß aufhört. Auch in der Ehe.
Es ist eine Entdeckung, die erst nach dem Gehorsam kommt – ich verspreche aber: Sie kommt.